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Das Tierheim ist an jedem zweiten und jedem letzten Samstag im Monat zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Besucher geöffnet.

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Ernährung beim Hund – Grundlagen

Ratgeber

Was Hunde wirklich brauchen: Nährstoffe, Fütterungsarten, Deklaration und häufige Fehler – sachlich und ohne Markenempfehlung erklärt.

Eine durchdachte Ernährung beim Hund gehört zu den wichtigsten Stellschrauben für ein langes, gesundes Hundeleben. Trotzdem wirkt der Futtermarkt für viele Halter:innen wie ein Dschungel aus Werbeversprechen, Trendfütterungen und widersprüchlichen Ratschlägen. Dieser Ratgeber erklärt die Grundlagen – was Hunde wirklich brauchen, welche Fütterungsarten es gibt und woran Sie hochwertiges Futter erkennen – ohne eine bestimmte Marke oder Methode anzupreisen. Die Entscheidung, was in den Napf kommt, treffen Sie selbst; wir geben Ihnen das fachliche Rüstzeug dafür.

Was Hunde wirklich brauchen

Hunde sind anatomisch und enzymatisch Fleischfresser mit deutlicher Anpassung an gemischte Kost. Im Zuge der Domestikation hat sich beim Hund das Amylase-Gen (AMY2B) vielfach vervielfacht, sodass Hunde – anders als Wölfe – Stärke deutlich besser verdauen können (Axelsson et al., Nature 2013). Eine vollwertige Ration deckt sechs Bausteine ab: Energie, Protein, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Vitamine.

Protein und essenzielle Aminosäuren

Die FEDIAF-Richtlinien (2024) empfehlen für adulte Hunde mindestens 18 bis 21 % Rohprotein in der Trockensubstanz, für Welpen und Junghunde rund 25 %. Entscheidend ist dabei nicht allein die Menge, sondern die biologische Wertigkeit: Hunde benötigen zehn essenzielle Aminosäuren, darunter Arginin, Lysin, Methionin und Tryptophan. Taurin ist – anders als bei Katzen – bei gesunden Hunden grundsätzlich nicht essenziell.

Fette und essenzielle Fettsäuren

Fett ist nicht nur Energielieferant, sondern auch Träger der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie Quelle essenzieller Fettsäuren wie Linolsäure (Omega-6) und Alpha-Linolensäure (Omega-3). Ein zu fettarmes Futter kann zu stumpfem Fell, schuppiger Haut und eingeschränkter Leistungsfähigkeit führen.

Mineralstoffe – das Calcium-Phosphor-Verhältnis

Besonders bei Welpen großer Rassen ist das Verhältnis von Calcium zu Phosphor kritisch. Als Zielbereich gelten 1,2 : 1 bis 1,6 : 1. Kippt das Verhältnis zugunsten des Phosphors oder liegt zu wenig Calcium vor, drohen Skelettentwicklungsstörungen und ein sekundärer Hyperparathyreoidismus. Gleichzeitig schadet bei Welpen eine übermäßige Calcium-Supplementierung ebenso wie ein Mangel – weshalb Welpen großer Rassen keinesfalls mit selbst zubereiteter Kost ohne Rationsberechnung gefüttert werden sollten.

Der richtige Energiebedarf

Wie viel ein Hund braucht, richtet sich nach Körpergewicht, Alter, Aktivität, Kastrationsstatus und Gesundheitszustand. Grundlage ist der Ruhebedarf (Resting Energy Requirement, RER): RER = 70 × (Körpergewicht in kg)0,75 in Kilokalorien pro Tag. Dieser Wert wird mit einem Aktivitätsfaktor multipliziert – von rund 1,2 bei einer kastrierten, ruhigen Couchpartner:in bis 3,0 bei einem Arbeitshund im Einsatz.

In der Praxis wichtiger als die exakte Formel ist der Blick auf den Hund selbst. Die WSAVA empfiehlt dafür den Body Condition Score (BCS) auf einer 9-Punkte-Skala: BCS 4 bis 5 entspricht dem Idealgewicht – die Rippen sind ohne Druck fühlbar, eine Taille ist von oben sichtbar, der Bauch zieht sich seitlich nach hinten hoch. Ab BCS 6 beginnt das Übergewicht, ab BCS 8 sprechen Fachleute von Adipositas. Wiegen und Beurteilen des BCS sollten zur monatlichen Routine gehören.

Übergewicht ist kein kosmetisches Problem. Je nach Studie gelten 52 bis 65 % aller Hunde in Deutschland als übergewichtig oder adipös. Idealgewichtige Hunde leben im Durchschnitt zwei bis drei Jahre länger, wie die Langzeitstudie von Kealy et al. (JAVMA 2002) an Labrador Retrievern eindrücklich zeigte. Details dazu finden Sie in unserem Ratgeber zu Adipositas bei Hund und Katze.

Fütterungsarten im Überblick

Die gängigen Fütterungsarten haben jeweils Vor- und Nachteile. Keine ist per se die „beste" – entscheidend ist, dass die Ration bedarfsdeckend, hygienisch und alltagstauglich ist.

