Mittelmeer-Krankheiten bei Hunden

Ratgeber

Leishmaniose, Babesiose, Herzwurm und Co.: Was Halter:innen von Auslandshunden zu Mittelmeer-Krankheiten wissen müssen.

Viele der Hunde, die wir in Hannover aus dem Ausland übernehmen, haben auf den ersten Blick nichts anderes als gutes Fell und einen hoffnungsvollen Blick. Und doch tragen manche von ihnen Erreger in sich, die in ihrer Heimat allgegenwärtig sind: die sogenannten Mittelmeer-Krankheiten. Hinter dem Begriff stehen mehrere, sehr unterschiedliche Erkrankungen, die durch Zecken und Stechmücken übertragen werden. Einige sind inzwischen auch in Deutschland angekommen. Dieser Ratgeber erklärt, worum es geht, wie die Infektionen erkannt und behandelt werden – und warum eine positive Diagnose kein Grund ist, einem Hund ein Zuhause zu verwehren.

Was unter Mittelmeer-Krankheiten verstanden wird

„Mittelmeer-Krankheiten" ist kein medizinischer Fachbegriff, sondern ein Sammelname für vektorübertragene Infektionen, die vor allem im Mittelmeerraum verbreitet sind. Die wichtigsten sind:

  • Leishmaniose – übertragen durch Sandmücken
  • Babesiose – übertragen durch Zecken
  • Ehrlichiose und Anaplasmose – ebenfalls durch Zecken
  • Dirofilariose (Herzwurm und Hautwurm) – übertragen durch Stechmücken
  • Hepatozoonose – durch das Verschlucken infizierter Zecken
  • Rickettsiose (Mittelmeer-Fleckfieber) – regional, v. a. durch die Braune Hundezecke

Alle Erreger haben eines gemeinsam: Ein Insekt oder eine Zecke bringt sie in den Hundekörper. Einmal dort, können sie monate- oder jahrelang ruhen, bevor sie Symptome verursachen.

Leishmaniose

Die Leishmaniose ist die bekannteste der Mittelmeer-Krankheiten. Sie wird von einzelligen Parasiten der Art Leishmania infantum verursacht und durch Sandmücken (Phlebotomus-Arten) übertragen.

Symptome entwickeln sich oft schleichend – von einigen Monaten bis zu sieben Jahren nach der Ansteckung. Typisch sind schuppige, haarlose Stellen an Kopf und Ohren, lange, überwachsene Krallen, geschwollene Lymphknoten, Gewichtsverlust, Nasenbluten und entzündete Augen. Die häufigste Todesursache ist eine immunbedingte Nierenerkrankung, die sich oft erst spät im Verlauf zeigt.

Die Diagnose erfolgt über Bluttests (Antikörpertiter im IFAT oder ELISA), bei unklaren Fällen ergänzt durch eine PCR aus Lymphknoten oder Knochenmark. Die LeishVet-Gruppe – ein internationales Expert:innengremium – teilt die Erkrankung in vier Stadien ein, von mild bis sehr schwer.

Heilen lässt sich eine Leishmaniose in aller Regel nicht. Mit Allopurinol als Dauertherapie, zeitweise kombiniert mit Meglumin-Antimoniat oder Miltefosin, lässt sich der Parasit aber gut in Schach halten. Viele Hunde leben mit der Diagnose noch viele gute Jahre, benötigen jedoch lebenslange Kontrolluntersuchungen von Blutbild, Nierenwerten, Proteinurie und Serologie.

Zur Vorbeugung stehen Repellentien gegen Sandmücken im Vordergrund: ein Deltamethrin-Halsband oder ein Permethrin-Spot-on. Zusätzlich ist in Europa derzeit der rekombinante Impfstoff LetiFend zugelassen. Der frühere Impfstoff CaniLeish wurde 2021 vom Markt genommen – in älteren Ratgeberbeiträgen wird er oft noch genannt.

Babesiose

Die Babesiose wird durch einzellige Blutparasiten der Gattung Babesia verursacht. In Europa dominiert Babesia canis, übertragen durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus); im Mittelmeerraum spielt zusätzlich Babesia vogeli eine Rolle.

