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Patellaluxation bei Hund und Katze

Ratgeber

Patellaluxation bei Hund und Katze erkennen, verstehen und den Alltag anpassen – für ein schmerzfreies Leben trotz Kniescheiben-Fehlstellung.

Manche Hunde laufen ganz normal und ziehen dann plötzlich für drei Schritte ein Hinterbein hoch, bevor es weitergeht wie zuvor. Dieses kurze „Hopsen“ ist das klassische Bild einer Patellaluxation – einer Fehlstellung, bei der die Kniescheibe aus ihrer Gleitrinne springt. Die Erkrankung gehört zu den häufigsten orthopädischen Problemen bei kleinen Hunden, kommt aber auch bei großen Rassen und bei Katzen vor. Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Patellaluxation entsteht, woran Sie sie erkennen und welche Möglichkeiten es gibt, Ihrem Tier zu helfen.

Was bei einer Patellaluxation passiert

Das Kniegelenk führt die Kniescheibe in einer knöchernen Rinne, der sogenannten Trochlea. Solange alles in Ordnung ist, gleitet die Patella bei jeder Bewegung geschmeidig nach oben und unten und gibt dem Streckmechanismus des Beines Halt. Bei einer Patellaluxation rutscht die Kniescheibe aus dieser Rinne heraus – in den allermeisten Fällen nach innen (mediale Luxation), seltener nach außen (laterale Luxation). Eine große schwedische Auswertung von rund 600.000 versicherten Hunden kam auf rund 90 Prozent mediale, knapp sechs Prozent laterale und etwa zwei Prozent beidseitige Luxationen.

Anders als der Name vermuten lässt, reißt dabei nichts. Das Band zur Kniescheibe, die Sehnen und auch die Kapsel bleiben meist intakt. Das Problem liegt darin, dass Knochen und Weichteile nicht optimal zueinander passen – die Kniescheibe findet ihren Platz nicht oder hält ihn nur mit Mühe.

Warum die Kniescheibe aus der Rille springt

Die meisten Patellaluxationen sind angeboren und entwicklungsbedingt. Dahinter stecken oft anatomische Abweichungen, die sich während des Wachstums ausprägen: eine zu flach geformte Trochlea, eine Drehung oder Verbiegung von Ober- oder Unterschenkelknochen, eine Fehlstellung der Tuberositas tibiae (dem Ansatz der Kniescheibensehne) oder eine Kombination aus mehreren dieser Faktoren. Die Veranlagung ist erblich und wird polygen weitergegeben. Wissenschaftliche Studien schätzen die Erblichkeit je nach Rasse in einer Spanne von etwa 0,17 bis 0,25.

Seltener entsteht eine Patellaluxation traumatisch nach einem Unfall, einem Sturz oder einem Schlag auf das Knie. Diese Form ist in der Regel einseitig und betrifft typischerweise erwachsene Tiere ohne Vorgeschichte.

Welche Tiere besonders betroffen sind

Die Patellaluxation gilt als klassisches „Kleinhund-Thema“ – ganz falsch ist das nicht, greift aber zu kurz.

Kleine Hunderassen

In einer Primärversorgungsstudie aus England mit über 210.000 Hunden lag die Gesamtprävalenz bei rund 1,3 Prozent. Besonders stark vertreten waren Pomeranian, Chihuahua und Yorkshire Terrier, deutlich häufiger als der Durchschnitt. Auch Zwergpudel, Malteser, Mops, Französische Bulldogge, Jack Russell Terrier, Boston Terrier und Cavalier King Charles Spaniel gehören zu den typisch betroffenen Rassen.

Große Hunderassen

Der weit verbreitete Satz „laterale Luxation bei großen Rassen, mediale bei kleinen“ ist didaktisch praktisch, aber ungenau. Auch bei großen Hunden überwiegt die mediale Form. Überproportional betroffen sind unter anderem der Labrador Retriever, der Deutsche Schäferhund, der Staffordshire Bull Terrier und der Pyrenäenhund. Bei großen Hunden stehen häufig ausgeprägte Achsenfehlstellungen der Hintergliedmaße im Vordergrund.

Bei der Katze

Lange galt die Katze als kaum betroffen. Neuere Studien zeichnen ein anderes Bild: Bei Rassekatzen wurden in einer tschechischen Untersuchung rund ein Drittel aller Tiere mit einer lockeren Patella dokumentiert, überwiegend in der mildesten Form (Grad I). Besonders häufig betroffen sind Abessinier, außerdem Devon Rex und Siamesen. Auffällig ist zudem, dass viele Katzen mit Patellaluxation gleichzeitig eine Hüftdysplasie haben – in einer US-Studie bei rund 58 Prozent der untersuchten Tiere.