Trockenfutter

Trockenfutter ist energie- und nährstoffdicht, lange lagerfähig, hygienisch unkritisch und günstig im Preis pro Kalorie. Ein qualitativ hochwertiges Alleinfutter deckt nach FEDIAF-Standards den gesamten Tagesbedarf ab. Der größte Nachteil ist die geringe Wasseraufnahme allein über das Futter – bei Hunden im Gegensatz zu Katzen meist kein klinisches Problem, solange ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht.

Nassfutter

Nassfutter enthält rund 70 bis 80 % Wasser und wird häufig besser akzeptiert. Es ist teurer pro Kalorie, öffnet die Portion aber schnell zu Gerüchen und verlangt nach kurzer Standzeit im Napf. Für magere Hunde, maulkrankheitsbedingt eingeschränkte Senior:innen oder mäkelige Fresser:innen ist Nassfutter oft die bessere Wahl. Auch eine Mischfütterung aus Trocken- und Nassfutter ist möglich, wenn Gesamtkalorien und Nährstoffrelationen stimmen.

BARF – biologisch artgerechtes rohes Futter

BARF bezeichnet die Fütterung mit rohen Fleisch-, Knochen-, Innereien-, Gemüse- und Obstanteilen, ergänzt um Öle und Zusätze. Die Methode lässt sich ernährungsphysiologisch korrekt umsetzen, setzt aber eine saubere Rationsberechnung voraus. Die vielzitierte Studie von Dillitzer, Becker und Kienzle (LMU München, British Journal of Nutrition 2011) fand in 95 untersuchten Heim-BARF-Rationen bei rund 60 % signifikante Nährstoff-Imbalancen, vor allem bei Calcium, Zink, Kupfer sowie Vitamin A und D. Hinzu kommt ein relevantes Zoonoserisiko durch Salmonellen, Campylobacter und Listerien.

Wer BARF als langfristige Ernährungsform wählt, sollte die Ration von einer ernährungsspezialisierten Tierärztin oder einem Tierarzt berechnen lassen und auf tiergerechten Hygienestandard bei Einkauf, Lagerung und Zubereitung achten. Für Welpen großer Rassen, immungeschwächte Hunde oder Haushalte mit Säuglingen und älteren Menschen ist BARF eher kritisch zu sehen.

Hausgemachte Kost

Gekochte Rationen aus Fleisch, Kohlenhydratquelle (z. B. Reis, Kartoffel), Gemüse und einem Mineralstoff-Zusatz sind eine Option für Hunde mit Unverträglichkeiten, chronisch Kranke oder Halter:innen, die bewusst selbst kochen möchten. Ohne Rationsberechnung besteht hier wie bei BARF das Risiko schleichender Nährstoffdefizite – typisch sind Calcium, Jod, Zink und Vitamin D.

Vegetarische und vegane Ernährung

Eine bedarfsgerechte pflanzenbasierte Ernährung ist beim Hund grundsätzlich möglich, aber anspruchsvoll. Studien wie die von Knight et al. (PLOS ONE 2022) zeigen, dass gesunde Hunde mit sorgfältig formulierten veganen Alleinfuttermitteln gedeihen können – die Datenlage zu langfristigen Auswirkungen ist jedoch noch nicht abschließend. Entscheidend sind auch hier die Deklaration nach FEDIAF, eine nachgewiesene Bedarfsdeckung (insbesondere bei Aminosäuren, Vitamin B12, Taurin und L-Carnitin) und die Gesundheit Ihres Hundes. Bei Welpen, trächtigen und laktierenden Hündinnen sowie bei kranken Tieren ist von Experimenten ohne tierärztliche Begleitung abzuraten.

Die Deklaration lesen

Die Futtermittelkennzeichnung ist europaweit durch die Verordnung (EG) 767/2009 geregelt. Zwei Begriffe sollten Sie kennen:

  • Alleinfuttermittel deckt – korrekte Fütterung vorausgesetzt – den gesamten Nährstoffbedarf.
  • Ergänzungsfuttermittel ist nur in Kombination mit anderen Komponenten bedarfsdeckend. Reine Fleischdosen oder Menüs ohne Mineral- und Vitaminzusatz fallen oft in diese Kategorie.

Bei der Zutatenliste gibt es zwei Deklarationsformen: Die offene Deklaration listet alle Einzelzutaten mit Prozentangabe auf (z. B. „Rindfleisch 40 %, Karotten 10 %, Reis 8 %…"). Die geschlossene Deklaration arbeitet mit Gruppenbegriffen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse" – hier bleibt unklar, welches Tier, welcher Muskel oder welche Pflanze gemeint ist. Offene Deklarationen ermöglichen eine bessere Einschätzung, sind aber kein automatisches Qualitätsmerkmal. Wichtig ist, dass der Hersteller FEDIAF- oder AAFCO-Standards zusichert und die analytischen Bestandteile sowie Zusatzstoffe ausweist.

