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Das Tierheim ist an jedem zweiten und jedem letzten Samstag im Monat zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Besucher geöffnet.

Die nächsten Besuchstage sind:

  • Samstag, 30. Mai 2026, 12:00–15:00 Uhr
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Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Vermittlungen finden nur nach vorheriger Terminabsprache statt.

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Zweitkatze oder Zweithund einführen

Ratgeber

Zweitkatze oder Zweithund einführen: Auswahl, neutrales Kennenlernen, Ressourcen-Verdopplung, Zeitrahmen und Warnsignale – getrennt für Hund und Katze.

Ein zweiter Hund, eine zweite Katze – für viele Halter:innen klingt das nach mehr Freude, mehr Spiel, mehr Leben im Zuhause. Für die schon vorhandenen Tiere ist es zunächst vor allem eines: eine tiefgreifende Veränderung ihres sozialen und räumlichen Alltags. Ob eine Vergesellschaftung gelingt, hängt weniger vom guten Willen der Menschen ab als von der Vorbereitung, den Ressourcen im Haushalt und der Wahl des passenden Zweitier-Kandidaten. Dieser Ratgeber zeigt, was Verhaltenswissenschaft, Tierschutzverbände und internationale Fachorganisationen für Hund und Katze getrennt empfehlen.

Zweithund: Wann er sinnvoll ist – und wann nicht

Hunde sind soziale Tiere, aber anders als Meerschweinchen oder Ratten brauchen sie nicht zwingend Artgenossen im Haushalt. Ihre wichtigste Bindung ist in der Regel die zum Menschen. Ein Zweithund ist deshalb keine automatische Lösung für „den alleine gelassenen Hund" – er ist eine eigenständige, gut überlegte Entscheidung.

Gegen einen Zweithund sprechen in aller Regel: ein alter oder kranker Ersthund mit Arthrose, Demenz oder chronischen Schmerzen; eine aggressive oder stark ressourcenbezogene Vorgeschichte; akute Lebensumbrüche (Umzug, Geburt, Trennung); eine beengte Wohnsituation, in der getrennte Rückzugsräume nicht möglich sind. Die Verhaltensbiologin Patricia McConnell weist in „Feeling Outnumbered" darauf hin, dass Senioren unter einem energischen Welpen im Haushalt still leiden – sie ziehen sich zurück und wirken „unkompliziert", weil sie aufhören zu kommunizieren.

Die Auswahl des passenden Zweithundes

  • Geschlecht: Hund-Hündin-Kombinationen verlaufen statistisch am konfliktärmsten. Zwei Hündinnen können, wenn sie einmal aneinander geraten, besonders hartnäckige Auseinandersetzungen führen.
  • Alter: Gleich alte Tiere teilen oft das Aktivitätslevel; ein Senior mit Welpen funktioniert nur, wenn der Senior noch aktiv und gesund ist und getrennte Ruhe möglich bleibt.
  • Temperament und Aktivität: ein ruhiger Hund und ein hyperaktiver Jugendlicher gehen nur mit viel Management aneinander vorbei.
  • Größe: stark unterschiedlich große Tiere brauchen klare Management-Grenzen, besonders im Spiel.
  • Rasse-Besonderheiten: Windhunde kommen mit Artgenossen oft gut zurecht; Jagdhunde brauchen in der Mehrhundehaltung doppelte Auslastung; Herdenschutz- und Wachhunde sollten nur von erfahrenen Halter:innen gemeinsam geführt werden.

Im Tierheim Hannover beraten wir zu den Wesenseinschätzungen unserer Tiere und arrangieren nach Möglichkeit Probe-Kontakte zwischen Ersthund und Kandidat:in, bevor eine Adoption entschieden wird.

Kennenlernen auf neutralem Gebiet

Die erste Begegnung findet niemals im Haus oder Garten des Ersthundes statt – dort ist er Revierinhaber, und ein fremder Hund wirkt wie ein Eindringling. Bewährt hat sich ein Parallelspaziergang auf neutralem Terrain mit fünf bis zehn Metern Abstand: Jeder Hund geht an der Leine mit einer Bezugsperson, in der Formation Hund-Mensch-Mensch-Hund. So können die beiden Tiere sich beobachten, ohne direkt aufeinandertreffen zu müssen. Nach einigen Minuten lässt sich der Abstand Schritt für Schritt verringern. Parken Sie Autos getrennt, damit die Heimfahrt unstressig bleibt.

