Ob Floh im Fell, Zecke im Nacken oder Spulwurm im Darm: Parasiten gehören zum Tierleben dazu – und sie sind gleichzeitig einer der wichtigsten Gründe für routinemäßige Vorsorge. Manche sind für uns Menschen harmlos, andere können gesundheitliche Folgen haben, die weit über das betroffene Tier hinausgehen. Dieser Ratgeber fasst zusammen, welche Parasiten bei Hund und Katze in Deutschland regelmäßig vorkommen, wie sie sich erkennen lassen und wie Sie Ihr Tier – und sich selbst – wirksam schützen.
Parasiten im Überblick
Parasiten lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:
- Ektoparasiten leben auf oder in der Haut: Flöhe, Zecken, Milben, Haarlinge und Läuse
- Endoparasiten leben im Körperinneren: Spul-, Band-, Haken- und Peitschenwürmer sowie einzellige Parasiten wie Giardien, Kokzidien oder Toxoplasmen
Die wichtigsten Ektoparasiten
Flöhe
Der mit Abstand häufigste Floh in Deutschland ist der Ctenocephalides felis – trotz seines Namens „Katzenfloh" befällt er Hunde und Katzen gleichermaßen. Das Entscheidende für den Alltag: nur rund fünf Prozent der Population leben als erwachsene Flöhe auf dem Tier. Die übrigen 95 Prozent – Eier, Larven und Puppen – verstecken sich im Teppich, im Polster und vor allem in den Schlafplätzen. Wer Flöhe nur auf dem Tier behandelt, zieht deshalb oft nach wenigen Wochen den nächsten Befall an. Außerdem sind Flöhe Zwischenwirte des Gurkenkernbandwurms (Dipylidium caninum), so dass eine Flohbehandlung fast immer mit einer Bandwurm-Kur Hand in Hand gehen sollte.
Zecken
- Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) – flächendeckend in Deutschland; überträgt Borrelien, FSME-Virus, Anaplasma phagocytophilum und einzelne Babesien-Arten.
- Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) – in den letzten Jahren stark nach Norden gewandert, inzwischen in nahezu allen Bundesländern. Hauptüberträger von Babesia canis beim Hund.
- Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) – ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, kann sich in beheizten Räumen auch in Deutschland etablieren. Überträgt Ehrlichia canis, Babesia vogeli und Hepatozoon canis.
Milben
- Sarcoptes scabiei – Räudemilbe mit starkem Juckreiz; beim Menschen entstehen kurzzeitig juckende Papeln.
- Demodex – Haarbalgmilbe; bei adulten Hunden oft Hinweis auf Immunschwäche.
- Cheyletiella – „wandernde Schuppen"; ebenfalls zoonotisch möglich.
- Otodectes cynotis – Ohrmilbe, besonders häufig bei Kätzchen und Tierheimkatzen (Details im Ohren-Ratgeber).
Haarlinge und Läuse
Bei gepflegten Haustieren heute selten, tauchen aber gelegentlich bei Fundtieren oder in schlechten Haltungen auf.
Die wichtigsten Endoparasiten
Spulwürmer
Toxocara canis (Hund) und Toxocara cati (Katze) sind die häufigsten Darmparasiten. Sie werden bei Welpen bereits im Mutterleib oder über die Muttermilch übertragen, später durch embryonierte Eier aus Kot und Erde. Für uns Menschen sind sie zoonotisch: Verschluckte Eier können Larven freisetzen, die in Organen wandern (Larva migrans visceralis) oder sogar das Auge erreichen (Larva migrans ocularis). Kinder, die in der Erde oder im Sandkasten spielen, sind besonders exponiert.
Bandwürmer
- Dipylidium caninum (Gurkenkernbandwurm): über Flöhe.
- Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm): in Deutschland endemisch, Hauptwirt ist der Fuchs, Hunde und seltener Katzen können sich über Nager anstecken. Beim Menschen verursacht er die lebensgefährliche alveoläre Echinokokkose.
- Echinococcus granulosus (Hundebandwurm): wichtig bei Hunden aus Endemiegebieten.
- Taenia-Arten: über Zwischenwirte wie Nager oder Wiederkäuer.
Hakenwürmer und Peitschenwürmer
Hakenwürmer (Uncinaria stenocephala, Ancylostoma caninum) und Peitschenwürmer (Trichuris vulpis) sind in Deutschland seltener, aber bei Auslandshunden regelmäßig ein Thema.
Einzeller
- Giardia duodenalis: häufig bei Welpen und Kitten. Einige Typen sind potenziell zoonotisch, das Risiko für Menschen ist aber geringer, als oft angenommen.
- Kokzidien (Cystoisospora): klassisches Jungtierproblem mit Durchfall.