Lebensphasen – vom Welpen bis zum Senior

Der Nährstoffbedarf verändert sich über das Hundeleben deutlich. Orientierungsgrößen:

  • Welpe und Junghund: Bis zum 3-fachen Erhaltungsbedarf in Wachstumsphasen, erhöhter Proteinbedarf (rund 25 % TS), kritische Calcium-Phosphor-Ratio. Große Rassen benötigen eigens entwickelte Welpenfutter mit moderater Energiedichte, um Gelenkerkrankungen wie Hüftdysplasie nicht zu begünstigen.
  • Adulter Hund: Bedarf stabilisiert sich. Jetzt ist die regelmäßige Gewichtskontrolle entscheidend. Nach einer Kastration sinkt der Energiebedarf um 20 bis 30 % – ohne Anpassung der Ration droht Übergewicht.
  • Senior ab etwa 7 bis 10 Jahren: Energiebedarf sinkt um 15 bis 20 %. Gleichzeitig ist der Proteinbedarf zur Vorbeugung einer altersbedingten Muskelrückbildung (Sarkopenie) nicht reduziert. Eine pauschale Eiweiß-Reduktion ist nur bei diagnostizierter fortgeschrittener Niereninsuffizienz sinnvoll. Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus gelten eigene Fütterungsregeln.

Die häufigsten Fehler

Überfütterung durch Leckerli

Snacks, Kauartikel und Trainings-Leckerli dürfen zusammen maximal 10 % der Tagesenergie ausmachen. Alles darüber kippt die Nährstoff-Balance und führt schleichend in die Adipositas. Ein praktischer Trick: Die Tages-Leckerli aus der Futterration entnehmen und den Rest separat füttern.

Tischreste und „menschliche" Kost

Viele für Menschen gesunde Lebensmittel sind für Hunde gefährlich – Schokolade, Zwiebeln, Knoblauch, Trauben, Rosinen, Xylit (in zuckerfreien Produkten) und Avocado sind nur einige Beispiele. Gesalzene oder stark gewürzte Reste belasten zudem Nieren und Leber. Die Details haben wir im Ratgeber „Giftige Lebensmittel für Haustiere" zusammengefasst.

Mythos: „Getreide ist schlecht für Hunde"

Der Trend zu getreidefreien Futtern basiert selten auf belastbaren Daten. Echte Futtermittelallergien gegen Getreide sind selten; die häufigsten Allergene sind tierische Proteine wie Rind oder Huhn. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat 2022 nach Auswertung von über 1.300 Fällen einer dilatativen Kardiomyopathie (DCM) festgestellt, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen getreidefreien Rationen und DCM nachweisbar ist. „Ohne Getreide" ist also weder ein Qualitäts- noch ein Gesundheitsargument.

Mythos: „Roh ist immer artgerecht"

„Natürlich" und „ausgewogen" sind nicht dasselbe. Ohne Rationsberechnung fehlen BARF-Rationen häufig Calcium, Zink, Kupfer, Vitamin A oder D. Wer roh füttern möchte, braucht entweder ein komplettes, deklariertes Fertig-BARF-Menü mit FEDIAF-Bedarfsdeckung oder eine individuelle Rationsberechnung durch Fachpersonal.

Im Tierheim Hannover

Im Tierheim des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend bekommen unsere Hunde ein bedarfsgerechtes, hochwertiges Alleinfutter – Trocken- oder Nassfutter, je nach Bedarf des Tieres. Welpen, Senior:innen und Hunde mit chronischen Erkrankungen werden gesondert gefüttert. Unsere Tierpfleger:innen dokumentieren die aufgenommene Futtermenge und beobachten Kotkonsistenz und Gewicht. Wer einen Hund bei uns adoptiert, erhält eine Fütterungsempfehlung mit auf den Weg. Eine Futterumstellung auf ein neues Produkt sollte immer schrittweise über sieben bis zehn Tage erfolgen – Hinweise zur Eingewöhnung finden Sie im Ratgeber Tierschutzhund oder Tierschutzkatze eingewöhnen.

Fachquellen

  • FEDIAF (2024): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. European Pet Food Industry Federation, Brüssel. europeanpetfood.org
  • National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington DC. DOI: 10.17226/10668.
  • Meyer, H. & Zentek, J. (2022): Ernährung des Hundes – Grundlagen, Fütterung, Diätetik. 9. Auflage, Thieme, Stuttgart.
  • WSAVA Global Nutrition Committee: Global Nutrition Guidelines & Body Condition Score. wsava.org
  • Dillitzer, N., Becker, N. & Kienzle, E. (2011): Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs. British Journal of Nutrition 106 (Suppl. 1), S53–S56.
  • Axelsson, E. et al. (2013): The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 495, 360–364.
  • Kealy, R. D. et al. (2002): Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. JAVMA 220, 1315–1320.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

Hinter den Beiträgen auf tierheim-hannover.de steht die Redaktion des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V., gegründet 1844. Unsere Themen entstehen aus dem Alltag im Tierheim — aus der Vermittlung, der Pflege und den Fragen, die uns Adoptant:innen Tag für Tag stellen. Jeder Ratgeber wird tierärztlich gegengelesen, bevor er online geht. Wer lieber zuschaut als liest, findet die Videopendants zu vielen Themen auf unserem YouTube-Kanal TierheimTV.

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