Mehrere solcher Treffen vor dem Einzug sind Gold wert. Erst wenn beide Hunde entspannt reagieren, gehen Sie den nächsten Schritt: eine gemeinsame Runde rund um das Zuhause, dann der gemeinsame Einzug.

Zu Hause: Ressourcen verdoppeln

Die häufigsten Konflikte in Mehrhundehaushalten drehen sich um Ressourcen. Verdoppeln Sie alles, was wertvoll ist: Näpfe, Wasserstellen, Liegeplätze, Kauartikel, Spielzeug. Füttern Sie getrennt, idealerweise in verschiedenen Räumen. Geben Sie jedem Hund täglich ungeteilte Einzelzeit – einen kurzen Spaziergang allein, eine kleine Trainingseinheit, eine Streicheleinheit auf dem Sofa.

Die Eingewöhnung dauert in aller Regel vier bis zwölf Wochen, bei scheuen oder traumatisierten Tieren länger. Warnsignale, bei denen Sie professionelle Hilfe einholen: blutige Bisse, dauerhafte Ressourcenaggression, eines der Tiere zieht sich konsequent zurück, schläft schlecht, frisst weniger oder wirkt apathisch.

Zweitkatze: Realistisch bleiben

Hauskatzen stammen von solitär lebenden Wildkatzen ab. Viele Katzen können gut zu zweit oder zu dritt leben – manche aber auch nicht. Die systematische Übersichtsarbeit von Finka und Foreman-Worsley (University of Lincoln, Journal of Feline Medicine and Surgery, 2022) kommt zu dem Schluss, dass nicht die Anzahl an Katzen entscheidet, sondern die verfügbaren Ressourcen, der Platz und die Möglichkeit zum Ausweichen. Die bekannte Faustregel „mindestens neun Quadratmeter pro Katze" ist nicht belegt – relevanter sind die Umsetzung der AAFP/ISFM-Leitlinien zur Umweltbereicherung.

Erst Geruch, dann Sicht

Bei Katzen führt ein forciertes „Stellt euch mal eben vor" mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Dauerkonflikten. International Cat Care und Verhaltensberater wie Jackson Galaxy empfehlen ein stufenweises Vorgehen:

  1. Raumtrennung. Die neue Katze zieht zunächst in ein eigenes Zimmer („Base Camp") mit allem, was sie braucht: Futter, Wasser, Toilette, Kratzbaum, Rückzug, Spielzeug. Dort bleibt sie ein bis zwei Wochen lang. Sichtkontakt gibt es noch keinen.
  2. Geruchskontakt. Sie tauschen Decken, Handtücher und Spielsachen zwischen den Räumen, streichen beiden Katzen mit dem gleichen weichen Tuch durch den Nacken und über die Wangen (dort sitzen die Duftdrüsen). So lernen sich die beiden über den Geruch kennen, bevor sie einander sehen.
  3. Sichtkontakt. Ein Babygitter oder ein Türspalt mit Abstand lässt beide Katzen sehen, aber nicht berühren. Gefüttert wird zu dieser Zeit beidseitig am Gitter – positive Assoziation.
  4. Freier Kontakt. Zuerst in kurzen Sessions, mit Rückzugsmöglichkeit für beide Tiere. Länger werdende Sessions bei entspannter Körpersprache.

Jackson Galaxy bezeichnet das Vorgehen „Let them work it out" als „Cat Russian Roulette" – es funktioniert bei manchen Konstellationen, führt bei vielen aber zu dauerhaften Spannungen, die sich später kaum noch auflösen lassen.

Die n+1-Regel für Katzenressourcen

Die AAFP/ISFM Feline Environmental Needs Guidelines (Ellis, Rodan et al., 2013), Jackson Galaxy und International Cat Care empfehlen einheitlich: Für n Katzen im Haushalt braucht es n+1 von jeder wichtigen Ressource, idealerweise verteilt in verschiedenen Räumen. Bei zwei Katzen also drei Toiletten, drei Futter- und Wasserstellen, drei Rückzugsorte.

Ebenso wichtig ist der vertikale Raum. Kratzbäume, Regale, Wandbretter und Katzenwege in verschiedenen Höhen erlauben, dass eine Katze einer anderen in der dritten Dimension ausweichen kann – ein entscheidender Spannungsabbau, den flache Wohnungen nicht bieten.

Pheromone als Unterstützung

Für die Vergesellschaftung von Katzen gibt es eine spezifische Pheromon-Formel: Feliway Friends (Katzen-Appeasing-Pheromon). Anders als das klassische Feliway Classic zielt diese Variante auf die Kommunikation zwischen Katzen ab. Eine Pilotstudie von DePorter et al. (2019) zeigte einen Trend zur Reduktion von Konflikten; die AVSAB stuft Pheromone als ergänzende, nicht alleinige Maßnahme ein. Erwarten Sie keine Wunder, aber als Baustein im Gesamtpaket ist es einen Versuch wert.