Die Erreger zerstören rote Blutkörperchen. Betroffene Hunde zeigen fünf bis dreißig Tage nach dem Zeckenstich hohes Fieber, Schwäche, blasses oder gelbliches Zahnfleisch, dunkel gefärbten Urin und eine vergrößerte Milz. Unbehandelt kann die Erkrankung innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen.

Die Diagnose gelingt über einen Blutausstrich, in dem die typischen birnenförmigen Erreger in den Erythrozyten sichtbar werden, sowie über eine PCR. Mittel der Wahl ist Imidocarb-Dipropionat, meist in zwei Gaben im Abstand von zwei Wochen. Mit rechtzeitiger Therapie ist die Prognose gut; viele Hunde bleiben anschließend subklinische Träger.

Besonders wichtig: Die Auwaldzecke breitet sich seit Jahren in Deutschland aus und ist mittlerweile in nahezu allen Bundesländern nachweisbar. In Brandenburg, Berlin und im Saarland gibt es seit 2015 dokumentierte Fälle von Babesiose bei Hunden, die nie im Ausland waren. Einzelfälle wurden auch in Niedersachsen beobachtet.

Ehrlichiose und Anaplasmose

Beide Erkrankungen werden von bakterienähnlichen Erregern verursacht, die in weißen Blutkörperchen leben. Die Canine Monozytäre Ehrlichiose wird durch Ehrlichia canis ausgelöst und im Mittelmeerraum durch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Die Granulozytäre Anaplasmose geht auf Anaplasma phagocytophilum zurück und wird in Mittel- und Nordeuropa durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen – sie ist in Deutschland flächendeckend endemisch.

Die Ehrlichiose verläuft in drei Phasen: Eine akute Phase mit Fieber, Nasenbluten und Thrombozytenmangel, eine subklinische Phase über Monate oder Jahre und schließlich eine chronische Phase mit Knochenmarksversagen und Blutungsneigung. Die Anaplasmose bleibt häufig milder und wird oft als „nur etwas schlappes Hündchen mit Fieber" abgetan.

Diagnostik: Antikörpertests und PCR, ergänzt durch Blutausstrich. Mittel der Wahl ist Doxycyclin über mindestens vier Wochen. Frühzeitig behandelt ist die Prognose gut; chronisch verlaufende Ehrlichiose ist hingegen schwer zu therapieren.

Herzwurm und Hautwurm

Die Dirofilariose unterscheidet zwei Formen. Dirofilaria immitis lebt als ausgewachsener Wurm in den Lungenarterien und im Herzen – daher der Name Herzwurm. Dirofilaria repens siedelt sich in der Unterhaut an und verursacht den Hautwurm. Beide werden durch verschiedene Stechmückenarten übertragen.

Hunde mit Herzwurm zeigen chronischen Husten, eingeschränkte Belastbarkeit und Zeichen einer Rechtsherzbelastung. Bei hoher Wurmlast droht das gefürchtete Caval-Syndrom, ein akuter Kreislaufnotfall. Die Diagnose erfolgt über einen Antigen-Schnelltest – wichtig: Der Test wird erst rund sechs bis acht Monate nach der Ansteckung positiv. Ergänzend kommt eine Mikrofilarien-Untersuchung zum Einsatz.

Die Behandlung ist aufwendig. Nach dem Protokoll der American Heartworm Society wird Doxycyclin (gegen die mit dem Wurm vergesellschafteten Wolbachia-Bakterien) mit einem makrozyklischen Lakton kombiniert, gefolgt von drei Injektionen mit Melarsomin-Dihydrochlorid. Strikte Bewegungsbeschränkung über viele Wochen ist Pflicht, damit absterbende Würmer keine Embolien auslösen.

Vorbeugen ist weit einfacher als behandeln: monatliche Präparate mit Ivermectin, Milbemycin oder Moxidectin verhindern zuverlässig, dass aus aufgenommenen Larven ein ausgewachsener Wurm wird. Bei Reisen in Endemiegebiete ist diese Prophylaxe Pflicht.

