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Mitbewohner gesucht? Zweitkatze einführen in acht Schritten

Ratgeber

Die „Brecheisenmethode" geht fast immer schief. Bianka Hones zeigt in acht konkreten Schritten, wie eine Vergesellschaftung zweier Katzen tatsächlich gelingt.

Jede:r Katzenhalter:in, der sich schon einmal mit der Frage beschäftigt hat, ob eine neue Katze zum alteingesessenen Mitbewohner dazukommen soll, steht häufig vor einem großen Dilemma: Was ist der beste Weg, damit die Vergesellschaftung friedlich über die Bühne geht? Häufig wird dann im Internet recherchiert – und das stiftet in den meisten Fällen nur noch größere Verunsicherung. Bei Google & Co. findet sich alles zwischen „einfach laufen lassen" und „erst gar nicht versuchen".

Für ein friedliches und stressfreies Zusammenleben von alter und neuer Katze sollte eine Vergesellschaftung immer behutsam erfolgen. Die ersten Tage sind entscheidend, und von der „Brecheisenmethode – das müssen die unter sich ausmachen" ist dringend abzuraten. Eine fehlgeschlagene Vergesellschaftung kann viele Probleme nach sich ziehen – Urinmarkieren oder Aggressionsverhalten zum Beispiel – und eine anschließende Verhaltenstherapie ist sehr zeitaufwendig.

Vor dem Einzug: die Grundlagen klären

Bevor eine neue Katze einzieht, sollte überlegt werden, welche Katze am besten zum bereits anwesenden Gefährten passt. Alter, Geschlecht, Charakter und Gesundheitszustand gehören in die Planung. Die beste Prognose besteht, wenn der Altersunterschied nicht größer als zwei Jahre ist und Geschlecht wie Charakter beider Katzen ähnlich sind. Der Versuch, eine alte Katzendame mit einem wilden Kitten zu vergesellschaften, endet in aller Regel in einer angespannten Duldung.

Zusätzlich wichtig: starke Nerven. Die „Liebe auf den ersten Blick" gibt es bei Katzen selten. Nur wenn die Halter:innen entspannt und zuversichtlich sind, überträgt sich diese Ruhe auf die Tiere.

Ich habe bereits mehrere Zusammenführungen hinter mir und sage aus Erfahrung: Es läuft immer anders als gedacht. Vor Kurzem ist meine Tochter von einem Auslandsaufenthalt zurückgekommen und hat ihren Kater mitgebracht. Dieser Bursche musste sich gegen meine drei Herren behaupten – und hat sich wacker geschlagen. Aber auch bei mir wird geknurrt, gefaucht und der ein oder andere Tatzenhieb ausgeteilt. Das Mutterherz blutet bei jeder Auseinandersetzung, aber die Buben und ich müssen da einfach durch. Solange es nicht zu einer massiven Keilerei kommt, ist dieses Verhalten völlig normal.

Ein Leitfaden in acht Schritten

Aus den fehlgeschlagenen Zusammenführungen, zu denen ich immer wieder gerufen werde, ist folgender Leitfaden entstanden.

1. Beim Einzug treffen die Katzen nicht aufeinander

Ein neues Zuhause bedeutet viel Stress. Die neue Katze wurde aus ihrem Umfeld gerissen, vielleicht von Mutter oder Katzenkumpel getrennt; alles ist fremd, die Gerüche sind unbekannt. Auch die alteingesessene Katze ist verunsichert – sie ist empört, zornig oder fürchtet sich. Darum sollten die beiden nicht persönlich aufeinandertreffen. Auf keinen Fall die Neue in der Transportbox vor die alte Katze stellen und aus der Box zerren. Beim Eintreffen der neuen Katze sollte die eingesessene in einem geschlossenen Zimmer sein.

2. Die Katzen trennen

Die neue Katze bekommt einen separaten Raum mit eigener Toilette, gewohntem Futter, Wasser, Schlafplatz und eventuell einem neuen Kratzbaum. Dort darf sie zur Ruhe kommen und langsam ankommen. Ist sie entspannt, beginnt der Geruchsaustausch: benutzte Katzenklos umtauschen, Kuscheldecken und Kissen beschnüffeln lassen und austauschen. Beide Katzen an der Kinnpartie streicheln und so den Duft übertragen.

Die Katzen sollten in ihren getrennten Bereichen zur gleichen Zeit gefüttert werden – die Näpfe vor und hinter der geschlossenen Tür in ca. 50 cm Abstand aufstellen, jeden Tag ein wenig näher an die Tür heranschieben. So nehmen sich beide stressfrei wahr.

