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Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

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Parasitenprophylaxe bei Hund und Katze

Ratgeber

Parasitenprophylaxe bei Hund und Katze: ESCCAP-Empfehlungen, Spot-on vs. Tablette, Kotprobe statt pauschaler Entwurmung, Zecken, Flöhe und Giardien.

Flöhe, Zecken und Würmer gehören zum Alltag von Hund und Katze – besonders, sobald die Tiere draußen unterwegs sind. Wer sie konsequent in Schach halten will, braucht ein Konzept: nicht möglichst viele Mittel, sondern die richtigen zum richtigen Zeitpunkt. Die Europäische Expertenorganisation ESCCAP hat dazu verbindliche Leitlinien entwickelt, die auch in Deutschland als Maßstab gelten. Dieser Ratgeber zeigt, wie moderne Parasitenprophylaxe aussieht, warum Kotproben die pauschale Entwurmung ersetzen können und welche Wirkstoffe sich für welches Tier eignen. Für die Behandlung bei akutem Befall finden Sie vertiefte Informationen im Ratgeber Parasiten bei Hund und Katze.

Risikoadaptiert statt pauschal

Die ESCCAP Deutschland e. V. (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) gibt seit Jahren die fachliche Richtschnur vor. Kern ist ein risikoadaptiertes Vorgehen: nicht jedes Tier wird gleich behandelt, sondern nach Haltung, Futterquellen, Auslandskontakt, Jagdverhalten und den Menschen im Haushalt. Eine reine Wohnungskatze ohne Kontakt zu Schnecken oder Mäusen braucht weniger Prophylaxe als ein Jagdhund, der rohes Fleisch und Innereien bekommt und regelmäßig im Wald läuft.

Für Halter:innen bedeutet das: Ein Gespräch mit der tierärztlichen Praxis vor dem Einsatz irgendeines Präparats ist sinnvoller als der Griff zum Spot-on aus dem Drogeriemarkt.

Flöhe: 95 Prozent sitzen in der Umgebung

Die entscheidende Zahl beim Floh: nur etwa fünf Prozent der Population leben zu einem bestimmten Zeitpunkt auf dem Tier – 95 Prozent sind Eier, Larven oder Puppen in Teppich, Ritzen, Polstern und Schlafplätzen. Wer ausschließlich das Tier behandelt, wird den Kreislauf nicht brechen.

Zur Prophylaxe stehen mehrere Wirkstoffklassen zur Verfügung: Fipronil und Imidacloprid als klassische Spot-ons, die neueren Isoxazoline Fluralaner, Afoxolaner, Sarolaner und Lotilaner als Tabletten oder Spot-ons mit einer Wirkdauer zwischen vier Wochen und zwölf Wochen, sowie das Seresto-Halsband mit Imidacloprid und Flumethrin (Wirkdauer bis zu acht Monate). In einigen Regionen Deutschlands zeigen Flohpopulationen bereits eine reduzierte Empfindlichkeit gegenüber Fipronil – im Zweifel in Absprache mit der tierärztlichen Praxis die Wirkstoffklasse wechseln.

Bei bereits eingeschlepptem Befall kommt die Umgebungssanierung dazu: täglich staubsaugen (der Beutel wird anschließend entsorgt), Textilien und Hundedecken bei mindestens 60 Grad waschen, bei hartnäckigem Befall ein Umgebungsspray mit zusätzlichem Insect Growth Regulator. Die komplette Sanierung dauert acht bis zwölf Wochen – so lange, wie die Puppen in ihrem widerstandsfähigen Kokon überleben können.

Zecken: drei Arten, drei Risikoprofile

In Deutschland relevant sind vor allem drei Zeckenarten. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) überträgt Borreliose, Anaplasmose und – für Menschen bedeutsam – FSME. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist Überträgerin der Babesiose und breitet sich in Mitteleuropa weiter aus. Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, reist mit Urlaubs­hunden ein und kann Ehrlichiose übertragen.

Zur Prophylaxe eignen sich beim Hund vor allem Isoxazoline (systemisch, sehr wirksam) sowie die Pyrethroide Permethrin und Deltamethrin als Repellentien. Wichtige Warnung: Permethrin und andere Pyrethroide sind für Katzen lebensgefährlich. Katzen verstoffwechseln diese Substanzen nicht – ein einziger Spot-on aus der Hunde-Packung oder Kontakt zu einem frisch behandelten Hund kann tödlich enden. Für Katzen gibt es eigens zugelassene Präparate (zum Beispiel Fipronil, Selamectin oder das Seresto-Halsband in der Katzenformulierung).

Eine entdeckte Zecke wird hautnah, ohne Drehbewegungen, mit einer Zeckenzange oder -karte gleichmäßig und gerade herausgezogen. Hausmittel wie Öl, Klebstoff oder Alkohol sind obsolet – sie reizen die Zecke und erhöhen das Übertragungsrisiko.

Würmer: Kotprobe statt Kalender

Wichtige Würmer bei Hund und Katze sind Spulwürmer (Toxocara canis und T. cati – beide übertragbar auf Menschen), Hakenwürmer, Bandwürmer (Dipylidium caninum über Flöhe, Echinococcus multilocularis und E. granulosus) und der Französische Herzwurm (Angiostrongylus vasorum), der in Deutschland zunehmend auftritt und Schnecken als Zwischenwirt hat.

