FIV bei Katzen – aus meiner Praxis

Ratgeber

Ein FIV-positiver Bluttest ist für viele Halter:innen ein Schock. Bianka Hones erklärt, was FIV bedeutet – und warum betroffene Katzen ein langes, erfülltes Leben führen können.

Die Welt von Frauchen oder Herrchen ist gerade zusammengebrochen, denn eine tierärztliche Routineuntersuchung oder eine akute Erkrankung haben ergeben, dass die geliebte Katze an FIV erkrankt ist. Oder eine schmusige und freundliche Katze sitzt im Tierheim fest und wird wegen der Diagnose FIV ständig übersehen. Die Diagnose ist natürlich alles andere als erfreulich – aber FIV-positive Katzen können durchaus ein langes und gesundheitlich stabiles Leben führen.

Das Feline Immundefizitvirus (FIV), auch Katzen-AIDS genannt, ist eine weltweit verbreitete Viruserkrankung. Wichtig zu wissen: FIV ist nicht auf den Menschen übertragbar und betrifft ausschließlich Katzen. Es ähnelt in Struktur und Verhalten dem menschlichen Immundefizienzvirus (HIV). FIV schwächt das Immunsystem der Katze und kann bei ungünstigen Bedingungen zu schweren gesundheitlichen Problemen führen.

Übertragung

FIV wird hauptsächlich über den Speichel übertragen und tritt oft bei kämpfenden Katzen auf, die sich gegenseitig beißen. Die häufigste Übertragung erfolgt durch Bisse von infizierten Tieren. Seltener wird das Virus von einer infizierten Mutterkatze auf ihre Kätzchen während der Geburt oder durch das Säugen weitergegeben.

Symptome

Die Symptome von FIV können sehr vielfältig sein und reichen von milden Anzeichen bis zu schweren Erkrankungen. Zu den häufigsten Symptomen gehören lang anhaltendes Fieber, Gewichtsverlust, geschwollene Lymphknoten, Zahnfleischentzündungen, Hauterkrankungen und wiederkehrende Infektionen. Da das Virus das Immunsystem schwächt, sind infizierte Katzen auch anfälliger für andere Infektionen und Krankheiten.

Diagnose

Die Diagnose von FIV erfolgt durch einen Bluttest, der speziell auf Antikörper gegen das Virus untersucht. Wichtig: Der Test fällt möglicherweise nicht sofort nach der Infektion positiv aus, da es einige Wochen bis Monate dauern kann, bis sich ausreichend Antikörper im Blut entwickeln. Wiederholte Tests können notwendig sein, insbesondere wenn eine Katze klinische Symptome zeigt.

Prävention

Unkastrierte Kater haben ein deutlich höheres Risiko, sich im Kampf zu infizieren und das Virus weiterzugeben. Eine Kastration senkt dieses Risiko spürbar. Wenn Katzen nach draußen gehen, sollte das unter möglichst kontrollierten Bedingungen passieren – und das Risiko von Kämpfen mit anderen Tieren so weit wie möglich reduziert werden.

Behandlung

Eine Heilung für FIV gibt es nicht. Die Behandlung konzentriert sich darauf, Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Katze zu verbessern. Tierärzt:innen können Antibiotika verschreiben, um bakterielle Co-Infektionen zu bekämpfen, und unterstützende Therapien einsetzen, um das Immunsystem zu stärken. Auch die Naturheilkunde bietet nebenwirkungsarme Möglichkeiten, die Gefahr akuter Schübe zu minimieren. Eine hochwertige Ernährung und regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind wichtig, um das Wohlbefinden zu fördern und eine Infektion frühzeitig zu erkennen.

Durch liebevolle Pflege, ein stressfreies Umfeld und Aufmerksamkeit können Katzen mit FIV ein erfülltes und langes Leben führen – ihre Lebensqualität lässt sich erheblich verbessern.

Sind FIV-Katzen zu einem Leben in Einzelhaltung verdammt?

Ein Zusammenleben mit einer nicht-infizierten Katze ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Übertragung erfolgt, wie beschrieben, in den meisten Fällen durch Bissverletzungen, wenn die Viruslast bei der betroffenen Katze erhöht ist. Ist die FIV-positive Katze in einem stabilen Gesundheitszustand und zeichnet sich nicht durch besondere Rauflust aus, steht einem Zusammenleben mit gesunden Katzen nichts im Wege.

Geben wir diesen Tieren eine Chance auf ein liebevolles Zuhause.

Alles Leid ist Einsamkeit, alles Glück Gemeinsamkeit.

Richard Dehmel, deutscher Dichter

Wer tiefer in die medizinischen Hintergründe eintauchen möchte, findet sie in unserem Überblicks-Ratgeber „FIV und FeLV bei Katzen".

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in Struppi 3/2023, dem Vereinsmagazin des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V.

Bianka Hones mit einem weißen Kaninchen im Tierheim-Garten

Geprüft / Verfasst von:

Bianka Hones

Verhaltenstherapeutin für Katzen

Verhaltenstherapeutin für Katzen im Tierheim Hannover. Bianka Hones schreibt regelmäßig für das Vereinsmagazin „Struppi" über das Leben mit Samtpfoten, Katzengesundheit und das, was ihr in der täglichen Arbeit mit Schützlingen und Halter:innen begegnet.

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