Warnsignale bei Katzen

  • Harnmarkieren an senkrechten Flächen oder außerhalb der Toilette.
  • Aggression mit Blut oder Bissen; gegenseitiges Fauchen dauert länger als zwei Wochen an.
  • Eine Katze versteckt sich über Tage, frisst deutlich weniger oder gar nicht.
  • Konflikte an Toilette, Futterplatz oder Lieblingsplatz.
  • Übermäßiges Putzen mit kahlen Stellen (Overgrooming) als Stress-Indikator.

Frisst eine Katze länger als 24 Stunden nichts, ist tierärztlicher Rat dringend – ab etwa 48 Stunden Fastenzeit droht die hepatische Lipidose, besonders bei übergewichtigen Tieren.

Wann eine Vergesellschaftung nicht das Richtige ist

Kein Zweittier gehört in einen Haushalt, in dem das erste Tier gerade ernsthaft krank, demenzkrank oder im Sterbeprozess ist. Auch bei unbehandelten Schmerzen (Arthrose, Hüftdysplasie, Spondylose beim Hund; Hyperthyreose oder chronische Niereninsuffizienz bei der Katze) lohnt es, zuerst die Grunderkrankung in den Griff zu bekommen. Tiere mit ausgeprägter Aggressionsvorgeschichte oder starken Ressourcenkonflikten brauchen vor der Vergesellschaftung eine verhaltensmedizinische Begleitung.

Wann Sie Hilfe holen sollten

Nach drei bis vier Wochen sollte sich zumindest eine Tendenz zur Entspannung zeigen. Bleibt die Situation konflikthaft oder eskaliert sie, sind Fachtierärzt:innen für Verhaltenskunde die richtige Adresse. Universitäre Verhaltenssprechstunden gibt es an der TiHo Hannover und an der LMU München. Verhaltensberater:innen mit IAABC-, CCPDT- oder BHV-Zertifizierung ergänzen das Angebot. Vor jedem Verhaltensplan gehört eine gründliche organische Abklärung: Schmerzen, Schilddrüsenfunktion, Harnwege, neurologischer Status.

Im Tierheim Hannover

Wenn Sie daran denken, Ihrem vorhandenen Hund oder Ihrer Katze ein zweites Tier zur Seite zu stellen, kommen Sie gerne mit Fotos, einer Beschreibung des Alltags und dem ersten Tier (beim Hund: nach Absprache auch persönlich) auf unsere Pfleger:innen zu. Wir kennen die Wesen unserer Tiere und helfen Ihnen, eine Kombination zu finden, die zu Ihrem Haushalt passt. Passt ein Kandidat nicht, ist es besser, weiterzusuchen, als eine Zwangs­gemeinschaft einzurichten.

Wer sein neues Tier als Tierschutzhund oder Tierschutzkatze übernimmt, findet im Ratgeber Tierschutzhund und Tierschutzkatze eingewöhnen ergänzende Tipps; für die ersten Tage mit besonders zurückhaltenden Tieren lohnt außerdem der Ratgeber Scheue und ängstliche Tiere eingewöhnen.

Fachquellen

  • Ellis, S. L. H., Rodan, I. et al. (2013): AAFP and ISFM Feline Environmental Needs Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery 15, 219–230.
  • Finka, L. R., Foreman-Worsley, R. (2022): Are multi-cat homes more stressful? A critical review of the evidence associated with cat group size and wellbeing. Journal of Feline Medicine and Surgery.
  • DePorter, T. L., Bledsoe, D. L., Beck, A., Ollivier, E. (2019): Evaluation of the efficacy of an appeasing pheromone diffuser product vs placebo for management of feline aggression in multi-cat households. Journal of Feline Medicine and Surgery.
  • International Cat Care: Mehrkatzenhaltung und Vergesellschaftung. icatcare.org
  • Deutscher Tierschutzbund e. V.: Merkblätter zur Vergesellschaftung von Hunden und Katzen.
  • American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB): Position Statements zu Pheromonen und zu Zwei- und Mehrhundehaushalten.
  • McConnell, P. B.: Feeling Outnumbered? How to Manage and Enjoy Your Multi-Dog Household. McConnell Publishing.
  • § 2 Tierschutzgesetz (TierSchG). gesetze-im-internet.de
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

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