M

Herzlich Willkommen!

Unsere Öffnungszeiten

Das Tierheim ist an jedem zweiten und jedem letzten Samstag im Monat zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Besucher geöffnet.

Die nächsten Besuchstage sind:

  • Samstag, 30. Mai 2026, 12:00–15:00 Uhr
  • Samstag, 13. Juni 2026, 12:00–15:00 Uhr

Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Vermittlungen finden nur nach vorheriger Terminabsprache statt.

Telefonisch:

Während der Bürozeiten: 0511 97 33 98 - 0.
Mo. - Sa. von 08.00 bis 16.00 Uhr

Zwingerhusten bei Hunden

Ratgeber

Zwingerhusten (CIRDC) verstehen: Erreger, Symptome, Impfung und was im Alltag, in Tierheim und Pension wichtig ist.

Ein Hund, der plötzlich trocken und bellend hustet, als hätte er einen Fremdkörper im Hals – für viele Halter:innen ist das der erste Moment, in dem der Begriff Zwingerhusten fällt. Hinter dem Namen steckt keine einzelne Krankheit, sondern ein ganzes Bündel an Erregern, die sich vor allem dort verbreiten, wo Hunde dicht beieinander sind. In den meisten Fällen ist der Verlauf harmlos, in einzelnen dagegen ernst. Dieser Ratgeber erklärt, was Zwingerhusten wirklich ist, wie Sie Ihren Hund schützen und wann ein Arztbesuch Pflicht wird.

Was Zwingerhusten wirklich ist

Der medizinische Fachbegriff lautet Canine Infectious Respiratory Disease Complex, kurz CIRDC. Das „Complex" ist kein Zufall: Zwingerhusten wird durch mehrere Erreger ausgelöst, die oft gleichzeitig auftreten. Die wichtigsten:

  • Bordetella bronchiseptica – ein weit verbreitetes Bakterium, in vielen Fällen der zentrale Mitspieler
  • Mycoplasma cynos – ein besonderer Erreger der Atemwegsschleimhaut, der gerade in großen Populationen hohe Nachweisraten erreicht
  • Canines Parainfluenzavirus (CPiV)
  • Canines Respiratorisches Coronavirus (CRCoV)
  • Canines Adenovirus Typ 2 (CAV-2) – durch die Routine-Impfung bei Hunden mit Grundimmunisierung selten
  • Canines Herpesvirus und verschiedene Mycoplasmen-Arten
  • Canines Influenzavirus – in Nordamerika und Asien verbreitet, in Deutschland bislang kaum nachgewiesen

Ob ein Husten leicht bleibt oder schwerer verläuft, hängt oft davon ab, welche Kombination gleichzeitig im Atemtrakt aktiv ist – und wie fit das Immunsystem des Hundes gerade ist.

Wie die Ansteckung passiert

Die Erreger werden über drei Wege weitergegeben:

  • Tröpfchen und Aerosole beim Bellen, Schnaufen oder Husten – in schlecht belüfteten Räumen auch über mehrere Meter
  • direkten Kontakt, typischerweise beim gegenseitigen Beschnuppern
  • kontaminierte Oberflächen wie Näpfe, Decken, Leinen, Transportboxen, Kleidung und Schuhe

Die meisten Viren und Bakterien überleben außerhalb des Wirts nur wenige Stunden bis Tage. Bordetella bronchiseptica ist robuster und kann mehrere Wochen in der Umgebung haftfähig bleiben, ebenso das unbehüllte Adenovirus CAV-2. Deshalb gehören strikte Hygiene und Desinfektion zu den wichtigsten Werkzeugen im Tierheim-Alltag.

Wo das Risiko am höchsten ist

Immer dort, wo viele Hunde zusammenkommen und sich die Luft teilen, steigt das Risiko:

  • Tierheime und Hundepensionen
  • Hundetagesstätten und Hundeschulen
  • Ausstellungen, Sportveranstaltungen, Welpengruppen
  • Wartezimmer in Tierarztpraxen
  • stark frequentierte Hundewiesen
  • Sammeltransporte

Stress, enge Haltung, wechselnde Bezugstiere und schlechte Luftqualität verstärken die Ansteckungsgefahr zusätzlich.

