
Ein langes und gesundes Leben wünscht sich der Mensch für seinen besten Freund, den Hund, und füttert ihn deshalb nach bestem Wissen, Gewissen und Geldbeutel. Nun werden zusätzlich, aus menschlichen Ernährungstrends, Ernährungstrends für Hunde abgeleitet – zum Beispiel vegane Ernährung – worauf die Futtermittelindustrie längst und umfangreich reagierte. Denn das Geschäft ist riesig (siehe Info unten).
Die Geschichte des Hundefutters
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen Hunde vor allem Brot und/ oder Essenreste zu fressen. Da es noch keine Fertiggerichte gab,
waren die Abfälle vom Tisch oft ausgewogen
Im Jahre 1860 begann dann die Geschichte des Hundefutters. Der in London lebende James Spratt kam auf die Idee, die ständig hungrigen, unterernährten Straßenhunde mit selbstgebackenen Hundekeksen zu füttern, die aus Weizen, Gemüse, roter Bete und Rinderblut bestanden. Seine Hundekekse in Knochenform machten ihn zum Millionär.
Im ersten Weltkrieg kam Nassfutter auf den Markt. Viele Pferde waren Opfer des Krieges geworden und ihr Fleisch wurde zu Hundefutter verarbeitet. Der Trend hielt an, weil dann Automobile auf den Markt kamen und viele Pferde überflüssig wurden.
Nach dem 2. Weltkrieg waren billiges Blech und Pferdefleisch rar und teuer. Die Industrie reagierte darauf mit der Entwicklung von Trockenfutter, das auf Basis von Getreide oder auch aus Knochenmehl und Fleischabfällen hergestellt wurde und entsprechend
günstig war. (1)
Heute ist die Auswahl von Hundefutter gigantisch und teils exotisch. So wird für den besten Freund zum Beispiel auch „Känguru und Pastinake“ angeboten.
Das Verdauungssystem des Hundes
BARF, Prey, Vegan, Bio, getreidefrei, alternative Proteinquellen (z. B. Insekten): Um die unterschiedlichen Ernährungstrend beurteilen zu können, müssen die Grundlagen des Verdauungssystems von Hunden betrachtet werden.
Prinzipiell ähnelt das Verdauungssystems des Hundes dem des Menschen in Aufbau und Funktion sehr. Einer der wenigen Unterschiede liegt direkt am Anfang: Im Maul des Hundes gibt es noch keine Verdauungsenzyme wie beim Menschen, die Aufspaltung des Nahrungsbreis beginnt beim Hund im Magen. Die Magensäure liegt bei einem ph-Wert von 0,5 - 2; das heißt, es herrscht ein äußerst saures Milieu, wodurch aufgenommene Bakterien und andere schädliche Mikroorganismen abgetötet werden. Im Magen beginnen Eiweiß- und Fettverdauung. Das Hauptverdauungsorgan ist der Dünndarm. Enzyme aus der Leber (fettspaltend) und der Bauchspeicheldrüse (kohlenhydratspaltend) werden in den Dünndarm eingeleitet und Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette werden so zerkleinert, dass sie über die Darmwand aufgenommen werden. Auch die Aufnahme von Mineralstoffen, Vitaminen und weiteren Mikronährstoffen findet hier statt. Im Dickdarm werden vorrangig pflanzliche Nahrungsbestandteile zersetzt. Außerdem findet hier die Wasserresorption und damit die Koteindickung statt. Die pflanzlichen Faserstoffe werden unter Bildung kurzkettiger Fettsäuren abgebaut, die wiederum Energie für die Darmbakterien liefern. (2)
Das Verdauungssystem des Hundes ist demnach für die Aufnahme von Eiweißen, Kohlenhydraten, Fetten und Mikronährstoffen wie Mineralien und Vitaminen ausgelegt.
Aktuelle Trends
BARF – die reine Rohfütterung
BARF steht für „biologically appropriate raw food“, teilweise auch für „Bones and Raw Food“ (deutsch: „Knochen und rohes Futter“). Die gängigsten Übersetzungen ins Deutsche: „biologisch artgerechte Rohfütterung“ oder „biologisches artgerechtes rohes Futter“.
