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Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Vermittlungen finden nur nach vorheriger Terminabsprache statt.

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Auslandshunde: Adoption und Eingewöhnung

Ratgeber

Auslandshunde verantwortungsvoll adoptieren: Recht, seriöse Vermittlung, Gesundheit und die ersten Wochen zuhause.

Ein Hund auf Kettenhaltung, ein dreibeiniger Straßenhund, eine Hündin aus einer Tötungsstation: Die Bilder aus Auffangstationen im Mittelmeerraum berühren viele Menschen. Immer mehr Hunde aus dem europäischen Ausland finden ihren Weg nach Deutschland – und nicht jede Adoption geht gut. Dieser Ratgeber zeigt, was rechtlich zu beachten ist, wie Sie einen seriösen Vermittler erkennen, was in den ersten Wochen zu Hause wirklich zählt und welche medizinischen Besonderheiten Auslandshunde oft mitbringen.

Was ein „Auslandshund" ist

Als Auslandshunde werden Hunde bezeichnet, die über Tierschutzorganisationen aus dem europäischen Ausland nach Deutschland vermittelt werden – überwiegend aus Rumänien, Spanien, Griechenland, Bulgarien, Italien und Ungarn. Die Herkunft ist sehr verschieden: öffentliche Tötungsstationen („Public Shelter"), private Auffangstationen, aus dem Tierschutz gerettete Jagd- oder Herdenhunde, Straßen- oder Kettentiere. Gemeinsam ist vielen eine harte Vorgeschichte und ein Leben ohne den Sozialisationsschatz, den ein behütet aufgewachsener Welpe mitbringt.

Die rechtlichen Voraussetzungen

Wer einen Hund aus dem Ausland nach Deutschland bringen lässt, muss sich an die europäische Tierseuchengesetzgebung halten. Sie basiert auf den Verordnungen EU 576 und 577/2013 sowie der deutschen Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung. Wichtige Eckpunkte:

  • EU-Heimtierausweis mit lückenloser Dokumentation
  • Mikrochip-Kennzeichnung vor der Tollwutimpfung
  • Gültige Tollwutimpfung frühestens ab der 12. Lebenswoche; anschließend 21 Tage Wartezeit zum Aufbau des Impfschutzes – daraus ergibt sich ein Mindestalter von 15 Wochen für Welpen
  • Bei Herkunft aus nicht gelisteten Drittländern zusätzlich ein Tollwut-Antikörpertiter (FAVN) und eine dreimonatige Wartefrist
  • TRACES-Meldung durch die Vermittlungsorganisation, da die Vergabe tierschutzrechtlich als „Handel" gilt
  • Die Organisation in Deutschland braucht eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz

Seriöse Vermittler erkennen

Die Qualität der Organisation entscheidet über Erfolg oder Enttäuschung einer Adoption. Positive Merkmale:

  • schriftlicher Schutzvertrag mit Rückgabeklausel
  • Vor- und Nachkontrolle, auch in Form eines Videogesprächs
  • transparente Herkunft: Fotos vor Ort, Name des Shelters, Geschichte des Tieres
  • tierärztliches Gesundheitszeugnis vor Abreise, inklusive Screening auf Mittelmeer-Krankheiten
  • persönlicher oder telefonischer Kontakt vor der Vermittlung
  • nachweisbare § 11-Erlaubnis

Warnsignale:

  • „Hund kommt auf Autobahnparkplatz" ohne vorherigen Kontakt – typisches Muster unseriöser Vermittlung
  • Druckaufbau („wird sonst getötet")
  • sehr niedrige oder fehlende Schutzgebühr
  • keine Nachkontrolle, keine Rückgabeoption
  • lückenhafte TRACES-Dokumentation
  • keine Tests auf Mittelmeer-Krankheiten

Der erste Tierarztbesuch

Binnen einer Woche nach Ankunft sollte ein vollständiger Gesundheitscheck erfolgen:

  • großes Blutbild und Organprofil
  • Mittelmeer-Screening auf Leishmaniose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Babesiose und Dirofilariose (siehe eigener Ratgeber)
  • Kotuntersuchung auf Würmer, Kokzidien und Giardien
  • Kontrolle von Zähnen, Ohren, Haut und Allgemeinzustand

Die europäische Fachorganisation ESCCAP weist ausdrücklich darauf hin: Ein unauffälliger Test direkt nach Einreise schließt eine Infektion nicht aus. Viele Erreger haben Inkubationszeiten von mehreren Monaten. Eine Nachtestung nach drei bis sechs Monaten gehört zu jeder seriösen Betreuung.