Nach zwei bis drei Tagen kann ein Netz an der offenen Tür angebracht werden, damit die Katzen sich sehen, aber nicht übereinander herfallen können. Alternativ die Tür immer wieder einen Spalt öffnen. Gibt es Aggressionen: zurück zur Fütterung an der geschlossenen Tür und Geruchsaustausch. Diese Phase sollte ungefähr eine Woche dauern.

3. Die neue Katze entdeckt das Zuhause allein

Ohne andere Tiere erkundet die neue Katze das Zuhause. Setzen Sie sich still irgendwo hin und lassen Sie sie in Ruhe. Die Katze wird Verstecke auskundschaften und wahrscheinlich erst einmal für eine Weile verschwinden. Je nach Charakter verstecken sich Katzen auf erhöhten Plätzen oder bleiben am Boden und flüchten unter Bett oder Sofa.

Bieten Sie Versteckmöglichkeiten wie Höhlen, Kletterbäume oder Kartons an; dichten Sie unzugängliche Verstecke (unter Sofa oder Bett, hinter Schrank) ab. So kann die neue Katze bei einem Übergriff schnell in einen sicheren Raum gebracht werden.

4. Die alteingesessene Katze bleibt die Nummer 1

Schenken Sie ihr viel Zuwendung und ausgiebige Spielzeiten, damit sie nicht eifersüchtig wird. Auch später sollte sie das Gefühl haben, die Nummer 1 zu bleiben: zuerst begrüßen, zuerst füttern.

5. Das erste Zusammentreffen

Nach etwa einer Woche – oder bei sehr friedlicher Reaktion früher – kann man einen ersten Zusammenführungsversuch starten. Öffnen Sie die Tür und bleiben Sie entspannt. Knurren, Fauchen und Tatzenhiebe sind normal. Unterbinden Sie es nicht. Nur bei massiven Attacken eingreifen – aber bitte nicht mit bloßen Händen. Beide Katzen werden dann wieder getrennt und kehren zur Netzphase zurück.

Nachts können die Katzen getrennt werden, damit Mensch und Tier den Tag in Ruhe verarbeiten. Ist beides zusammen, helfen positive Gemeinschaftserlebnisse: gemeinsames Spielen und Füttern stärkt die Zusammengehörigkeit. In den nächsten drei bis vier Wochen gewöhnen sich die Katzen immer mehr aneinander.

6. Positive Verstärkung

Positives Verhalten wird mit Lob, Streicheleinheiten und Leckerchen belohnt. So verknüpfen die Katzen die Annäherung mit etwas Schönem. Negatives Verhalten wird ignoriert.

7. Privatsphäre

Jede Katze bekommt einen eigenen Futternapf, der zu den Fütterungszeiten in etwa einem Meter Abstand aufgestellt wird. Reagiert eine Katze aggressiv oder traut sich nicht an den Napf, muss der Abstand vergrößert werden. Jede Katze erhält eine eigene Toilette.

8. Neues Spielzeug kaufen

Die alteingesessene Katze hat alles in der Wohnung mit ihrem Duft markiert. Wir nehmen den individuellen Katzenduft nicht wahr – andere Katzen schon. Neues Inventar (Spielzeug, Kratzbaum, Kuscheldecken) hat noch keine Duftmarkierung. Beide Katzen entdecken das Neue gemeinsam und versehen es mit ihrem individuellen Duft; die Düfte verschmelzen zu einem Gruppengeruch und fördern die Zusammenführung.

Fazit

Werden diese acht Schritte befolgt und sind die Katzen nicht zu unterschiedlich, gelingt die Zusammenführung meist ohne schwerwiegende Auseinandersetzungen.

Aus Fremden werden Bekannte, aus Bekannten werden Freunde, und die besten Freunde werden zur Familie.

Eine strukturierte Variante dieses Leitfadens – auch für Zweithunde – steht in unserem Ratgeber „Zweitkatze oder Zweithund einführen".

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in Struppi 1/2022, dem Vereinsmagazin des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V.

Bianka Hones mit einem weißen Kaninchen im Tierheim-Garten

Geprüft / Verfasst von:

Bianka Hones

Verhaltenstherapeutin für Katzen

Verhaltenstherapeutin für Katzen im Tierheim Hannover. Bianka Hones schreibt regelmäßig für das Vereinsmagazin „Struppi" über das Leben mit Samtpfoten, Katzengesundheit und das, was ihr in der täglichen Arbeit mit Schützlingen und Halter:innen begegnet.

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