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Kreuzbandriss beim Hund

Ratgeber

Kreuzbandriss beim Hund erkennen, behandeln und den Alltag nach der OP gut gestalten – für ein beschwerdefreies Leben.

„Er ist einfach kurz wegsprungen und lahmt seither" – diesen Satz hören Tierärzt:innen fast täglich. Dahinter steckt besonders oft ein Kreuzbandriss, eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund überhaupt. Anders als beim Menschen entsteht der Riss beim Hund fast nie durch einen klassischen Sportunfall, sondern ist meist die Spätfolge einer langsamen Gewebsveränderung. Dieser Ratgeber erklärt, was genau im Knie passiert, warum moderne Operationen so gute Ergebnisse liefern und wie Sie Ihren Hund vor und nach einer Diagnose begleiten können.

Was beim Kreuzbandriss im Knie passiert

Das vordere Kreuzband (in der Fachsprache kraniales Kreuzband, kurz CrCL) stabilisiert das Kniegelenk: Es verhindert, dass das Schienbein bei jedem Schritt nach vorn aus dem Gelenk rutscht und dämpft gleichzeitig Drehbewegungen. Wenn dieses Band reißt oder sich überdehnt, wird das Knie instabil. Bei jeder Belastung gleitet der Unterschenkel nach vorn, die Gelenkfläche wird ungleichmäßig beansprucht, und sehr schnell entsteht eine Entzündung – die Basis für eine fortschreitende Arthrose.

Der Riss kann vollständig oder teilweise sein. Teilrisse werden im Alltag oft übersehen, schreiten aber in den allermeisten Fällen zum kompletten Riss fort.

Warum das Kreuzband reißt – und warum nicht durch einen einzigen Unfall

Dies ist der wichtigste Unterschied zum menschlichen Kreuzbandriss: Beim Hund ist der Riss in der Regel keine akute Sportverletzung, sondern das Endstadium einer schleichenden Degeneration. Über Monate und Jahre verändern sich die feinen Fasern des Bandes, verlieren an Elastizität und Reißfestigkeit. Irgendwann reicht eine ganz alltägliche Bewegung – ein Sprung vom Sofa, ein schnelles Abstoppen beim Spielen, eine Pfote, die im Garten wegrutscht – und das ohnehin geschwächte Band reißt.

Verstärkt wird diese Entwicklung durch einen steileren tibialen Plateauwinkel. Je steiler die obere Fläche des Schienbeins nach hinten abfällt, desto stärker zieht bei jedem Schritt der Oberschenkel das Schienbein nach vorn – und genau diesen Zug muss das Kreuzband auffangen. Hunde mit Kreuzbandriss haben im Schnitt einen Winkel von rund 25 Grad, gesunde Hunde etwa 21 Grad.

Welche Hunde besonders betroffen sind

Eine Auswertung von über einer Million Hunden aus einer großen nordamerikanischen Veterinärdatenbank dokumentierte eine Gesamtprävalenz von rund 2,5 Prozent – mit deutlich steigender Tendenz über die letzten Jahrzehnte. Besonders häufig betroffen sind:

  • Rottweiler, Neufundländer, Mastiff, Staffordshire Terrier
  • Labrador Retriever und Golden Retriever
  • Berner Sennenhund, Chow Chow, Boxer, Bulldogge
  • Akita, Bernhardiner

Historisch galt der Kreuzbandriss als Problem großer Hunde. Inzwischen zeigen jüngere Auswertungen, dass auch kleine Rassen wie der Yorkshire Terrier zunehmend betroffen sind – oft ohne dass es vorher eine äußere Verletzung gab.

Risikofaktoren

Neben der Rasse gibt es einige Faktoren, die einen Riss wahrscheinlicher machen.

Gewicht

Übergewicht ist der mit Abstand wichtigste beeinflussbare Risikofaktor. Jedes überflüssige Kilo wirkt auf das Knie wie ein Hebel – und Fettgewebe sendet zusätzlich entzündungsfördernde Botenstoffe aus.

Kastration

Bei einigen Rassen erhöht eine frühe Kastration vor dem zwölften Lebensmonat das Kreuzbandriss-Risiko deutlich. Besonders gut belegt ist das für Golden Retriever, Labrador Retriever und Deutsche Schäferhunde. In der viel zitierten Golden-Retriever-Studie von Hart und Kollegen trat bei Rüden, die vor dem ersten Geburtstag kastriert wurden, ein Kreuzbandriss in fünf Prozent der Fälle auf, bei Hündinnen in acht Prozent – bei den nicht kastrierten Tieren der Studie kam die Verletzung nicht vor. Die Kastrationsentscheidung sollte daher rasseangepasst und im Gespräch mit der Tierarztpraxis getroffen werden.