Weitere vektorübertragene Erkrankungen

Zwei weitere Erkrankungen treten bei Auslandshunden gelegentlich auf:

  • Hepatozoonose (Hepatozoon canis): Anders als die anderen Krankheiten wird sie nicht durch den Zeckenstich übertragen, sondern wenn ein Hund eine infizierte Zecke verschluckt. Symptome reichen von milder Müdigkeit bis zu Fieber, Anämie und Muskelschwäche. Die Behandlung erfolgt mit Imidocarb und Doxycyclin; eine vollständige Beseitigung des Erregers ist oft nicht möglich.
  • Rickettsiose (Rickettsia conorii): Erreger des Mittelmeer-Fleckfiebers, übertragen durch die Braune Hundezecke. Bei Hunden meist unauffällig; relevant ist der Erreger vor allem, weil er auch Menschen infizieren kann – Hunde gelten hier als Indikator. Behandelt wird ebenfalls mit Doxycyclin.

Warum das Thema auch in Deutschland wichtig wird

Die klassische Vorstellung, Mittelmeer-Krankheiten seien ausschließlich „Urlaubsmitbringsel", greift seit einigen Jahren zu kurz. Durch Klimaveränderung, Tierhandel und Reiseverkehr haben sich mehrere Vektoren nordwärts verschoben:

  • Die Auwaldzecke ist in fast ganz Deutschland verbreitet. Autochthone Babesiose-Fälle (bei Hunden ohne Auslandsbezug) sind inzwischen gut dokumentiert.
  • Anaplasma phagocytophilum ist in Deutschland über den Gemeinen Holzbock flächendeckend endemisch.
  • Einzelne Sandmücken der Art Phlebotomus mascittii wurden bereits in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gefunden. Wenige autochthone Leishmaniose-Fälle bei Hunden sind dokumentiert, auch wenn die Vektorkompetenz noch nicht abschließend geklärt ist.
  • DNA von Dirofilaria-Arten wurde bereits in heimischen Stechmücken nachgewiesen; für D. repens gibt es in Brandenburg belegte autochthone Hundefälle.

Das bedeutet: Eine gründliche Zeckenprophylaxe lohnt sich nicht nur im Süden.

Testung nach einer Auslandsreise oder bei Auslandshunden

Die europäische Fachorganisation ESCCAP empfiehlt bei Hunden, die aus dem Mittelmeerraum kommen oder dort länger Urlaub gemacht haben, ein Screening auf die wichtigsten Erreger:

  • Leishmaniose: Antikörpertest frühestens sechs bis acht Wochen nach Exposition, bei Verdacht zusätzlich PCR
  • Ehrlichiose und Anaplasmose: Antikörpertest und/oder PCR
  • Babesiose: Serologie und PCR bzw. Blutausstrich bei akutem Verdacht
  • Herzwurm: Antigentest und Mikrofilarien-Nachweis, frühestens sechs bis acht Monate nach möglicher Ansteckung
  • Hepatozoonose: Blutausstrich oder PCR nur bei klinischem Verdacht

Wichtig ist: Ein negatives Ergebnis direkt nach der Einreise schließt eine Infektion nicht aus. Einige Erreger haben eine sehr lange Inkubationszeit. Eine Wiederholung der Tests nach drei bis sechs Monaten gehört daher in jedes seriöse Vermittlungsprotokoll.

Schutz vor Zecken und Stechmücken

Prophylaxe ist der wirksamste Weg. Empfehlenswert sind:

  • Deltamethrin-Halsbänder – bieten über mehrere Monate einen sehr guten Schutz gegen Sandmücken und Zecken.
  • Permethrin-haltige Spot-ons – kombinieren Repellent-Wirkung gegen Sandmücken und Stechmücken mit Zeckenschutz.
  • Moderne Isoxazoline (als Kautabletten oder Spot-on) – hochwirksam gegen Zecken und Flöhe, aber ohne Repellent-Effekt. Als alleiniger Leishmaniose-Schutz reichen sie nicht; sie sollten mit einem Repellent-Halsband oder Spot-on kombiniert werden.
  • Herzwurmprophylaxe als monatliche Kau- oder Spot-on-Präparate, beginnend einen Monat vor Reisebeginn und bis einen Monat nach Rückkehr.