Die vier Schweregrade

Seit den 1960er Jahren wird die Patellaluxation nach der Einteilung von Putnam und Singleton in vier Grade beschrieben:

  • Grad I: Die Kniescheibe lässt sich von Hand aus der Rinne schieben, springt aber von allein wieder zurück. Symptome fehlen oft völlig.
  • Grad II: Die Patella luxiert spontan bei Bewegung, gleitet aber meist von selbst zurück. Betroffene Tiere zeigen gelegentlich ein „Hopsen“ im Gangbild.
  • Grad III: Die Kniescheibe liegt dauerhaft außerhalb der Rinne, lässt sich zwar per Hand wieder einrenken, springt aber sofort erneut heraus. Lahmheiten sind dauerhaft spürbar.
  • Grad IV: Die Patella ist permanent verrenkt und lässt sich nicht mehr einrenken. Es bestehen deutliche Achsen- und Drehfehlstellungen; die Tiere gehen gebeugt oder hocken sich regelrecht.

Erste Anzeichen im Alltag

Viele Halter:innen berichten genau das gleiche Bild: Ihr Hund läuft plötzlich „drei Schritte auf drei Beinen“, schüttelt sich kurz und rennt dann wieder normal weiter. Tierärztlich wird dieses Phänomen als „Skipping Gait“ beschrieben – und es ist das häufigste Frühsymptom einer Patellaluxation.

Weitere Zeichen, auf die Sie achten können:

  • kurze, wiederkehrende Lahmheiten ohne erkennbaren Anlass
  • Zögern beim Springen, beim Treppensteigen, beim Einsteigen ins Auto
  • eine Hintergliedmaße, die beim Stehen leicht nach innen gedreht wirkt
  • bei ausgeprägten Fällen eine sichtbare O-beinige Stellung oder hockender Gang
  • Schmerz- oder Unbehagensreaktionen, wenn das Knie bewegt wird

Katzen zeigen eine Patellaluxation häufig noch subtiler: sie springen weniger hoch, vermeiden hohe Kratzbäume, wirken ungewohnt vorsichtig oder werden insgesamt ruhiger. Das bleibt im Alltag leicht unbemerkt.

Wie die Diagnose gestellt wird

Der wichtigste Schritt ist die tierärztliche Palpation am wachen Tier. Mit geübtem Griff lässt sich die Kniescheibe prüfen und der Grad der Luxation bestimmen. Diese Untersuchung gilt international als Goldstandard – große Züchterverbände wie die amerikanische Orthopedic Foundation for Animals (OFA) stützen ihre Screening-Befunde auf genau diesen Griff.

Ein Röntgenbild kommt dazu, sobald die OP-Planung beginnt oder Achsenfehlstellungen vermutet werden. Es zeigt die Position der Kniescheibe, die Form der Gleitrinne, mögliche sekundäre Arthroseveränderungen und die Stellung von Ober- und Unterschenkel. Bei komplizierteren Fällen, bei jungen Tieren oder vor umfangreicheren Eingriffen liefert eine Computertomografie (CT) oder ein MRT zusätzliche Informationen.

Behandlungsmöglichkeiten

Ob eine Patellaluxation behandelt werden muss und wie, hängt vor allem vom Schweregrad, von der Symptomatik und vom Alter des Tieres ab.

Konservative Therapie

Bei Grad I und bei beschwerdefreien Grad-II-Fällen reicht oft ein konservatives Vorgehen. Die wichtigsten Bausteine:

  • konsequentes Gewichtsmanagement – jedes überflüssige Kilo belastet das Knie zusätzlich
  • Physiotherapie und gezielter Muskelaufbau, besonders der Oberschenkelmuskulatur
  • rutschfeste Böden im Zuhause
  • kontrollierte Bewegung statt wilder Spielsprünge
  • bei akuten Beschwerden entzündungshemmende Medikamente nach tierärztlicher Verordnung

Das Ziel ist nicht die Heilung der anatomischen Fehlstellung, sondern ein stabiler, beschwerdearmer Alltag.

Operative Verfahren

Bei Grad III, Grad IV und bei schmerzhaften Grad-II-Fällen führt meist kein Weg an einer Operation vorbei. Moderne Verfahren kombinieren Weichteil- und Knochentechniken, passend zur anatomischen Ursache:

  • Trochleaplastik: Vertiefung der Gleitrinne, damit die Kniescheibe wieder sicher geführt wird.
  • Tuberositas-tibiae-Transposition (TTT): Versetzung des Sehnenansatzes am Schienbein, um den Zug der Quadrizepssehne neu auszurichten.
  • Weichteil-Rekonstruktion: Raffung oder Entlastung der Gelenkkapsel und Retinakula, um die Patella im richtigen Gleis zu halten.
  • Korrekturosteotomien: bei deutlichen Achsenfehlstellungen des Ober- oder Unterschenkels; vor allem bei großen Hunden und in hohen Schweregraden sinnvoll.

Die Kundenzufriedenheit nach einer Patellaluxations-OP liegt in internationalen Studien bei über 90 Prozent. Komplikationen – allen voran eine erneute Luxation – treten je nach Studie in rund 13 bis 48 Prozent der Fälle auf, besonders bei Grad IV. Die Kombination aus Trochleaplastik und Tuberositas-Transposition gilt als besonders erfolgsversprechend. Ein zusätzliches Risiko besteht, wenn vorher bereits ein Oberschenkelbruch versorgt wurde: Bei Katzen mit solchem Vorverlauf ist das Rückfallrisiko nach einer Patella-OP deutlich erhöht.

