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Unsere Öffnungszeiten

Das Tierheim ist an jedem zweiten und jedem letzten Samstag im Monat zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Besucher geöffnet.

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  • Samstag, 30. Mai 2026, 12:00–15:00 Uhr
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Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Vermittlungen finden nur nach vorheriger Terminabsprache statt.

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Ernährung bei der Katze

Ratgeber

Warum Katzen obligate Karnivoren sind, welche Nährstoffe kritisch sind und wie Sie Nassfutter, Trockenfutter und Mythen richtig einordnen.

Katzen sind keine „kleinen Hunde". Ihr Stoffwechsel ist evolutionär auf eine fleischbasierte Kost spezialisiert, und sie können auf viele Nährstoffe, die Hunde selbst aus Pflanzen bilden, nicht zurückgreifen. Gleichzeitig trinken Katzen von Natur aus wenig – mit direkten Folgen für die Gesundheit von Blase und Nieren. Dieser Ratgeber erklärt, was eine Katzenernährung fachlich richtig macht, welche Nährstoffe kritisch sind, wo die Schwachstellen von Trocken- und Nassfutter liegen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Die Katze als obligater Karnivore

Katzen sind obligate Karnivoren. Ihr Körper ist darauf eingestellt, Energie und Nährstoffe aus Fleisch zu beziehen, und zwar nicht nur bevorzugt, sondern zwingend. Katzen besitzen nur eine geringe Aktivität der Glukokinase in der Leber, betreiben dauerhaft eine hohe Gluconeogenese aus Aminosäuren und können die Proteinoxidation in Zeiten niedriger Proteinzufuhr nicht herunterregulieren. Wird der Proteinbedarf nicht gedeckt, baut der Körper Muskelmasse ab, um weiter „eigene" Glukose zu produzieren.

Die FEDIAF-Richtlinien (2024) empfehlen für adulte Katzen mindestens 25 bis 33 g Protein pro 100 g Trockensubstanz, AAFCO setzt 26 % als Minimum an. Kitten brauchen mit rund 28 bis 30 % TS noch etwas mehr. Wichtiger als die reine Menge ist die biologische Wertigkeit – und die Verfügbarkeit bestimmter Aminosäuren, die Katzen nicht oder nur unzureichend selbst bilden können.

Was Katzen nicht selbst synthetisieren können

Taurin

Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosulfonsäure. Katzen können sie nur in minimalem Umfang selbst herstellen, benötigen sie aber unter anderem für die Konjugation von Gallensäuren. Ein Taurinmangel führt zu dilatativer Kardiomyopathie (DCM), zur zentralen Retina-Degeneration (FCRD) mit Erblindung und zu Reproduktionsstörungen. Die Pionierarbeit von Pion und Kollegen (Science 1987) zeigte, dass ein Großteil der DCM-Fälle bei Katzen auf Taurinmangel zurückzuführen war; seit entsprechende Anreicherung in kommerziellen Katzenfuttern Standard ist, ist die ernährungsbedingte DCM fast verschwunden. FEDIAF gibt für Trockenfutter mindestens 1.000 mg Taurin pro kg Trockensubstanz und für Nassfutter 2.500 mg/kg TS vor – der höhere Wert bei Nassfutter kompensiert die bessere Verfügbarkeit beim Trockenfutter.

Arachidonsäure

Die Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure. Katzen fehlt die Delta-6-Desaturase, mit der Hunde und Menschen aus Linolsäure Arachidonsäure bilden. Sie muss deshalb direkt über die Nahrung zugeführt werden – tierische Gewebe liefern sie in ausreichender Menge.

Vitamin A als Retinol

Katzen können Beta-Carotin aus pflanzlichen Quellen nicht in aktives Vitamin A umwandeln, weil das dafür notwendige Enzym fehlt. Sie brauchen Retinol aus tierischen Geweben, insbesondere aus Leber.

Niacin

Der Tryptophan-Niacin-Konversionsweg ist bei Katzen durch eine sehr aktive Picolinsäure-Carboxylase weitgehend blockiert. Der Niacinbedarf ist rund doppelt so hoch wie beim Hund und muss über tierisches Protein gedeckt werden.

Wasseraufnahme und FLUTD-Risiko

Stammesgeschichtlich gehen unsere Hauskatzen auf Falbkatzen aus wüstenartigen Regionen zurück. Sie sind darauf eingestellt, einen großen Teil ihres Wasserbedarfs über die Beute aufzunehmen, und reagieren nur schwach auf Durst: Steigende Osmolalität im Blut löst bei Katzen deutlich später ein Trinkverhalten aus als bei Hunden. Der Urin wird entsprechend stark konzentriert – bis zu 3.000 mOsm/kg.

