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Unsere Öffnungszeiten

Das Tierheim ist an jedem zweiten und jedem letzten Samstag im Monat zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Besucher geöffnet.

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  • Samstag, 30. Mai 2026, 12:00–15:00 Uhr
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Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

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Hundebegegnungen meistern

Ratgeber

Körpersprache verstehen, Abstand nutzen, Leinenreaktivität entspannen – so werden Begegnungen mit anderen Hunden stressfrei.

Ein entgegenkommender Hund an der Leine und schon wird der Spaziergang zur Zitterpartie: Leinen ziehen sich stramm, Hunde bellen, Halter:innen rufen sich Erklärungen zu. Dabei sind Hundebegegnungen kein Charaktertest, sondern ein Thema der Körpersprache und der Distanz. Dieser Ratgeber erklärt, wie Hunde miteinander kommunizieren, wie Sie Leinenreaktivität Schritt für Schritt entspannen und warum Knurren die wichtigste Warnung ist, die Sie niemals bestrafen sollten.

Was Hunde miteinander sagen

Hunde verfügen über ein differenziertes Repertoire an Beschwichtigungssignalen, die die norwegische Hundeverhaltensforscherin Turid Rugaas populär gemacht hat. Dazu zählen Kopf- oder Blickabwendung, Gähnen, über die Lefzen lecken, sich schütteln, Bogenlaufen, verlangsamtes Gehen, Boden beschnüffeln, sich setzen oder hinlegen, Pfote heben. Diese Signale dienen der Konfliktvermeidung. Mariti und Kolleg:innen (Journal of Veterinary Behavior 2017) haben empirisch nachgewiesen, dass Hunde in potenziell aggressiven Kontexten deutlich häufiger solche Signale zeigen und dass ein großer Teil der Interaktionen dadurch deeskaliert.

Demgegenüber stehen Drohsignale: Körper hoch aufgerichtet, Rute steif, Ohren nach vorn, fixierter Blick, gekräuselter Nasenrücken, Zähne zeigen. Die von Kendal Shepherd (2002) beschriebene Ladder of Aggression zeigt, dass Hunde eine Eskalation schrittweise aufbauen – von winzigen Signalen wie Blinzeln bis hin zum Biss. Werden frühe Signale ignoriert oder bestraft, überspringen Hunde Stufen und gehen schneller in die Aggression.

Knurren ist Kommunikation

Ein Hund, der knurrt, sagt: „Ich komme gerade nicht klar, bitte Abstand." Das ist wertvoll – nicht unerwünscht. Wer das Knurren bestraft, nimmt dem Hund die Warnstufe. Der nächste Konflikt kann dann ohne Vorwarnung in einem Schnapper oder Biss enden. Nehmen Sie ein Knurren immer ernst, vergrößern Sie den Abstand, und arbeiten Sie an der Ursache, nicht am Symptom.

Leinenreaktivität – was dahintersteckt

Ein Hund, der an der Leine „pöbelt", hat fast immer einen guten Grund. Die häufigsten:

  • Frustrations-Aggression: Er will hin, kann nicht. Die Leine verhindert, was sein Impuls fordert. Typisch bei freundlichen, überschwänglichen Hunden.
  • Angst-Aggression: Er fühlt sich bedroht, kann nicht flüchten, bleibt nur der Kampf-Modus. Typisch bei unsicheren Hunden und Tierschutzhunden mit dünner Sozialisationsbasis.
  • Schmerz und Unwohlsein: Orthopädische Probleme, Zahnerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion – Schmerzen senken die Toleranzschwelle. Mills und Kolleg:innen (Animals 2020) haben den Zusammenhang zwischen Schmerz und Verhaltensproblemen systematisch ausgewertet. Ein tierärztlicher Check gehört an den Anfang jeder Verhaltenstherapie.

Studien schätzen, dass 30 bis 50 % aller Hunde an der Leine stärker reaktiv sind als im freien Kontakt. Das ist also keine Ausnahme – und schon gar kein Erziehungsversagen.

Abstand ist Ihr wichtigster Verbündeter

„Distance is your friend" ist die wohl wichtigste Merkregel für entspannte Spaziergänge. Hunde nähern sich einander in der Natur im Bogen, nicht frontal. Frontaler, geradliniger Zugang ist in Hundesprache eine Herausforderung. Was Sie tun können:

  • Bogen gehen, wenn möglich. Straßenseite wechseln, hinter Hecken ausweichen, über die Wiese ziehen.
  • Stehenbleiben und warten, bis der andere Hund vorbei ist. Ihr Hund lernt: Die Situation wird überschaubar.
  • Ablenkung anbieten: Schnüffelspiel, Handtouch, ein paar Leckerli auf dem Boden – einen Blick für Sie wert.
  • Leine bleibt locker. Ziehen Sie die Leine hoch, signalisiert das Ihrem Hund: Gefahr. Genau das wollen Sie nicht.

Kontakt zu anderen Leinenhunden

Nicht jeder Hund muss sich mit jedem begrüßen. An der Leine ist Kontakt ohnehin suboptimal – die Hunde können nicht frei kommunizieren, einer steht immer unter Zug. Wenn Sie sich für einen kurzen Kontakt entscheiden, sprechen Sie sich vorher mit dem Gegenüber ab, halten Sie die Leinen locker und lassen Sie höchstens drei bis fünf Sekunden Schnüffeln zu – dann lösen. Beobachten Sie die Körperhaltung: Bleibt sie entspannt, ist alles gut. Steift sich ein Hund, erstarrt oder zieht Lefzen hoch, lösen Sie den Kontakt sofort.