Der Zusammenhang mit dem Kreuzbandriss

Eine Patellaluxation und ein Kreuzbandriss treten häufig gemeinsam auf – und das ist kein Zufall. Durch die Fehlstellung entsteht eine dauerhafte Dreh- und Scherbelastung auf das vordere Kreuzband. Übersichtsarbeiten beziffern den Anteil der Hunde mit Patellaluxation, die zusätzlich einen Kreuzbandriss entwickeln, bei kleinen Rassen auf 22 bis 41 Prozent und bei großen Rassen auf etwa 13 Prozent. Die kombinierten Fälle sind bei Diagnose im Schnitt deutlich älter. Besonders Grad-IV-Luxationen gehen überdurchschnittlich häufig mit Kreuzbandschäden einher. Ein wichtiger Grund, warum Tierärzt:innen das Knie bei einer Patellaluxation immer auch auf das Kreuzband hin untersuchen.

Alltag mit einem betroffenen Tier

Viele Hunde und Katzen leben mit einer leichten Patellaluxation ohne große Einschränkungen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen:

  • konsequente Gewichtskontrolle
  • rutschfeste Teppichläufer auf glatten Böden
  • kein wildes „Ballefangen“ aus der vollen Beschleunigung
  • ruhige, zielgerichtete Bewegung statt hektischer Sprünge
  • bei Katzen: erreichbare Aufstiege mit Zwischenstufen statt Sprungdistanzen
  • regelmäßige tierärztliche Kontrollen

Wichtig ist, dass Sie Veränderungen ernst nehmen. Nimmt das Hopsen zu, verschlechtert sich der Gang oder wird das Tier im Alltag zurückhaltender, gehört es zeitnah in die Praxis.

Prävention und Zucht

Die Patellaluxation ist in erster Linie eine genetische Erkrankung. Der wirksamste Hebel liegt deshalb in der Zucht: Tiere mit positivem Patella-Befund, selbst in Grad I, sollten nicht zur Weiterzucht herangezogen werden. Die OFA bietet in den USA ein öffentliches Register, in dem Züchter:innen ihre Patella-Befunde einsehen und vergleichen können; die britische Kennel Club / BVA-Untersuchung funktioniert ähnlich. In Deutschland regeln die einzelnen Rassezuchtverbände im Rahmen der VDH-Strukturen, welche Screenings erforderlich sind – hier lohnt der Blick in die jeweilige Zuchtordnung.

Halter:innen können über die Zuchtauswahl hinaus vorbeugen, indem sie ihre Hunde und Katzen schlank halten, ihnen rutschfeste Böden bieten und im Welpenalter auf übermäßige Belastung verzichten.

Patellaluxation im Tierheim-Alltag

Bei uns im Tierschutzverein Hannover gehören kleine, zierliche Hunderassen zu den regelmäßigen Bewohner:innen – darunter Chihuahuas, Yorkshire Terrier, Pomeranians und Mischlinge mit vergleichbarem Körperbau. Bei vielen dieser Hunde fällt eine Patellaluxation erst bei uns auf, entweder im Rahmen der tierärztlichen Eingangsuntersuchung oder wenn ein ausgelassener Spielmoment plötzlich zum Humpeln führt.

Wichtig zu wissen: Eine Patellaluxation ist kein Hinderungsgrund für die Vermittlung. Die allermeisten betroffenen Tiere leben bei guter Haltung ein ganz normales Leben. Entscheidend ist eine ehrliche Beratung: Wir besprechen mit Interessent:innen, welcher Grad vorliegt, ob konservative Maßnahmen ausreichen oder eine Operation zu empfehlen ist, und welche Anpassungen im Alltag sinnvoll sind. Wer einem kleinen Hund oder einer Katze mit Kniegeschichte ein Zuhause gibt, schenkt ihm oft die Ruhe, die es braucht – und bekommt dafür unendlich viel zurück.

Fachquellen

  • Engdahl K, Emanuelson U, Höglund O, Bergström A, Hanson J. The epidemiology of patellar luxation in an insured Swedish dog population. Preventive Veterinary Medicine, 2023.
  • O’Neill DG, Meeson RL, Sheridan A, Church DB, Brodbelt DC. The epidemiology of patellar luxation in dogs attending primary-care veterinary practices in England. Canine Genetics and Epidemiology, 2016.
  • Di Dona F, Della Valle G, Fatone G. Patellar luxation in dogs. Veterinary Medicine: Research and Reports, 2018.
  • Andrade MC, Slunsky P, Klass LG, Brunnberg L. Patellar luxation and concomitant cranial cruciate ligament rupture in dogs – A review. Veterinární Medicína, 2022.
  • Rutherford L, Langley-Hobbs SJ, Whitelock RJ, Arthurs GI. Complications associated with corrective surgery for patellar luxation in 85 feline surgical cases. Journal of Feline Medicine and Surgery, 2015.
  • DeCamp CE, Johnston SA, Déjardin LM, Schaefer SL. Brinker, Piermattei and Flo’s Handbook of Small Animal Orthopedics and Fracture Repair. 5. Auflage, Elsevier, 2016.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

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