Ausschließliche Trockenfütterung senkt den Gesamtwasserumsatz um rund 40 bis 50 %, weil das Futter selbst nur etwa 8 bis 10 % Wasser enthält. Das begünstigt konzentrierte Urine und damit das Risiko für Harnwegserkrankungen des unteren Harntrakts (feline lower urinary tract disease, FLUTD) einschließlich idiopathischer Zystitis und Harnsteinen (Struvit, Oxalat). Die Umstellung auf Nassfutter mit einem Feuchtegehalt von 70 bis 80 % ist nach heutigem Stand die einzige diätetische Maßnahme mit klarer Evidenz zur Rezidivprophylaxe bei FIC.

Auch bei gesunden Katzen lohnt sich der Blick auf die Trinkmöglichkeiten: mehrere Wassernäpfe im Haushalt, abseits des Futterplatzes, große flache Gefäße, ggf. Trinkbrunnen. Nur so können Sie die Wasseraufnahme zuverlässig steigern.

Nass- oder Trockenfutter?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, aber einige Leitplanken sind klar:

  • Nassfutter liefert viel Wasser, ist oft proteinreicher, wird meist gut akzeptiert und entlastet den Wasserhaushalt. Nachteile: höherer Preis pro Kalorie, schnellere Keimvermehrung bei längerer Standzeit, größere Abfallmengen.
  • Trockenfutter ist hygienisch unkritisch, gut dosierbar und in Futterspielen einsetzbar. Reine Trockenfütterung eignet sich aber nur für Katzen, die viel trinken und keinerlei Harntrakt-Vorgeschichte haben.
  • Mischfütterung – idealerweise mit Nassfutter als Hauptkomponente – ist in vielen Haushalten die praktikabelste Lösung.

Verbrugghe und Hesta (Veterinary Sciences 2017) haben die Datenlage zu Kohlenhydraten bei Katzen zusammengefasst: Gesunde Katzen können moderate Kohlenhydrat-Anteile verwerten, eine übermäßig kohlenhydratreiche Ration kann aber insbesondere bei prädisponierten Tieren den Diabetes mellitus begünstigen. Für an Diabetes erkrankte Katzen gilt in der Regel eine proteinreiche, kohlenhydratarme Ration.

Lebensphasen

  • Kitten (bis 6 Monate) und Junior (7 Monate bis 2 Jahre): Hoher Energiebedarf, erhöhter Proteinanteil, Kitten-Alleinfutter bis mindestens zum 12. Lebensmonat.
  • Adulte Katze (3 bis 6 Jahre): Erhaltungsfutter. Nach einer Kastration sinkt der Energiebedarf um rund 20 bis 25 % – ohne Anpassung der Ration ist Übergewicht nahezu vorprogrammiert. Adipositas ist bei kastrierten Hauskatzen mit Abstand das häufigste Ernährungsproblem. Unser Ratgeber zu Adipositas ordnet die Folgen ein.
  • Mature (7–10) und Senior (11–14): Stoffwechsel verändert sich, Verdauungsleistung kann nachlassen, chronische Erkrankungen wie Diabetes, Hyperthyreose oder eine chronische Nierenerkrankung werden häufiger. Senior:innen sollten regelmäßig ein geriatrisches Check-up erhalten.
  • Super-Senior (ab 15): Oft bestehen Kombinationen mehrerer Erkrankungen. Hier wird die Fütterung individuell mit Tierärztin oder Tierarzt abgestimmt.

Ein oft unterschätzter Punkt bei Senior-Katzen: Eine pauschale Protein-Reduktion zur „Nierenschonung" ist bei gesunden älteren Tieren nicht indiziert und kann die altersbedingte Muskelrückbildung (Sarkopenie) beschleunigen. Scherk und Laflamme (2016) zeigen, dass in frühen Stadien einer chronischen Niereninsuffizienz die Phosphor-Restriktion entscheidend ist; eine Protein-Reduktion erfolgt erst in fortgeschrittenen Stadien (IRIS 3–4).

Rassespezifische Besonderheiten

Einzelne Rassen bringen gesundheitliche Prädispositionen mit, die bei der Ernährung berücksichtigt werden sollten:

  • Maine Coon, Ragdoll, Norwegische Waldkatze: erhöhte Prädisposition für hypertrophe Kardiomyopathie (HCM, MYBPC3-Mutation). Eine ausreichende Taurin-Zufuhr bleibt Basisbedarf, kann eine genetische HCM jedoch weder verhindern noch heilen.
  • Perser, Exotic Shorthair: häufigere polyzystische Nierenerkrankung (PKD) – frühzeitiges Ultraschall-Screening und angepasste Ernährung bei Nachweis.
  • Burmakatzen: Prädisposition für Diabetes mellitus – auf Gewicht und Kohlenhydratgehalt achten.