Die 3-3-3-Regel zur Eingewöhnung

Als pragmatische Orientierung hat sich eine Faustregel eingebürgert:

  • Drei Tage: Der Hund ist überfordert und schläft viel oder wirkt hypervigilant. Fressen und Lösen laufen oft unregelmäßig.
  • Drei Wochen: Er erkundet die Umgebung, zeigt erste Routinen und erste Persönlichkeit.
  • Drei Monate: Der Hund fühlt sich wirklich zu Hause. Die echte Persönlichkeit wird sichtbar.

Bei stark traumatisierten Tieren dauert dieser Prozess deutlich länger – oft sechs bis zwölf Monate oder mehr. Geduld ist keine Tugend, sondern die wichtigste Voraussetzung.

Die ersten Tage zu Hause

  • Ruhe: keine Besuche, keine Familienfeier, keine Hundeparks
  • eine klare Bezugsperson als Anker
  • Doppelte Leinensicherung: Sicherheitsgeschirr mit Bauchgurt plus Halsband, beide mit je einer Leine an einer sicheren Person – besonders beim Aussteigen aus Auto und Box
  • Kein Freilauf in den ersten Wochen bis Monaten, auch nicht in einem nur einfach eingezäunten Garten
  • ein fester Rückzugsort, der dem Hund gehört und nicht betreten wird
  • zunächst das gewohnte Futter weiterführen, Umstellung erst nach ein bis zwei Wochen
  • Geräusche, Treppen, Aufzug, Türen, Staubsauger in kleinen Schritten und mit positiver Verstärkung heranführen

Traumatische Hintergründe verstehen

Viele Auslandshunde haben keine Wohnung kennengelernt. Unbekannt sind oft Treppen, Glastüren, Parkett, Straßenlärm, Haushaltsgeräte oder auch einfach Türen, die sich schließen. Die ethologische Forschung zeigt: Die prägende Sozialisationsphase liegt in den ersten Lebenswochen. Fehlt diese Zeit, lässt sich vieles später nachholen – aber nicht alles.

Typische Trigger:

  • Männer, oft mit großer Statur oder Uniform (schlechte Erfahrungen im Heimatland)
  • Kinder, die sich schnell bewegen oder kreischen
  • Besenstiele, Stöcke, Mülltonnen, Motorroller
  • schrille Stimmen, klappernde Türen, Schüsse oder Feuerwerk

Die Stubenreinheit muss oft komplett neu aufgebaut werden – viele dieser Hunde kennen das Konzept „drinnen" und „draußen" nicht.

Umgang mit ängstlichen und unsicheren Hunden

Moderne Verhaltensmedizin und anerkannte Hundetrainer:innenverbände lehnen Dominanzmethoden, Alphawurf, harte Leinenrucke und Schockhalsbänder einhellig ab. Die alten Theorien rund um „Rudelführer" und Wolfsrudel-Analogien gelten als wissenschaftlich überholt. Stattdessen:

  • positive Verstärkung, Belohnung erwünschten Verhaltens
  • Management vor Training: Trigger vermeiden, Distanz wahren, ruhige Umgebungen wählen
  • professionelle Begleitung durch zertifizierte Trainer:innen mit Angsthund-Erfahrung
  • bei schweren Ängsten Zusammenarbeit mit einer tierärztlichen Verhaltensmedizinerin oder einem entsprechenden Tierarzt; in Einzelfällen sinnvolle medikamentöse Unterstützung (zum Beispiel Fluoxetin oder Clomipramin) – immer begleitend zu Training, nie als Ersatz

Ein Angsthund darf niemals in Konfrontation gezwungen werden („Flooding") – das verstärkt die Angst und kann Angstaggression auslösen.

Gesundheitsthemen, die häufig auftauchen

  • Mittelmeer-Krankheiten: Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Dirofilariose und Hepatozoonose (eigener Ratgeber)
  • Hautprobleme: Demodikose, Räude, Pilzbefall
  • Parasitenbefall, besonders Giardien
  • Zahnprobleme durch Mangelernährung oder Nagen an Unpassendem
  • orthopädische Folgen von Unfällen, Schussverletzungen oder langer Kettenhaltung
  • Narben, kupierte Ruten, Ohrverstümmelungen – Zeichen einer harten Vergangenheit