Bewegung und Sport

Agility-Hunde und sehr aktive Gebrauchshunde haben ein erhöhtes Verletzungsrisiko, vor allem, wenn sie untrainiert starten oder ohne Aufwärmen hohe Belastungsspitzen abrufen. Gut aufgebaute Muskulatur, ruhiges Warmmachen und vernünftige Pausen schützen das Knie.

Erste Anzeichen im Alltag

Ein klassischer Kreuzbandriss zeigt sich meist als plötzliche Hinterhandlahmheit nach dem Spielen oder einer unbedachten Bewegung. Typisch sind:

  • das Tier entlastet das betroffene Bein spürbar, setzt die Pfote nur kurz auf
  • nach Ruhe zeigt sich eine morgensteife, verhaltene Bewegung
  • der Hund setzt sich auffällig: das betroffene Bein wird nicht unter den Körper gezogen, sondern seitlich abgespreizt (der sogenannte „Sit-Test" ist positiv)
  • an der Oberschenkelmuskulatur ist nach einigen Wochen ein sichtbarer Muskelschwund zu erkennen
  • das Knie wirkt beim Anfassen dicker, manchmal auch wärmer
  • eine sehr schleichende Variante ist die phasenweise Lahmheit bei Teilriss – besser, dann schlechter, dann wieder besser

Wie die Diagnose gestellt wird

Tierärztinnen und Tierärzte prüfen das Knie mit zwei Standardtests: dem Schubladen-Test und dem tibialen Kompressionstest. Beide lassen sich in Ruhe am wachen Tier durchführen, bei angespannten Hunden zuverlässiger unter leichter Sedierung. Ist das Kreuzband gerissen, lässt sich das Schienbein unphysiologisch nach vorn verschieben.

Ein Röntgenbild zeigt typische Hinweise wie einen Gelenkerguss und, bei chronischen Fällen, bereits Arthroseveränderungen. Zur Beurteilung des Meniskus und für die OP-Planung bei komplizierten Fällen kann ein MRT oder eine Arthroskopie sinnvoll sein – Letztere kombiniert Diagnostik und Behandlung in einem Eingriff.

Meniskus als häufiger Mitleidender

Wenn das Kreuzband reißt, wird im Knie auch der Meniskus in Mitleidenschaft gezogen – das knorpelige „Stoßdämpfer-Kissen" zwischen Ober- und Unterschenkel. Je nach Diagnostikmethode werden in 20 bis rund 77 Prozent der Fälle Meniskusverletzungen gefunden, fast immer am medialen (inneren) Meniskus. Die Arthroskopie erkennt deutlich mehr Schäden als eine herkömmliche Arthrotomie. Ein intakter Meniskus ist für die Langzeitprognose entscheidend, deshalb wird er im Rahmen einer Operation immer mitgeprüft.

Behandlungsmöglichkeiten

Operative Verfahren

Moderne Kniechirurgie beim Hund stellt das gerissene Band nicht wieder her. Stattdessen wird die Biomechanik des Knies so verändert, dass das Band gar nicht mehr gebraucht wird. Die drei wichtigsten Verfahren:

  • TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy): Das Schienbeinplateau wird durch eine kontrollierte Osteotomie flacher gestellt. Dadurch fehlt die nach-vorn-Kraft, die das Band sonst auffangen müsste. Die TPLO gilt für große und aktive Hunde als das am besten evidenzbasierte Verfahren.
  • TTA (Tibial Tuberosity Advancement): Der Ansatz der Patellasehne wird nach vorn versetzt, sodass sich die Winkelverhältnisse im Knie verändern. Auch hier wird das Band funktionell entlastet.
  • Extrakapsuläre Naht (zum Beispiel laterale fabellare Naht): Ein Kunstfaden ersetzt die Stabilisierungsfunktion des Bandes von außen. Gut geeignet für kleine Hunde; bei großen, aktiven Tieren hat dieses Verfahren in Langzeitstudien schlechtere Ergebnisse als die TPLO.

Eine große systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014 kam zu dem Schluss, dass die TPLO die beste Evidenz für eine Rückkehr zu normaler Gelenkfunktion liefert. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle systematische Analyse, dass kein einzelnes Verfahren für alle Hunde das beste ist – Größe, Aktivität, anatomische Besonderheiten und nicht zuletzt das finanzielle Budget gehören in die Entscheidung.

Konservative Therapie

Nicht jeder Hund muss unters Messer. Eine konservative Therapie kommt in Frage bei:

  • kleinen Hunden unter 15 Kilogramm
  • älteren, ruhigeren Tieren, bei denen eine Operation nicht mehr sinnvoll ist
  • Risikopatient:innen, bei denen eine Narkose zu gefährlich wäre

Die Bausteine: konsequentes Gewichtsmanagement, strikt kontrollierte Leinenbewegung über mehrere Monate, Schmerzlinderung mit entzündungshemmenden Medikamenten, regelmäßige Physio- und Hydrotherapie. Studien zeigen, dass viele kleine Hunde auf diesem Weg eine gute Alltagstauglichkeit zurückgewinnen – langfristig bleibt die Funktion nach einer gelungenen TPLO bei aktiven Hunden allerdings überlegen.