ESCCAP empfiehlt nicht mehr pauschal „einmal pro Quartal entwurmen". Stattdessen steht die Kotprobe als gleichwertige Alternative zur Verfügung: Eine Sammelprobe über drei Tage wird im Labor auf Wurmeier untersucht. Findet sich kein Befund, wird auch nicht entwurmt – das reduziert unnötige Wirkstoffgaben und Resistenzdruck. Bei Risikogruppen (Jagdhunde, Hunde mit Rohfleischfütterung, Haushalte mit Kleinkindern oder immunsupprimierten Personen, Tiere aus Endemiegebieten) empfiehlt ESCCAP dagegen eine monatliche Behandlung. Bei Verdacht auf den Kleinen Fuchsbandwurm ist die Kotprobe unzuverlässig – dann kommt direkt Praziquantel zum Einsatz.

Freigängerkatzen werden nach ESCCAP mindestens viermal jährlich entwurmt oder regelmäßig per Kotprobe kontrolliert. Reine Wohnungskatzen gelten landläufig als wurmfrei – Daten der TiHo Hannover zeigen allerdings, dass rund 20 Prozent der Wohnungskatzen mit Toxocara infiziert sind, weil die Eier über Schuhe und Taschen in die Wohnung gelangen. Eine jährliche Kotuntersuchung ist auch hier sinnvoll.

Giardien: Hygiene statt Prophylaxe-Pille

Gegen Giardien gibt es keine klassische Vorbeugung in Tablettenform. Entscheidend ist die Hygiene: Trinkwasser täglich wechseln, Wassernäpfe und Futternäpfe regelmäßig mit mindestens 65 Grad heißem Wasser reinigen, Kot von Hunden im Garten und auf der Wiese sofort aufsammeln, Liegeplätze bei Befall mit einem Dampfreiniger behandeln. Giardien sind eine Zoonose – vor allem Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten vor direktem Kontakt mit frischem Kot geschützt werden.

Zoonosen: Was das Ganze mit Menschen zu tun hat

Ein Teil der klassischen Haustierparasiten ist auch für uns Menschen relevant. Toxocara-Eier können – in sehr seltenen Fällen – bei Kleinkindern zu einer viszeralen Larva migrans mit Augen­beteiligung führen. Der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) gehört zu den gefährlichsten Zoonosen Mitteleuropas. Deshalb:

  • Nach jedem Tierkontakt gründlich Hände waschen.
  • Sandkästen für Kinder abdecken, wenn sie nicht benutzt werden.
  • Hundekot konsequent einsammeln, auch im eigenen Garten.
  • Rohes Fleisch und Innereien sauber verarbeiten, keine Tischreste für den Hund vom rohen Essensteller.

Kleintiere: Vorsicht mit den falschen Wirkstoffen

Für Kaninchen und Meerschweinchen gelten eigene Regeln. Fipronil ist für Kaninchen lebensgefährlich – die Substanz wirkt bei ihnen neurotoxisch. Auch Präparate mit Permethrin oder anderen Pyrethroiden sind tabu. Mittel der Wahl bei Milbenbefall sind Ivermectin oder Selamectin, verschrieben durch eine Praxis mit Heimtier-Schwerpunkt. Präventiv zählt vor allem die Hygiene: saubere Einstreu, regelmäßig gereinigte Gehege, Quarantäne für neue Tiere. Mehr dazu in den Ratgebern zu Kaninchenhaltung und Meerschweinchenhaltung.

Resistenzen ernst nehmen

Je häufiger und pauschaler Wirkstoffe eingesetzt werden, desto eher entwickeln Parasiten Unempfindlichkeit dagegen. Darüber hinaus gelangen Pyrethroide und andere Wirkstoffe über die behandelten Tiere in Flüsse und Böden, wo sie Wasserlebewesen schaden. Beides sind Gründe für eine überlegte, nicht pauschale Anwendung. ESCCAP empfiehlt ausdrücklich, Wirkstoffklassen bei Therapieversagen in Abstimmung mit der Tierarztpraxis zu rotieren statt einfach die Dosis zu erhöhen.

Im Tierheim Hannover

Alle Hunde und Katzen, die wir vermitteln, werden vor der Abgabe tierärztlich auf Parasiten untersucht und, wo nötig, behandelt. Sie erhalten einen Überblick über die durchgeführten Maßnahmen und eine Empfehlung, wie Sie die Prophylaxe zu Hause weiterführen. Für Hunde aus Auslands­tierschutz gelten besondere Empfehlungen – mehr dazu in den Ratgebern Auslandshunde: Adoption und Eingewöhnung und Mittelmeerkrankheiten beim Hund.

Fachquellen

  • ESCCAP Deutschland e. V.: Empfehlungen und Leitlinien zur Bekämpfung von Endo- und Ektoparasiten. esccap.de
  • ESCCAP Europa: Guideline 01 (Worm Control) und Guideline 03 (Ectoparasite Control). esccap.org
  • Bundestierärztekammer (BTK): Positionspapier zu Parasitenbekämpfung und Ein Gesundheit.
  • Institut für Parasitologie, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Prof. Dr. Christina Strube).
  • Uni Zürich – CliniPharm CliniTox: Wirkstoff-Monografien Veterinärmedizin.
  • Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber zu Echinokokkose und Toxocariasis. rki.de
  • Verordnung (EU) 576/2013 zur Verbringung von Heimtieren (EU-Heimtierausweis und Bandwurmbehandlung).
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

Hinter den Beiträgen auf tierheim-hannover.de steht die Redaktion des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V., gegründet 1844. Unsere Themen entstehen aus dem Alltag im Tierheim — aus der Vermittlung, der Pflege und den Fragen, die uns Adoptant:innen Tag für Tag stellen. Jeder Ratgeber wird tierärztlich gegengelesen, bevor er online geht. Wer lieber zuschaut als liest, findet die Videopendants zu vielen Themen auf unserem YouTube-Kanal TierheimTV.

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