Unter BARFen versteht man also die Fütterung mit Knochen, Inne-reien und rohem Fleisch, das durch andere naturbelassene Zutaten wie rohes Gemüse oder Obst ergänzt werden kann. Auch Innereien oder roher Fisch können beim BARFen gefüttert werden.
Als Fleischlieferant ist fast jedes Tier erlaubt: Rind, Geflügel, Lamm, Schaf und Ziege, Wild und Pferd, auch Exoten wie Känguru oder Strauß. Bei der Variante BARFen light werden Fleisch und Gemüse gekocht. (3)
Prey – Fütterung mit vollständigen Beutetieren
Im Gegensatz zum BARFen basiert die Prey-Fütterung (auch „Prey model raw“) für Hunde ausschließlich auf rohem Fleisch, also ohne die Zugabe von Gemüse, Obst oder Ähnlichem. Dabei werden ganze Tiere verfüttert (selbstverständlich tot, die Lebendverfütterung von Wirbeltieren ist Tierquälerei und in Deutschland verboten). Die Logik dahinter: So wie der Wolf oder der Wildhund sollen auch unsere Haushunde ganze Beutetiere („prey“ englisch für „Beute“) fressen und so möglichst naturnah ernährt werden. Idealerweise ist die Ernährung dennoch „abwechslungsreich“, indem zwischen den verschiedenen Tieren variiert wird. Geflügel und Kaninchen sind
naheliegend, doch auch Fisch, Wild und Rind sollen verfüttert werden, um den Hund optimal zu versorgen. Für ein möglichst
ursprüngliches, naturnahes Fressverhalten bekommt er die Tiere im Ganzen, also mit Haut, Knochen und Fell oder Federn. (4)
Bio – Fütterung: umweltbewusst und tierfreundlich
Das biologische Hundefutter ist vor allem bei umweltbewussten Menschen, die für sich selbst biologische Lebensmittel kaufen, beliebt. Wenig artgerechte Massentierhaltung der Fleischtiere ist für viele nicht mit Tierliebe vereinbar. Bei der Bio-Tierhaltung kommen keine Gentechnik und keine Wachstumshormone zum Einsatz. Viele Hersteller von herkömmlichem Hundefutter bieten daher mittlerweile Bio-Sorten für Hunde an. Dennoch solltet ihr auch hier vorsichtig sein. Nicht überall, wo Bio draufsteht, sind auch hochwertige Zutaten enthalten. Teilweise verarbeiten die Hersteller minderwertige Schlachtabfälle von Biotieren. Häufig kommen beim Bio-Futter zudem „Superfoods“, wie Chia, Acai und Co., zum Einsatz. (5)
Alternative Proteinquellen
Einige Hundehalter greifen auf alternative Proteinquellen zurück. Das können zum einen exotische Fleischsorten wie Känguru, Strauß oder Krokodil sein.
Zum anderen bieten manche Hersteller auch Futter mit sogenannten hydrolysierten Proteinen an. Die Eiweiße sind hierbei in Molekül-größe aufgespalten, sodass der Körper nicht mehr allergisch reagiert. Teilweise leidet darunter der Geschmack und das Futter erhält eine bittere Note. Eine weitere Variante: Futter aus Insektenproteinen. Das proteinreiche Futter gilt nicht nur als hypoallergen, sondern auch als nachhaltig und umweltfreundlich. (6) Meistens
werden Mehlwürmer und Schwarze Soldatenfliegen (oder deren Larven) für Hundefutter auf Insektenbasis verarbeitet.
Getreidefreies Hundefutter
Hinter dieser Art der Fütterung steht der Grundsatz: Der Hund sei ein Carnivore, ein Fleischfresser; die Fütterung mit Getreide und anderen Pflanzen sei daher nicht artgerecht und sogar schädlich. Zudem würden immer mehr Hunde an Futtermittelunverträglichkeiten und -allergien leiden. Getreide und das darin enthaltene Gluten seien unter anderem die Auslöser, so die Verfechter von getreidefreier Ernährung. Das sind die Argumente für besorgte Hundehalter, die ihren Vierbeiner artgerecht und gesund ernähren wollen.
