Trennungsängste sind nicht ausschließlich ein menschliches Phänomen. Auch unsere geliebten Vierbeiner, insbesondere Katzen, können darunter leiden. Diese Erfahrung musste ich mit meinem Tierschutzkater Stevie machen. Er kam als krankes und blindes Kitten zu mir, durch die intensive Pflege wurde seine Bindung zu mir sehr eng – und es kam, wie es kommen musste: Bei einer längeren Abwesenheit, zum Beispiel einer Dienstreise, markierte er in der Wohnung. Ich habe verschiedenste Maßnahmen ergriffen, das Problem aber nicht gänzlich aus der Welt geschafft. Ich trage es mit Fassung, wenn es hin und wieder doch nochmal passiert – dann ist das eben so. Ich kenne die Ursache und kann damit umgehen.
Katzen werden oft als unabhängige Tiere betrachtet, dennoch sind sie an ihre menschlichen Begleiter und ihr Zuhause gebunden. Wird diese Bindung gestört – durch Abwesenheit des Besitzers oder Veränderungen in der Umgebung – können Trennungsängste auftreten. Es lohnt sich, die Anzeichen zu erkennen und angemessen zu reagieren.
Anzeichen von Trennungsängsten
- Unruhe und Nervosität – ständiges Herumwandern, keine entspannte Ruhe, besonders in Abwesenheit der Halter:innen.
- Unsauberkeit – plötzliches Urinieren oder Koten außerhalb der Katzentoilette.
- Zerstörerisches Verhalten – Kratzen, Beißen oder Zerkratzen von Möbeln, besonders wenn dies nur allein zu Hause passiert.
- Appetitlosigkeit.
- Übermäßiges Fressen – steht dauerhaft Trockenfutter zur Verfügung, futtert die Katze aus Langeweile und wird übergewichtig.
- Häufiges, anhaltendes Miauen, insbesondere wenn die Katze allein gelassen wird.
Ursachen
- Starke Bindung – Katzen können sehr an ihre Menschen gebunden sein und reagieren empfindlich auf deren Abwesenheit.
- Veränderungen in der Umgebung – Umzüge, neue Haustiere oder Familienmitglieder können das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen.
- Frühere Erfahrungen – vernachlässigte oder misshandelte Katzen sind anfälliger.
- Fehlende Sozialpartner – Katzen sind, entgegen der landläufigen Meinung, keine Einzelgänger. In Wohnungshaltung wissen sie einen passenden Sozialpartner sehr wohl zu schätzen.
Umgang mit Trennungsängsten
- Sichere Umgebung schaffen – ein gemütlicher Rückzugsort mit Decke, Spielzeug und Futter beruhigt die Katze während Ihrer Abwesenheit.
- Allmähliche Gewöhnung – kurze Zeitabschnitte alleine, schrittweise verlängern.
- Feste Routine bei Fütterung, Spielzeit und Schlafen – gibt Sicherheit und Vorhersehbarkeit.
- Professionelle Hilfe – in schweren Fällen kann eine Verhaltenstherapie gezielt mit Verhaltensmodifikation, Medikamenten oder anderen Therapien unterstützen.
- Beruhigungsmittel – Pheromone oder verschriebene Medikamente können Ängste lindern, immer nur in Absprache mit Tierärzt:in oder Tierheilpraktiker:in.
- Musik – Studien zeigen, dass beruhigende Musik ängstlichen Katzen helfen kann.
- Geduld – die Katze zeigt das auffällige Verhalten nicht, um Sie zu ärgern.
Fazit
Trennungsängste bei Katzen sind ein ernstzunehmendes Thema, das Wohlbefinden und Verhalten Ihrer Katze stark beeinflussen kann. Mit Aufmerksamkeit, Verständnis und den richtigen Maßnahmen lassen sich die Ängste mildern. Geduld und Liebe sind die Schlüssel zur Bewältigung.
Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht.
Marie Curie
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Dieser Beitrag erschien ursprünglich in Struppi 2/2024, dem Vereinsmagazin des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V.