Häufige Fehler

Hundefutter für Katzen

Hundefutter enthält weder ausreichend Taurin noch Arachidonsäure, kein Retinol-Vitamin-A, und deckt den Niacinbedarf nicht. Eine kurzzeitige versehentliche Aufnahme ist unproblematisch, langfristige Fütterung mit Hundefutter führt bei Katzen zu schweren Mangelerkrankungen.

Vegetarische oder vegane Katzenernährung

Pflanzenbasierte Rationen sind für Katzen nach heutigem wissenschaftlichen Stand hochriskant. Kanakubo und Kollegen (PLOS ONE 2020) untersuchten 13 kommerzielle vegane Katzenfutter – keines erfüllte gleichzeitig alle FEDIAF- und AAFCO-Mindestwerte. Taurin lässt sich zwar synthetisch supplementieren, aber auch Retinol, Arachidonsäure, Methionin/Cystein und Vitamin B12 sind in pflanzlichen Rohstoffen nicht adäquat verfügbar. Bei Dauerfütterung ist eine tierschutzrechtliche Bewertung nach § 2 TierSchG (artgemäße Ernährung) zu berücksichtigen.

Thunfisch-Monodiät

Thunfisch aus der Dose ist für Katzen schmackhaft, aber ernährungsphysiologisch unausgewogen: kein Vitamin E zur Balance der mehrfach ungesättigten Fettsäuren, zu hohe Quecksilber-Exposition, Taurinverlust bei bestimmten Verarbeitungsformen. Als Leckerli gelegentlich, aber niemals als Hauptnahrung.

Rohfütterung

Rohfleisch-Fütterung bei Katzen birgt Risiken für Salmonellen, Campylobacter und Toxoplasma – Letzteres besonders relevant für schwangere Menschen und Immunsupprimierte im Haushalt. Wenn BARF, dann mit sauberer Rationsberechnung, tiergerechtem Einkauf und Einfrierung zur Parasitenreduktion. Für Kitten, kranke oder sehr alte Katzen ist Rohfütterung weniger geeignet.

Mythos: „Trockenfutter reinigt die Zähne"

Normales Trockenfutter wird von Katzen meist wenig zerkaut – der Effekt auf die Zahnsteinprävention ist vernachlässigbar. Nur spezielle Dental-Diäten mit großkalibrigen, faserorientierten Kibbles, die VOHC-zertifiziert sind, zeigen einen messbaren Effekt. FORL (feline odontoklastische resorptive Läsionen) ist davon ohnehin unabhängig – die Ursache liegt im Immunsystem und in der Genetik, nicht in der Futterform. Zahnpflege und regelmäßige tierärztliche Kontrolle bleiben unersetzlich; mehr dazu in unserem Ratgeber zur Zahngesundheit.

Im Tierheim Hannover

In unseren Katzenabteilungen setzen wir auf hochwertiges Alleinfutter in Nass- und Trockenfutter-Kombination. Katzen mit Vorerkrankungen – typische Diagnosen sind Niereninsuffizienz, Hyperthyreose, Diabetes, Adipositas oder FLUTD – bekommen eine individuell abgestimmte Diät. Unsere Tierpfleger:innen dokumentieren Futter- und Wasseraufnahme und geben Kitten kitten-spezifisches Futter bis zur Vermittlung. Bei der Übergabe erhalten Adoptant:innen eine schriftliche Fütterungsempfehlung und einen kleinen Vorrat, damit die Umstellung zu Hause schrittweise über sieben bis zehn Tage erfolgen kann.

Fachquellen

  • FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. European Pet Food Industry Federation. europeanpetfood.org
  • National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington DC.
  • Zoran, D. L. (2002): The carnivore connection to nutrition in cats. JAVMA 221, 1559–1567.
  • Verbrugghe, A. & Hesta, M. (2017): Cats and Carbohydrates: The Carnivore Fantasy? Veterinary Sciences 4 (4), 55.
  • Pion, P. D. et al. (1987): Myocardial failure in cats associated with low plasma taurine. Science 237, 764–768.
  • Scherk, M. & Laflamme, D. P. (2016): Controversies in veterinary nephrology: Renal diets are indicated for cats with IRIS CKD Stage 2 or later. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice 46, 1067–1094.
  • WSAVA Global Nutrition Committee: Global Nutrition Guidelines & Body Condition Score. wsava.org
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

Hinter den Beiträgen auf tierheim-hannover.de steht die Redaktion des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V., gegründet 1844. Unsere Themen entstehen aus dem Alltag im Tierheim — aus der Vermittlung, der Pflege und den Fragen, die uns Adoptant:innen Tag für Tag stellen. Jeder Ratgeber wird tierärztlich gegengelesen, bevor er online geht. Wer lieber zuschaut als liest, findet die Videopendants zu vielen Themen auf unserem YouTube-Kanal TierheimTV.

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