- Toxoplasma gondii: Die Katze ist der einzige Endwirt, scheidet Oozysten aber nur wenige Tage lang nach der Erstinfektion aus. Im Alltag ist die eigene Katze deshalb nicht die Hauptquelle für eine Toxoplasmose beim Menschen – wichtiger sind rohes oder unzureichend erhitztes Fleisch und kontaminierte Erde.
Prophylaxe und Entwurmung – was ESCCAP empfiehlt
Für Welpen und Kitten
- Welpen: erste Entwurmung mit zwei Wochen, danach alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach dem Absetzen; anschließend monatlich bis zum sechsten Lebensmonat.
- Kitten: erste Entwurmung mit drei Wochen, dann alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach dem Absetzen; anschließend monatlich bis zum sechsten Lebensmonat.
Für erwachsene Tiere
ESCCAP empfiehlt eine risikobasierte Strategie: Je nach Lebensstil des Tieres (Freigang, Jagd, Kontakt zu Kleinkindern, Rohfütterung, Urlaub im Ausland) wird zwischen einer minimalen Linie mit mindestens vier Entwurmungen pro Jahr und einer monatlichen Strategie gewählt. Alternativ zur festen Entwurmung lassen sich Kotuntersuchungen durchführen und nur im Befundfall behandeln. In Endemiegebieten des Fuchsbandwurms wird für Risikohunde die monatliche Praziquantel-Gabe empfohlen.
Für den Schutz vor Flöhen und Zecken
- Isoxazoline (Fluralaner, Afoxolaner, Sarolaner, Lotilaner) als Kautabletten oder Spot-on – systemisch wirksam gegen Flöhe und Zecken
- Fipronil-, Imidacloprid- oder Flumethrin-Präparate als topische Alternativen
- Permethrin ist für den Hund zugelassen – bei Katzen ausdrücklich nicht anwenden: Es ist hochtoxisch. Spot-on-Produkte für Hunde dürfen auch im Mehrtierhaushalt nicht in Reichweite von Katzen gelangen.
- Im Ausland oder in Hochrisikogebieten sind Repellent-wirksame Mittel (Permethrin, Deltamethrin) Pflicht, um Sandmücken und Stechmücken abzuwehren – siehe Mittelmeer-Ratgeber.
Zoonose-Schwerpunkte im Alltag
- Hundekot konsequent aufnehmen, auch in der eigenen Gartenanlage. Toxocara-Eier werden erst nach einigen Wochen in der Umwelt infektiös – regelmäßiges Entfernen senkt das Risiko deutlich.
- Sandkästen abdecken und regelmäßig austauschen; auf Hände- und Gartenerde-Hygiene achten.
- Nach dem Spielen mit Tieren gründlich Hände waschen, vor allem vor dem Essen.
- In Fuchsbandwurm-Endemiegebieten Obst aus bodennahem Wuchs waschen; Hunde mit Jagdverhalten regelmäßig mit Praziquantel entwurmen.
- Schwangere sollten die Katzentoilette möglichst nicht selbst reinigen; falls sie es doch tun, einmal täglich, mit Handschuhen und anschließendem Händewaschen – so ist das Infektionsrisiko minimal. Rohes oder unzureichend erhitztes Fleisch meiden.
Parasiten im Tierheim-Alltag
Jeder Neuzugang in unserem Tierheim wird nach festem Protokoll entwurmt und auf Ektoparasiten untersucht. Besonders Fundtiere, Welpen und Kitten aus schwierigen Hintergründen bringen häufig mehr als eine Parasitenart mit. Wir testen bei Bedarf per Kotuntersuchung, versorgen die Tiere mit wirksamen Präparaten nach ESCCAP-Leitlinien und klären unsere zukünftigen Halter:innen über das Thema offen auf. Für die Zeit nach der Adoption bekommen alle einen individuell abgestimmten Vorschlag zur Parasitenprophylaxe mit.
Mit ein paar Grundregeln – konsequente Flohprophylaxe, angepasste Entwurmung, Zeckenschutz im Alltag und sinnvolle Hygiene beim Umgang mit Kot – lassen sich die meisten Parasitenprobleme zuverlässig verhindern. Wer dazu einen stabilen Kontakt zur eigenen Tierarztpraxis pflegt, hat für den Fall der Fälle immer einen kurzen Draht.
Fachquellen
- ESCCAP. Guideline 01: Bekämpfung von Wurminfektionen bei Hunden und Katzen. Aktuelle deutsche Fassung.
- ESCCAP. Guideline 03: Bekämpfung ektoparasitärer Infektionen bei Hunden und Katzen.
- ESCCAP. Guideline 05: Bekämpfung vektorübertragener Krankheiten bei Hunden und Katzen.
- Companion Animal Parasite Council (CAPC). Current Guidelines. Online unter capcvet.org.
- Merck Veterinary Manual. Parasitic Diseases of Dogs; Parasitic Diseases of Cats. Online-Standardwerk.