Der Spruch „Mein Hund ist freundlich" löst das Problem nicht, wenn der andere Hund es nicht ist. Auch freundliche Hunde können ältere, ängstliche oder schmerzende Hunde überfordern. Respektieren Sie Abstandswünsche anderer Halter:innen ohne Diskussion.

Konfliktmanagement – wenn es ernst wird

Sollte es zu einem Konflikt kommen, bewahren Sie Ruhe. Zwei Tipps vorab:

  • Schreien, panische Stimme und hektische Bewegungen eskalieren die Situation.
  • Greifen Sie nicht zwischen die Hunde oder ins Halsband – Ihre Hand kann getroffen werden. Hunde beißen „zur falschen Richtung" im Affekt nicht gezielt.

Funktionieren:

  • Abstand vergrößern: Wenn Hunde noch nicht verbissen sind, räumliche Trennung meist ausreichend – mit dem Körper zwischen die Hunde treten, Seitenwechsel forcieren.
  • Überraschungsmanöver: Regenschirm aufspannen, Wasserflasche ausleeren, Futter auf den Boden werfen.
  • Nur im Notfall auseinanderziehen: beide Hunde gleichzeitig an den Hinterbeinen anheben (Schubkarrengriff) und wegdrehen, nicht nach vorn ziehen. Benötigt zwei Personen.

Schrittweise an Reaktivität arbeiten

Moderne Trainingsmethoden für reaktive Hunde arbeiten konsequent mit positiver Verstärkung und Desensibilisierung:

  • Look-At-That (LAT, Leslie McDevitt): Ihr Hund darf den Trigger ansehen, bekommt unmittelbar ein Markerwort und eine Belohnung. Der Auslöser wird zum Vorhersager für Gutes.
  • BAT 2.0 (Grisha Stewart): Ruhiges Verhalten verschafft Abstand – die Belohnung ist funktional: „Ich zeige Entspannung, wir gehen weg."
  • Engineer the Environment: Dosieren Sie Trigger. Trainieren Sie aus größerer Entfernung, zu Tageszeiten mit wenig Hundeverkehr, mit bekannten „ruhigen" Begegnungshunden.

Training unterhalb der Angst- oder Erregungsschwelle ist entscheidend. Wer zu schnell zu dicht herangeht, trainiert Stress statt Ruhe. Eine qualifizierte Hundeschule (BHV, IBH, ATN) begleitet Sie dabei individuell. Bei starker Reaktivität mit Angstkomponente ist zusätzlich eine verhaltensmedizinische Abklärung über die GTVMT empfehlenswert. Unser Ratgeber zu Auslandshunden geht auf Besonderheiten ein, die viele dieser Hunde mitbringen.

Was Sie vermeiden sollten

  • Leine spannen bei Sichtkontakt: Ihr Hund verbindet Ihre Anspannung mit dem Gegenüber. Die Reaktivität nimmt zu.
  • Knurren bestrafen: verlernt die wichtigste Warnung.
  • Erzwungene Frontalbegegnungen („die müssen sich kennenlernen"): kein Ausweichen möglich, Konflikt programmiert.
  • Leinenruck, Schimpfen, Stachelhalsbänder, E-Halsbänder: gesetzlich untersagt und fachlich abgelehnt. Details im Ratgeber Leinenführigkeit.

Rechtsrahmen in Niedersachsen

Das Niedersächsische Hundegesetz (NHundG) verlangt in vielen Situationen eine Anleinpflicht, fordert einen Sachkundenachweis für Ersthund-Halter:innen und eine Hundehaftpflichtversicherung ab dem ersten Tag der Haltung. Regelungen zu gefährlichen Hunden und Rassen-Einstufungen sind nach NHundG über das Verhalten definiert, nicht allein über die Rasse. Informieren Sie sich vor dem Einzug eines Hundes bei der Region Hannover über die aktuellen Auflagen.

Im Tierheim Hannover

Unsere Gassi-Gänger:innen arbeiten mit einem festen Grundsatz: Sicherheit zuerst. Auf unseren Runden gehen wir Bogen, wechseln Straßenseiten, achten auf Distanzen. Hunde mit Reaktivität bekommen bei uns ein gezieltes Training – je nach Hund auch mit Maulkorbgewöhnung, Details dazu im Ratgeber zum Maulkorbtraining. Bei der Vermittlung besprechen wir offen, wo die Stärken und Grenzen eines Hundes liegen, und geben Hinweise für die ersten Begegnungen zu Hause.

Fachquellen

  • Rugaas, T. (2006): On Talking Terms With Dogs: Calming Signals. Dogwise.
  • Mariti, C. et al. (2017): Intraspecific attitudes between dogs meeting on neutral ground. Journal of Veterinary Behavior.
  • Shepherd, K. (2002/2009): The Ladder of Aggression. In: Horwitz/Mills (Hrsg.): BSAVA Manual of Canine and Feline Behavioural Medicine.
  • McConnell, P. B. (2003): The Other End of the Leash. Ballantine Books.
  • Feddersen-Petersen, D. (2008): Ausdrucksverhalten beim Hund. Kosmos, Stuttgart.
  • Mills, D. S. et al. (2020): Pain and problem behavior in cats and dogs. Animals 10, 318.
  • Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG). voris.niedersachsen.de
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

Hinter den Beiträgen auf tierheim-hannover.de steht die Redaktion des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V., gegründet 1844. Unsere Themen entstehen aus dem Alltag im Tierheim — aus der Vermittlung, der Pflege und den Fragen, die uns Adoptant:innen Tag für Tag stellen. Jeder Ratgeber wird tierärztlich gegengelesen, bevor er online geht. Wer lieber zuschaut als liest, findet die Videopendants zu vielen Themen auf unserem YouTube-Kanal TierheimTV.

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