Was nach der Operation wichtig ist

Die postoperative Phase entscheidet mit über den Erfolg. Sie umfasst typischerweise acht bis zwölf Wochen strikt kontrollierter Bewegung mit kurzen Leinenrunden, keiner freien Beschäftigung, keinen Sprüngen, keinem Toben. In dieser Zeit heilt der Knochen bei TPLO und TTA, und die Gelenkschleimhaut kommt zur Ruhe.

Physiotherapie – besonders Unterwasserlaufband, passive Bewegungsübungen und gezielter Muskelaufbau – hat in Studien nachweislich bessere Ergebnisse gebracht als reine Ruhe. Vollständige Belastbarkeit ist nach rund vier bis sechs Monaten wiederhergestellt. Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt wird Sie mit einem klaren Reha-Plan begleiten.

Das Risiko für das andere Knie

Weil der Kreuzbandriss degenerativ entsteht, haben viele Hunde auch auf der anderen Seite ein bereits geschwächtes Band. Eine große amerikanische Studie zeigte, dass rund 54 Prozent der Hunde innerhalb von im Mittel knapp drei Jahren auch am zweiten Knie einen Kreuzbandriss erlitten. Das klingt ernüchternd, ist aber ein wichtiger Hinweis: Wer nach einer ersten OP aufmerksam bleibt, das Gewicht im Blick behält und frühe Warnzeichen kennt, kann auch den zweiten Riss früh erkennen und gut versorgen lassen.

Prognose

Nach einer TPLO zeigen in Langzeitstudien über 90 Prozent der Hunde eine gute bis sehr gute Funktion. Die Arthrose schreitet trotzdem weiter fort, meist langsamer und seltener schmerzhaft. Mit diszipliniertem Gewichtsmanagement, angepasster Bewegung und einem ausgewogenen Alltag erreichen die meisten Tiere ein aktives, zufriedenes Leben – auch wenn das Knie nie wieder „wie neu" sein wird.

Kreuzbandriss bei Katzen

Bei Katzen ist der Kreuzbandriss selten und meist akut-traumatisch, typischerweise nach einem Sturz aus großer Höhe oder einem Autounfall. Oft sind dabei mehrere Bänder gleichzeitig betroffen. Eine chronisch-degenerative Form wie beim Hund ist bei der Katze nicht etabliert. Die Therapie erfolgt in der Regel chirurgisch mit Stabilisierungsverfahren.

Im Tierheim-Alltag

Gerade mittelgroße und große Rassen mit erhöhtem Kreuzbandrisiko – Labradore, Schäferhunde, Rottweiler, Berner Sennenhunde – sind bei uns in Hannover regelmäßige Bewohner:innen. Manchmal kommen Hunde schon mit einem alten, nicht versorgten Kreuzbandriss zu uns, manchmal fällt die Diagnose erst hier. In beiden Fällen heißt das: ehrliche Beratung, gründliche tierärztliche Abklärung und die Suche nach Menschen, die bereit sind, den notwendigen Nachsorgeweg mitzugehen. Ein Hund mit Kreuzbandgeschichte ist kein Sonderfall – mit der richtigen Begleitung ein ganz normaler, liebevoller Mitbewohner.

Fachquellen

  • Witsberger TH, Villamil JA, Schultz LG, Hahn AW, Cook JL. Prevalence of and risk factors for hip dysplasia and cranial cruciate ligament deficiency in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2008.
  • Bergh MS, Sullivan C, Ferrell CL, Troy J, Budsberg SC. Systematic review of surgical treatments for cranial cruciate ligament disease in dogs. Journal of the American Animal Hospital Association, 2014.
  • Muir P, Schwartz Z, Malek S et al. Contralateral cruciate survival in dogs with unilateral non-contact cranial cruciate ligament rupture. PLoS ONE, 2011.
  • Torres de la Riva G, Hart BL, Farver TB et al. Neutering dogs: effects on joint disorders and cancers in Golden Retrievers. PLoS ONE, 2013.
  • Spinella G, Arcamone G, Valentini S. Cranial Cruciate Ligament Rupture in Dogs: Review on Biomechanics, Etiopathogenetic Factors and Rehabilitation. Veterinary Sciences, 2021.
  • DeCamp CE, Johnston SA, Déjardin LM, Schaefer SL. Brinker, Piermattei and Flo’s Handbook of Small Animal Orthopedics and Fracture Repair. 5. Auflage, Elsevier, 2016.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

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