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Katzenspielzeug sinnvoll einsetzen

Ratgeber

Wie Sie mit Katzenangel, Futterspielzeug und der richtigen Rotation die Jagdsequenz Ihrer Katze bedienen – und warum Laserpointer nicht genügen.

Spielen ist für Katzen keine Kür, sondern ein biologisches Grundbedürfnis. Der Alltag in einer Wohnung bietet dem angeborenen Jagdverhalten oft zu wenig Raum – mit Folgen, die von Übergewicht über Aggressivität bis zu Verhaltensproblemen reichen können. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie die Jagdsequenz Ihrer Katze gezielt ansprechen, welche Spielzeuge funktionieren, welche eher ins Leere laufen und warum der Laserpointer nicht das alleinige Mittel der Wahl ist.

Die Jagdsequenz verstehen

Die Hauskatze ist ein sogenannter Ambush-Predator – ein Lauerjäger. Eine vollständige Jagdsequenz besteht aus sechs Schritten: suchen, pirschen, verfolgen, Fangsprung, Töten (Biss in den Nacken) und Fressen. Ein Spiel, das diese Sequenz abbildet, befriedigt – ein Spiel, das vor dem letzten Schritt abbricht, frustriert (Bradshaw, Casey & Brown, The Behaviour of the Domestic Cat 2012; Ellis et al., Journal of Feline Medicine and Surgery 2013).

Das Prinzip für Halter:innen: Jedes Jagdspiel sollte mit einem echten „Fang-Erlebnis" enden. Eine Plüschmaus, ein Leckerli, ein Bissen Nassfutter – etwas, das Ihre Katze tatsächlich packen, tragen und vermeintlich „töten" kann.

Spielzeug-Typen und ihr Einsatz

Katzenangel und Wand-Toys

Die Katzenangel ist das wohl wichtigste interaktive Spielzeug. Sie als Halter:in führen die Beute – Feder, Plüsch, Schnur – in realistischen Bewegungsmustern. Kurze Stopps, Versteck-Momente, unvorhersehbare Richtungsänderungen imitieren das Verhalten kleiner Beutetiere. Studien und Leitlinien empfehlen zweimal täglich etwa 10 bis 15 Minuten intensives Jagdspiel, vorzugsweise in den natürlichen Aktivzeiten in der Dämmerung. Kurze, mehrfache Einheiten sind wirkungsvoller als eine lange Session.

Plüschmäuse, Bälle, kleine Beutedummies

Kleine Spielzeuge, die Ihre Katze tragen, beißen und werfen kann, ergänzen das interaktive Spiel. Achten Sie auf robuste Verarbeitung ohne lösbare Kleinteile, Kleinstmagnete, Glöckchen oder Bänder, die verschluckt werden könnten.

Futterspielzeug und Food Puzzles

Katzen sind genetisch auf häufige kleine Mahlzeiten angelegt. Fummel- und Intelligenzspielzeuge verbinden Nahrungsaufnahme mit Denken und Bewegen. Dantas und Kolleg:innen (Journal of Feline Medicine and Surgery 2016) dokumentierten in einer Feldstudie Gewichtsreduktion zwischen 6 und 32 Prozent, außerdem Rückgänge bei Aggression, Angst, Unsauberkeit und stressbedingter Vokalisation. Starten Sie mit einfachen Modellen (Napf mit Hindernissen) und steigern die Komplexität (Löcher-Bälle, mehrstufige Puzzles). Bei Adipositas gehört das Futterspielzeug zum festen Programm.

Catnip und Silvervine

Etwa 68 Prozent der Katzen zeigen eine Reaktion auf Catnip (Katzenminze), während Silvervine (Actinidia polygama, Matatabi) laut Bol und Kolleg:innen (BMC Veterinary Research 2017) bei rund 79 Prozent der Katzen anspricht – auch bei 71 Prozent der Catnip-Nichtreagierer:innen. Spielzeug mit diesen Pflanzen ist eine gute Ergänzung. Baldrian und Honigwurzel sind weitere Optionen.

Automaten und elektrische Spielzeuge

Rotierende Bälle, bewegliche Raschelfische oder Räder mit Federn funktionieren für manche Katzen gut, besonders wenn Sie außer Haus sind. Sie ersetzen aber nicht das soziale Spiel mit Ihnen – Katzen brauchen auch die Interaktion, nicht nur die Bewegung.

Pappkartons, Papiertüten, Verstecke

Kein Spielzeug? Auch gut. Ein simpler Pappkarton mit Seitenschlitzen, eine Papiertüte ohne Henkel, eine aufgerollte Decke sind für viele Katzen spannender als gekaufte Spielzeuge. Eine Studie von Vinke und Kolleg:innen (Applied Animal Behaviour Science 2014) zeigte, dass Tierheim-Katzen mit Versteckboxen sich messbar schneller vom Einzug erholen.

Laserpointer – nur mit Fang-Ritual

Laserpointer lösen bei Katzen eine starke Jagdmotivation aus – aber sie haben einen fundamentalen Haken: Der Punkt lässt sich nicht fangen. Die Jagdsequenz wird abgebrochen, was zu Frustration und in Einzelfällen zu zwanghaften Verhaltensmustern führen kann. Kogan und Grigg (Animals 2021) fanden in einer Halter:innen-Umfrage eine signifikante Korrelation zwischen häufigem Laserpointer-Einsatz und abnormalen repetitiven Verhaltensweisen (obsessives Starren, Licht- und Schattenfixierung, wiederholtes Kreisen).

