Golden Oldie – wenn die Katze in die Jahre kommt

Ratgeber

Senior-Katzen haben ihre eigenen Bedürfnisse. Bianka Hones zeigt, wie Sie Ihrem Golden Oldie mit kleinen Anpassungen im Alltag ein langes, gutes Leben ermöglichen.

Wo ist bloß die Zeit geblieben? Gestern war das Kätzchen noch ein kleiner Flauschball – und heute ist es ein betagter Stubentiger? Die Lebensbedingungen und medizinische Versorgung unserer Katzen haben sich in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert, und unsere Samtpfoten werden immer älter. Mittlerweile sind 17 bis 20 Lebensjahre gut möglich, was ungefähr einem menschlichen Alter von 86 bis 94 Jahren entspricht.

Genau wie bei uns Menschen können sich mit zunehmendem Alter aber auch die einen oder anderen Zipperlein einstellen. Der Alterungsprozess ist biologisch normal – es sind die individuellen Umstände, die mitbestimmen, wie schnell und gesund unsere Katzen altern.

Die sogenannte „Umweltalterung" können Halter:innen durchaus beeinflussen. Stress, minderwertige Fütterung, Passivrauchen in Raucherhaushalten oder Langeweile sollten vermieden werden, damit aus dem Kätzchen ein echter Golden Oldie werden kann.

Früherkennung ab neun Jahren

Die meisten Alterserscheinungen entwickeln sich schleichend. Deshalb ist es ratsam, ab einem Alter von neun Jahren neben der halbjährlichen tierärztlichen Kontrolluntersuchung auch ein großes Blutbild machen zu lassen. So lassen sich eventuelle organische Störungen frühzeitig erkennen.

Eine Arthrose kann den Einstieg in die Toilette erschweren, das Gehör lässt nach und die Katze maunzt lauter als gewohnt, die Sehkraft wird schwächer, und ab einem Alter von 15 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Demenz entwickelt. Hörgeräte oder Brillen gibt es für Katzen nicht – aber mit Empathie und Geduld lässt sich der Alltag trotzdem angenehm gestalten.

Kleine Unterstützungen im Alltag

Halter:innen, die ihre Katze kennen und beobachten, erkennen die Zeichen meist rechtzeitig. Ein paar Ideen, die im Seniorenalltag helfen:

  • Kletterhilfen ermöglichen einer alten, bewegungseingeschränkten Katze das Erreichen und Verlassen ihrer gewohnten Schlaf- und Ausguckplätze. Ein kleiner Hocker, ein stabiler Pappkarton oder ein leicht verschobener Sessel reichen oft schon. Die Katzentoilette sollte einen niedrigen Einstieg haben.
  • Wärme wird im Alter umso wichtiger. Ein Plätzchen über der Heizung, ein Kuschelplatz am Kamin, beheizbare Unterlagen oder Wärmekissen werden dankbar angenommen. Freigänger:innen freuen sich im Freien über ein Häuschen mit wärmender Unterlage.
  • Spiel bleibt wichtig – auch wenn der Turbo abgeschaltet ist. Eine Runde mit der Spielangel, Clickertraining oder Fummelbretter fördern die geistige Beweglichkeit und wirken Langeweile entgegen.
  • Fellpflege fällt manchen Senior:innen schwer. Eine sanfte Massage mit der Bürste auf dem Sofa ist Pflege und Check-up in einem: Augen, Ohren und Schmerzpunkte lassen sich dabei nebenbei prüfen.
  • Ernährung individuell anpassen: hochwertig und leicht verdaulich. Bei mäkeligen Fressern hilft es oft, das Futter leicht anzuwärmen – mit nachlassendem Geruchssinn riecht warmes Futter appetitlicher als eine Dose direkt aus dem Kühlschrank.
  • Demenz-Alltag: Wird das ein oder andere Geschäft außerhalb der Toilette abgesetzt, bitte nicht böse sein. Inkontinenzunterlagen schützen die Möbel und schonen die Nerven. Ein kleines Nachtlicht hilft, wenn die Katze nachts unruhig ist.

Die Tiernaturheilkunde bietet viele Möglichkeiten, einen Senior auf sanfte Art gesundheitlich zu unterstützen und das eine oder andere Wehwehchen zu lindern.

Eine Katze, die mit uns gemeinsam alt wird, kann uns den einen oder anderen Nerv kosten – aber sie ist auf uns angewiesen. Die vielen Jahre, die sie uns Freude geschenkt hat, sollten wir ihr mit Geduld und Liebe vergelten.

Ein schönes Gesicht wird altern und ein perfekter Körper wird sich verändern, aber eine schöne Seele wird immer eine schöne Seele bleiben.

Vertiefende Hinweise zu Check-ups, Schmerzerkennung und angepasster Bewegung finden Sie in unserem Ratgeber „Altersgerechte Pflege für Senior-Tiere".

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in Struppi 2/2022, dem Vereinsmagazin des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V.

Bianka Hones mit einem weißen Kaninchen im Tierheim-Garten

Geprüft / Verfasst von:

Bianka Hones

Verhaltenstherapeutin für Katzen

Verhaltenstherapeutin für Katzen im Tierheim Hannover. Bianka Hones schreibt regelmäßig für das Vereinsmagazin „Struppi" über das Leben mit Samtpfoten, Katzengesundheit und das, was ihr in der täglichen Arbeit mit Schützlingen und Halter:innen begegnet.

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