Vegan
Im krassen Gegensatz zu den bisher genannten Ernährungstrends gibt es Hundehalter, die ihr Tier vegan ernähren. Die Nahrung enthält keinerlei tierische Bestandteile. Meistens sind es ökologische Gründe oder Tier- und Naturschutzerwägungen, die die Hundehalter dazu bewegen, bei der Fütterung auf tierische Bestandteile zu verzichten. Verwendet werden stattdessen Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Bohnen, geschälte Hanfsamen, unterschiedliche
Gemüse- und Obstsorten, Kartoffeln, Reis, Pseudogetreide wie
Quinoa, Amaranth sowie hochwertige Pflanzenöle.
Expertenmeinung zu den Futtertrends
Tierärztin Katharina Jäger, spezialisiert auf Ernährungsberatung für Hunde und Katzen, empfiehlt eine reine Rohfütterung nicht. BARFen sei zwar prinzipiell möglich, „es funktioniert“, gleichzeitig stellt diese Fütterungsmethode aber ein hohes Risiko dar. Es besteht die Gefahr, dass sich im Futter Krankheitserreger befinden, die dem Hund und auch dem Menschen (der Hund ist Ausscheider von z. B. Salmonellen) gefährlich werden können. Tierärztin Jäger empfiehlt generell, Kohlenhydrate und Eiweiße im Verhältnis 1:1 zu füttern. Die Prey-Fütterung empfiehlt sie wegen des sehr hohen Energieanteils „der Hund ist kein Wolf“ eher nicht. Auch Mikronährstoffe wie Kupfer und Zink fehlen bei dieser Methode. Gegen die Bio-Fütterung gibt es keine Einwände – solange das Futter eine gute Qualität hat.
Für die Hundefutterherstellung müssen in Deutschland keine Tiere getötet werden. Diejenigen Schlachterzeugnisse, die nicht dem menschlichen Verzehr dienen (so genanntes K3-Material), geht in die Tierfutterherstellung. Davon gebe es ausreichend, weshalb alternative Proteinquellen nur dann sinnvoll sind, wenn der Hund keine üblichen Eiweißträger verträgt. Hunde sollten Fleisch von Exoten wie Känguru und Strauß nicht von Anfang an bekommen, damit diese Fleischarten als Alternative bestehen bleiben, wenn herkömmliches Futter nicht mehr vertragen wird.
Getreidefreies Hundefutter? Getreide, wozu auch Reis gehört, sind wertvolle Kohlenhydratlieferanten. Und eine Glutenintoleranz (beim Menschen als „Zöliakie“ bezeichnet), gibt es bei Hunden so nicht. Nur beim Irish Setter und beim Border Terrier komme es manchmal vor, dass das Klebereiweiß von z. B. Weizen, das Gluten, nicht gut vertragen werde.
Eine vegane Ernährung sei immer mit einem Risiko verbunden, Langzeitstudien fehlen hierzu. Gegen eine vegetarische Fütterung gibt es hingegen keine Einwände – für den Hund ist diese Ernährungsweise „kein Problem“.
Mehr Infos unter www.diefuttertieraerztin.de .
Gesamtkosten Hundefutter:
Wie viel Geld jährlich in Deutschland für Hundefutter ausgegeben wird, lässt sich nur schwer errechnen. Das Gewicht, die Rasse und die besonderen Bedürfnisse des Hundes sind ebenso entscheidende Faktoren wie die Art und Qualität des Futters. Versicherungen beziffern die Futterkosten auf 10 bis 200 Euro im Monat. Gemittelt auf 100 Euro im Monat ergibt sich bei den rund 10 Millionen Hunden in Deutschland eine Gesamtsumme von 12 Milliarden Euro, die jährlich in das Füllen der Futternäpfe investiert werden. Dies entspricht dem Jahresetat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Quellen:
1 https://meintierischerfreund.com/hundefutter-geschichte/
2 https://www.vet-dogs.de/die-verdauung-des-hundes-das-passiert-in-
deinem-hund/
3 https://www.fressnapf.de/magazin/hund/ernaehrung/barfen/
4 https://www.agila.de/tiergesundheit/hundegesundheit/
ernaehrung/3099-rohfleischfuetterung-prey-fuetterung-fuer-hunde
5 https://www.mein-haustier.de/magazin/trends-hundeernaehrung/
6 https://www.mein-haustier.de/magazin/trends-hundeernaehrung/
Fotonachweis: Anja Knäpper / pixabay.com (YamaBSM)
Dieser Beitrag erschien ursprünglich in Struppi 3/2023, dem Vereinsmagazin des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V.