Zusätzlich gelten Klassiker des gesunden Menschenverstands: Hunde bei Dämmerung und Nacht im Haus lassen, Aufenthalt an stehenden Gewässern mit Stechmücken vermeiden und das Fell nach jedem Spaziergang gründlich absuchen.

Leben mit einem positiv getesteten Hund

Ein positiver Befund ist kein Grund zur Euthanasie – so lautet der Konsens aller führenden Leitlinien. Viele Tiere leben mit der Diagnose ein langes, glückliches Leben, sofern sie passend behandelt und regelmäßig kontrolliert werden.

Wichtig für Halter:innen ist eine klare Aufklärung:

  • Leishmaniose ist in Deutschland nicht direkt von Hund zu Hund oder auf den Menschen übertragbar, da der Vektor (die Sandmücke) bei uns fast fehlt. Eine Gefahr für andere Haustiere besteht im Alltag nicht.
  • Ehrlichiose-Hunde sind nach erfolgreicher Doxycyclin-Therapie in der Regel klinisch gesund, bleiben jedoch oft weiter seropositiv.
  • Babesiose-Hunde können nach Behandlung zu stummen Trägern werden; sie stellen in Deutschland für andere Tiere nur über den Umweg Zecke ein geringes Risiko dar.
  • Herzwurm-Hunde brauchen die aufwendige mehrmonatige Therapie. Danach sind sie geheilt und sollten anschließend lebenslang ganzjährig prophylaktisch behandelt werden.

Für den Alltag gilt: gute Ernährung, angepasste Bewegung, ruhige Umgebung, regelmäßige Kontrollen und konsequenter Schutz vor Vektoren, um Rückfälle oder Zweit-Infektionen zu verhindern.

Mittelmeer-Krankheiten im Tierheim-Alltag

Bei uns in Hannover nehmen wir immer wieder Hunde aus Partnerprojekten in Süd- und Osteuropa auf oder vermitteln weiter an Menschen, die einen Auslandshund bewusst adoptieren möchten. Für jeden dieser Hunde gehört ein systematisches Screening auf die wichtigsten Mittelmeer-Erreger zum Aufnahmeprozess. Positive Tiere werden nach Leitlinien behandelt und begleitet; Interessent:innen bekommen alle Befunde, eine ehrliche Einschätzung zur Prognose und eine klare Empfehlung zur weiterbetreuenden Tierarztpraxis.

Ein wichtiger Hinweis für alle, die einen Hund aus dem Ausland aufnehmen möchten: Informieren Sie sich vor der Entscheidung, verlangen Sie aktuelle Testergebnisse von der abgebenden Organisation, und rechnen Sie mit einer Nachtestung nach drei bis sechs Monaten. Ein seriöser Tierschutz spielt mit offenen Karten – bei uns in Hannover und auch bei Partnerorganisationen im Ausland.

Fachquellen

  • ESCCAP. Guideline 05: Control of Vector-Borne Diseases in Dogs and Cats. European Scientific Counsel Companion Animal Parasites, 5. Auflage, 2024.
  • Solano-Gallego L, Miró G, Koutinas A et al. (LeishVet Group). LeishVet guidelines for the practical management of canine leishmaniosis. Parasites & Vectors, 2011.
  • Sainz Á, Roura X, Miró G et al. Guideline for veterinary practitioners on canine ehrlichiosis and anaplasmosis in Europe. Parasites & Vectors, 2015.
  • American Heartworm Society. Current Canine Guidelines for the Prevention, Diagnosis, and Management of Heartworm (Dirofilaria immitis) Infection in Dogs. Aktualisierte Ausgabe.
  • Giannelli A et al. First evidence of vertical Hepatozoon canis transmission in dogs in Europe. Parasites & Vectors, 2022.
  • Merck Veterinary Manual. Leishmaniosis in Dogs und Babesiosis in Animals. Online-Standardwerk.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

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