Vergesellschaftung mit Erst-Tieren

  • Kennenlernen auf neutralem Terrain bei ausreichender Distanz
  • zunächst räumliche Trennung im Haushalt, gestaffelte Annäherung
  • Ressourcen (Futter, Wasser, Ruheplätze, Spielzeug) getrennt halten
  • für beide Tiere Rückzugsmöglichkeiten vorsehen
  • bei Katzen besonders vorsichtig: Wochen bis Monate einplanen, mit Gittertür oder Babygitter arbeiten

Rasse und Größe – ein ehrliches Wort

Viele Auslandshunde sind Mischlinge unklarer Herkunft. Bei Welpen ist die Endgröße schwer vorherzusagen. Besonders unterschätzt werden Mischlinge mit Hirten- oder Herdenschutzhund-Anteilen – aus einem niedlichen Welpen kann ein 50- oder 60-Kilogramm-Hund mit ausgeprägtem Wach- und Schutzverhalten werden. Eine seriöse Organisation spricht solche Möglichkeiten aus, auch wenn sie unbequem sind.

Kosten und Verantwortung

  • Schutzgebühr: meist 350 bis 550 Euro
  • Erstausstattung: 200 bis 400 Euro für Geschirr, Leinen, Transportbox, Körbchen
  • Ankunftscheck beim Tierarzt: 200 bis 400 Euro
  • laufende Kosten für Futter, Steuer, Haftpflicht, Routineimpfungen und Parasitenprophylaxe: 1.500 bis 2.500 Euro pro Jahr
  • Rücklagen für chronische Erkrankungen: Leishmaniose-Therapie verursacht lebenslang vierstellige Kosten im mittleren Bereich, Operationen können schnell 2.000 bis 5.000 Euro kosten
  • empfohlen: Tier-OP- oder Krankenversicherung beziehungsweise klare Rücklagen

Ein ehrlicher ethischer Hinweis

Auslandsadoption rettet Leben und ermöglicht Menschen eine sinnstiftende Beziehung zu einem besonderen Tier. Gleichzeitig sind deutsche Tierheime voll. Auch dort warten Hunde mit komplizierter Vorgeschichte auf eine Chance. Wer sich bewusst für einen Auslandshund entscheidet, sollte das unter folgenden Bedingungen tun:

  • nur über Organisationen mit § 11-Erlaubnis, TRACES-Meldung und Vor-/Nachkontrolle
  • mit realistischen Erwartungen an Eingewöhnung, Training und Gesundheit
  • mit ausreichender Zeit, Ruhe und finanziellen Reserven
  • möglichst ergänzend zu Projekten, die Kastration und Tierschutz vor Ort unterstützen – denn nur so wird das Streunerproblem nicht durch zusätzliche Nachfrage angeheizt

Auslandshunde im Tierheim-Alltag

Auch wir in Hannover nehmen immer wieder Hunde aus Partnerorganisationen im Ausland auf. Sie durchlaufen bei uns eine vollständige Quarantäne, werden auf Mittelmeer-Krankheiten getestet und gegebenenfalls behandelt, bevor sie in die Vermittlung gehen. Für Interessent:innen bieten wir eine ausführliche Beratung zu Eingewöhnung, Training und Gesundheitsrisiken an. Wer Zeit, Geduld und Struktur mitbringt, bekommt mit einem Auslandshund oft einen besonders innigen, dankbaren Begleiter – und wir begleiten den Weg gerne über die Vermittlung hinaus.

Fachquellen

  • Deutscher Tierschutzbund. Positionspapier: Einen Hund oder eine Katze aus dem Ausland adoptieren. Bonn.
  • Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Regelungen für Reisen und Einreise mit Hunden, Katzen und Frettchen.
  • ESCCAP Deutschland e. V. Hunde aus dem Ausland – Welche Tests sind sinnvoll?
  • Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), StIKo Vet. Impfempfehlungen Kleintier – Tollwut bei Hunden.
  • Gansloßer U, Krivy P. Verhaltensbiologie Hund – Praxisbuch. Kosmos Verlag.
  • IBH – Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen. Paradigmenwechsel im Hundetraining.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

Redaktion Tierheim Hannover (st)

Hinter den Beiträgen auf tierheim-hannover.de steht die Redaktion des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend e. V., gegründet 1844. Unsere Themen entstehen aus dem Alltag im Tierheim — aus der Vermittlung, der Pflege und den Fragen, die uns Adoptant:innen Tag für Tag stellen. Jeder Ratgeber wird tierärztlich gegengelesen, bevor er online geht. Wer lieber zuschaut als liest, findet die Videopendants zu vielen Themen auf unserem YouTube-Kanal TierheimTV.

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