Typische Symptome

Das Leitsymptom ist der charakteristische Husten: trocken, bellend, anfallsartig, oft begleitet von Würgen, als ob ein Fremdkörper im Hals stecke. Halter:innen beschreiben ihn häufig mit „Mein Hund hakelt." Weitere Zeichen sind:

  • ein leichter, wässriger Nasen- oder Augenausfluss
  • Niesen
  • Hustenauslösung, wenn Druck auf den Kehlkopf ausgeübt wird (etwa durch ein Halsband)
  • in der Regel unbeeinträchtigter Allgemeinzustand – der Hund frisst, spielt und ist aufmerksam

Wann es ernst wird

Die meisten Hunde überstehen Zwingerhusten mit Ruhe und Geduld. In einigen Fällen ist jedoch Vorsicht geboten. Bitte zeitnah in die Tierarztpraxis, wenn Ihr Hund:

  • Fieber hat, apathisch wird oder nicht mehr frisst
  • einen feuchten, produktiven Husten entwickelt
  • erschwert atmet oder deutlich schneller atmet
  • einen eitrigen, gelblich-grünen Nasenausfluss zeigt
  • zur Gruppe der besonders empfindlichen Tiere gehört: Welpen, sehr alte Hunde, immungeschwächte Tiere, brachyzephale Rassen wie Mops oder Französische Bulldogge

In diesen Situationen besteht die Gefahr einer Lungenentzündung, die stationär behandelt werden muss.

Wie die Diagnose gestellt wird

In aller Regel stellt die Tierarztpraxis die Diagnose klinisch: Husten, typische Anamnese (Kontakt zu anderen Hunden, Tierheim, Hundeschule) und Ausschluss anderer Ursachen reichen meist aus. Ergänzend kommen zum Einsatz:

  • ein PCR-Panel aus Rachen- oder Nasentupfer, besonders bei schweren Verläufen oder Ausbrüchen in Einrichtungen
  • ein Thorax-Röntgen, wenn eine Pneumonie ausgeschlossen werden soll
  • eine Trachealspülung mit Bakterienkultur bei bestätigter Lungenentzündung, um die passende Therapie auszuwählen

Behandlung

Unkomplizierter Zwingerhusten ist meist selbstlimitierend – der Körper wird mit der Infektion selbst fertig. Die Leitlinie der International Society for Companion Animal Infectious Diseases (ISCAID) empfiehlt in diesen Fällen keine Antibiotika, sondern supportive Maßnahmen:

  • körperliche Ruhe, kein Toben, keine langen Spaziergänge
  • ein Brustgeschirr statt Halsband, um den Kehlkopf nicht mechanisch zu reizen
  • ruhige, feuchtwarme Luft – Inhalationen oder ein Bad mit geschlossener Duschtür können Linderung bringen
  • bei starkem Reizhusten ein von der Tierarztpraxis verordnetes Hustenmittel, sofern keine Pneumonie vorliegt

Antibiotika sind indiziert bei Verdacht auf eine bakterielle Beteiligung (Fieber, Apathie, eitriger Ausfluss, Lungenentzündung) oder bei persistierenden Symptomen über rund zehn Tage hinaus. Mittel der Wahl ist Doxycyclin, das gegen Bordetella bronchiseptica und Mycoplasma wirkt. Die Behandlungsdauer liegt bei sieben bis vierzehn Tagen, bei bestätigter Pneumonie gegebenenfalls länger.

Impfung – Grenzen und Möglichkeiten

Für die wichtigsten Erreger gibt es Impfstoffe. Parainfluenzavirus und Adenovirus Typ 2 sind Bestandteile der meisten Kombiimpfungen und werden im Rahmen der Grundimmunisierung bereits im Welpenalter verabreicht. Die Bordetella-Impfung gehört zur „Lifestyle"-Impfung: Sie wird nach WSAVA- und AAHA-Leitlinien für alle Hunde empfohlen, die regelmäßig mit fremden Hunden in engem Kontakt stehen.

Es gibt sie in drei Varianten:

  • intranasal – Tröpfchen in die Nase
  • oral – in die Backentasche
  • injizierbar – unter die Haut

Die intranasale und orale Form bieten den Vorteil, dass sie bereits nach 48 bis 72 Stunden eine Schleimhautimmunität aufbauen. Als praktische Empfehlung hat sich bewährt: mindestens eine Woche, besser ein bis zwei Wochen vor dem Aufenthalt in Pension oder Tierheim impfen lassen. Viele Einrichtungen geben ihre eigenen Mindestfristen vor – erfragen Sie diese vorher.