Wenn Sie einen Laserpointer einsetzen, dann immer mit Fang-Abschluss: Leiten Sie den Lichtpunkt am Ende der Sequenz auf eine reale Plüschmaus oder ein Leckerli, das Ihre Katze greifen und „erlegen" darf. So bleibt die Jagdsequenz vollständig.

Rotation statt Spielzeug-Friedhof

Hall und Bradshaw (Applied Animal Behaviour Science 2002) beobachteten, dass Katzen nach drei aufeinanderfolgenden Sessions mit demselben Spielzeug den Neuheitswert weitgehend verlieren. Wechseln Sie deshalb alle ein bis zwei Wochen die verfügbaren Spielzeuge durch. Eine Kiste mit zehn Maus-Varianten, von denen drei „in Rente" sind, bietet drei Wochen lang immer wieder neue Reize – ohne dass Sie neues Material kaufen müssen.

Die fünf Säulen der Katzenumgebung

Das American Association of Feline Practitioners und die International Society of Feline Medicine haben fünf Grundbedürfnisse für das Wohlbefinden der Hauskatze definiert (Ellis et al. 2013):

  • Sicherer Rückzugsort: höhere Flächen, Höhlen, Versteckboxen.
  • Getrennte Ressourcen: Futter, Wasser, Toilette, Schlafplatz räumlich getrennt – Faustregel „n + 1", also eine Ressource mehr als Katzen.
  • Spiel und Beutefang-Simulation: tägliches Jagdspiel.
  • Positive Mensch-Katze-Interaktion ohne Zwang.
  • Katzenspezifische olfaktorische Umgebung: Duftmarken respektieren, keine Überreinigung.

Mehr zur Umgebungsgestaltung finden Sie in unserem Ratgeber Katzenhaltung: Indoor, Freigang und gesicherter Balkon.

Unterschiede nach Alter und Lebenssituation

  • Kitten: sehr hohes Spielbedürfnis, Sozialspiel mit Geschwistern oder Katzen-Partner:innen ist essenziell. Einzelhaltung junger Kitten führt häufig zum „Single-Kitten-Syndrome" mit mangelnder Beißhemmung – deshalb vermitteln Tierschutzeinrichtungen Kitten in der Regel zu zweit.
  • Adult: tägliches Jagdspiel, Futterpuzzles, Rotation.
  • Senior: Intensität reduzieren, Qualität beibehalten. Geistige Aktivierung über einfache Puzzles, langsames Angeln, weiche Federn auf Bodenhöhe – besonders wichtig bei kognitiv nachlassenden Katzen.
  • Reine Wohnungshaltung: höherer Spielbedarf, weil keine echte Beute. Vertikale Struktur (Katzenbäume, Regalbretter), Fensterplätze mit Blick nach draußen, Schnüffel- und Suchaufgaben.

Was Sie vermeiden sollten

  • Mit Händen oder Füßen spielen: Ihre Katze lernt, dass Körperteile von Menschen Beute sind – mit teils schwer abzubauender Spielaggression im Erwachsenenalter.
  • Nur Laserpointer oder nur Futterspielzeug: beides ist jeweils eine Zutat, nicht das komplette Menü.
  • Spielzeug offen in der Wohnung zurücklassen: offene Katzenangel mit Schnur ist bei Nichtbenutzen wegräumen, Verschluckungsgefahr.
  • Zu wenig Zeit für tägliches Spiel: Eine ruhige Wohnung mit Katze benötigt dennoch 15 bis 30 Minuten aktives Spielangebot pro Tag.

Im Tierheim Hannover

In unseren Katzenabteilungen setzen wir auf vertikale Struktur, mehrere Versteckmöglichkeiten, Futterpuzzles und mehrmals tägliches interaktives Spiel – je nach Tier mit Angel, Rascheldecke oder Plüschbeute. Gerade für Katzen, die wenig Sozialkontakt aus dem Vorleben mitbringen, ist Spiel auch eine sanfte Beziehungsarbeit. Wenn Sie eine Katze bei uns adoptieren, geben wir Hinweise mit, welche Spielweise Ihre neue Mitbewohnerin oder Ihr neuer Mitbewohner bevorzugt. Für Kitten gilt: Vermittlung nur zu zweit, es sei denn, es lebt bereits eine passende Katze im Haushalt.

Fachquellen

  • Ellis, S. L. H. et al. (2013): AAFP and ISFM Feline Environmental Needs Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery 15, 219–230.
  • Dantas, L. M. S. et al. (2016): Food puzzles for cats – feeding for physical and emotional wellbeing. Journal of Feline Medicine and Surgery 18, 723–732.
  • Bol, S. et al. (2017): Responsiveness of cats to silver vine, catnip, valerian and honeysuckle. BMC Veterinary Research 13, 70.
  • Hall, S. L. & Bradshaw, J. W. S. (2002): Object play in adult domestic cats. Applied Animal Behaviour Science 79, 263–271.
  • Kogan, L. R. & Grigg, E. K. (2021): Laser light pointers for use with domestic cats. Animals 11 (8), 2178.
  • Vinke, C. M. et al. (2014): Will a hiding box provide stress reduction for shelter cats? Applied Animal Behaviour Science 160, 86–93.
  • Bradshaw, J. W. S., Casey, R. A. & Brown, S. L. (2012): The Behaviour of the Domestic Cat. 2. Auflage, CABI, Wallingford.
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