Ein wichtiges Detail, das in Beratungsgesprächen immer wieder betont werden muss: Atemwegs-Impfungen schützen nicht vollständig vor Infektion und Ausscheidung. Sie verringern das Risiko schwerer Verläufe und die Dauer der Beschwerden – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Hygiene in Tierheim und Pension

Gerade im Tierheim-Umfeld entscheidet die Hygiene darüber, ob ein einzelner Husten zu einem Ausbruch wird. Bewährte Maßnahmen:

  • Quarantäne neu aufgenommener Hunde für mindestens zehn bis vierzehn Tage
  • räumliche Trennung erkrankter Tiere, mit möglichst eigener Luftführung oder mindestens sechs Metern Abstand
  • gute Lüftung und Staubreduktion
  • eine Desinfektion, die auch unbehüllte Viren wie CAV-2 erfasst – etwa mit Natriumhypochlorit (Haushaltsbleiche 1:32), Kaliumperoxomonosulfat oder beschleunigtem Wasserstoffperoxid
  • Händehygiene und Wechsel der Schutzkleidung zwischen den Tieren
  • strikte Reinigung von Näpfen, Leinen und Transportboxen
  • Impfung direkt bei Aufnahme, idealerweise intranasal oder oral für einen schnellen Schleimhautschutz

Prognose

Gesunde, erwachsene Hunde erholen sich in aller Regel innerhalb ein bis drei Wochen vollständig und ohne bleibende Folgen. Welpen, Senioren und immungeschwächte Tiere können schwerer erkranken; bei bakterieller Beteiligung oder Pneumonie ist eine intensivere Behandlung nötig, die Gesamtprognose bleibt aber mit rechtzeitiger tierärztlicher Versorgung gut. Ein Sonderfall ist das kanine Influenzavirus vom Typ H3N2: infizierte Hunde können bis zu drei oder vier Wochen Virus ausscheiden, was im Tierheim lange Quarantänezeiten erfordert.

Zwingerhusten im Tierheim-Alltag

Wer im Tierschutz arbeitet, kennt das Szenario: Ein neu aufgenommener Hund beginnt zu husten – und wenige Tage später hustet es in der ganzen Abteilung. Wir steuern dem mit klaren Protokollen gegen: Quarantäne für alle Neuzugänge, intranasale oder orale Bordetella-Impfung bei Aufnahme, gute Belüftung, konsequente Desinfektion und frühe tierärztliche Abklärung jeder Veränderung im Atemweg. Für abgebende Menschen bedeutet das manchmal, dass ihr Hund einige Tage länger in der Quarantäne bleibt, als geplant – nicht aus Überfürsorge, sondern aus Rücksicht auf alle anderen Tiere, die bei uns leben.

Für Halter:innen, die einen Hund von uns adoptieren, gilt: Wer seinen neuen Mitbewohner in den ersten Tagen zuhause nicht sofort auf die Hundewiese mitnimmt, macht alles richtig. Ruhe, vertrautes Zuhause und ein paar Tage Beobachtung geben dem Immunsystem die Chance, sich auf das neue Umfeld einzustellen.

Fachquellen

  • Reagan KL, Sykes JE. Canine Infectious Respiratory Disease. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 2020.
  • Day MJ, Carey S, Clercx C et al. Aetiology of Canine Infectious Respiratory Disease Complex and Prevalence of its Pathogens in Europe. Journal of Comparative Pathology, 2020.
  • Lappin MR, Blondeau J, Boothe D et al. Antimicrobial use Guidelines for Treatment of Respiratory Tract Disease in Dogs and Cats (ISCAID). Journal of Veterinary Internal Medicine, 2017.
  • Squires RA, Crawford C, Marcondes M, Whitley N. 2024 guidelines for the vaccination of dogs and cats compiled by the Vaccination Guidelines Group (VGG) of the WSAVA. Journal of Small Animal Practice, 2024.
  • Ellis J, Marziani E, Aziz C et al. 2022 AAHA Canine Vaccination Guidelines. Journal of the American Animal Hospital Association, 2022.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

Hinter den Beiträgen auf tierheim-hannover.de steht die Redaktion des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V., gegründet 1844. Unsere Themen entstehen aus dem Alltag im Tierheim — aus der Vermittlung, der Pflege und den Fragen, die uns Adoptant:innen Tag für Tag stellen. Jeder Ratgeber wird tierärztlich gegengelesen, bevor er online geht. Wer lieber zuschaut als liest, findet die Videopendants zu vielen Themen auf unserem YouTube-Kanal TierheimTV.

Das könnte Sie auch interessieren