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Unsere Öffnungszeiten

Das Tierheim ist an jedem zweiten und jedem letzten Samstag im Monat zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Besucher geöffnet.

Die nächsten Besuchstage sind:

  • Samstag, 30. Mai 2026, 12:00–15:00 Uhr
  • Samstag, 13. Juni 2026, 12:00–15:00 Uhr

Tiervermittlungen finden an diesen Tagen allerdings nicht statt! Die TierpflegerInnen stehen aber für Beratungsgespräche zur Verfügung.

Vermittlungen finden nur nach vorheriger Terminabsprache statt.

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Während der Bürozeiten: 0511 97 33 98 - 0.
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Legenot bei Hühnern und Ziervögeln

Ratgeber

Legenot als tierärztlichen Notfall erkennen, richtig handeln und mit Ernährung, Licht und Haltung nachhaltig vorbeugen.

Eine Henne, die sich aufgeplustert und mit gepressten Bewegungen in der Ecke des Stalls setzt, oder eine Wellensittich-Dame, die plötzlich schlapp und unnatürlich dick am Käfigboden sitzt: Hinter beiden Bildern kann eine Legenot stecken. Sie ist bei Hennen und Ziervögeln gleichermaßen ein tierärztlicher Notfall, aus dem sich innerhalb weniger Stunden ein lebensbedrohliches Geschehen entwickeln kann. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie die Warnzeichen erkennen, was sofort getan werden muss und wie sich chronische Legenöte dauerhaft vermeiden lassen.

Was Legenot bedeutet

Medizinisch heißt sie Dystocia oder egg binding: die Unfähigkeit der Henne, ein gebildetes Ei innerhalb der physiologischen Zeit abzulegen. Bei den meisten Arten sollte ein Ei den Legeapparat innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Eintritt in den Eileiter verlassen. Gelingt das nicht, entstehen Druck auf Luftsäcke und Nerven, Kreislaufprobleme und im schlimmsten Fall der Tod.

Betroffen sind besonders häufig:

  • Haushühner, vor allem Junghennen, Legehybriden und ältere Tiere
  • Wellensittiche – die klassische „Dauerlegerin" ist ein Tierheim- und Praxis-Dauerthema
  • Nymphensittiche, Agaporniden, Großpapageien
  • Kanarienvögel und andere Finken

Warum eine Legenot entsteht

Ernährung

Der häufigste Auslöser bei Ziervögeln ist eine Unterversorgung mit Calcium und Vitamin D3. Bei einseitiger Körner- oder Saatenfütterung, ohne Sepiaschale oder Mineralkalk, ohne Zugang zu UV-Licht oder zu natürlichen Kalziumquellen, entstehen weichschalige oder schalenlose Eier; die Muskulatur des Eileiters arbeitet dann mit deutlich schlechterer Wehenkraft. Adipositas und Bewegungsmangel kommen oft dazu.

Das Ei selbst

  • übergroße oder doppeldottrige Eier
  • weichschalige oder schalenlose Eier („Windeier")
  • deformierte Eier

Anatomische und entzündliche Ursachen

  • Entzündungen und Verengungen des Eileiters (Salpingitis)
  • Tumoren, Adhäsionen
  • Kloakenerkrankungen

Haltung und Lebensumstände

  • Dauerlicht oder zu kurze Dunkelphasen
  • Stress, Zugluft oder Kälte
  • fehlende geeignete Nistmöglichkeit oder – im Gegenteil – übermäßige Nistreize bei einer Einzelhenne (Spiegel, Höhlenangebot, Partnerspielzeug, hochkalorisches Futter)
  • Erstlegerinnen, überalterte Hennen
  • chronisches Dauerlegen – bei Wellensittich-Hennen treten in ungünstigen Haltungen ausgeprägte Legephasen auf, die weit über arttypische Gelege hinausgehen

Die Warnzeichen

Erkannt wird eine Legenot meist an der Kombination aus Apathie und Pressaktivität:

  • aufgeplustertes Gefieder, Rückzug, Sitzen am Boden
  • deutliche Pressbewegungen, Schwanzwippen, breitbeinige Stellung
  • Kotabsatz mit Eischalenfragmenten oder ganz ausbleibender Kotabsatz
  • tastbar vergrößerter Unterbauch
  • sichtbares Ei am Kloakenausgang – im fortgeschrittenen Stadium mit Kloakenvorfall
  • Atemnot durch Druck auf die Luftsäcke
  • plötzlich auftretende Lähmungen der Beine durch Druck auf den Ischiasnerv
  • Schock, Kreislaufkollaps, in schweren Fällen rascher Tod

Bei Kleinvögeln entwickelt sich die Situation häufig innerhalb weniger Stunden. Jeder Verdacht gehört sofort in die Tierarztpraxis.

Wie die Diagnose gestellt wird

  • Klinische Untersuchung mit vorsichtiger Palpation des Unterbauchs – wegen Perforationsgefahr des Eies nur in geübten Händen
  • Röntgen in zwei Ebenen; verkalkte Eier sind direkt sichtbar, weichschalige Eier erscheinen indirekt als Weichteilschatten
  • Ultraschall bei weichschaligen Eiern oder unklaren Befunden
  • Blutuntersuchung mit Calcium, Eiweiß, Harnsäure und gegebenenfalls weißem Blutbild zum Ausschluss einer Eileiterentzündung oder Eidotter-Peritonitis

Behandlung

Erstversorgung

Der erste Schritt ist ein warmes, ruhiges Umfeld: Ein Inkubator oder eine Wärmebox auf 28 bis 32 Grad, mit erhöhter Luftfeuchte. Viele Tiere beruhigen sich in dieser Umgebung und legen das Ei spontan ab. Parallel werden Flüssigkeit und Wärme gesichert, Stressquellen reduziert.

Medikamentöse Therapie

  • Calcium parenteral – eine Calciumgluconat-Injektion in die Muskulatur oder langsam in die Vene ist bei Hypokalzämie die erste Maßnahme und verbessert die Muskelarbeit des Eileiters
  • Oxytocin zur Unterstützung der Wehen – nur nach Ausschluss eines mechanischen Hindernisses, sonst droht eine Ruptur
  • Prostaglandin F2α als Alternative, auch als topisches Gel auf die uterovaginale Öffnung
  • Schmerzlinderung, zum Beispiel mit Meloxicam
  • bei Verdacht auf Salpingitis eine gezielte Antibiose nach tierärztlicher Entscheidung

Dosierungen und Medikamentenwahl sind Aufgabe der Tierarztpraxis. Selbstbehandlung mit Oxytocin oder heißen Bädern ist gefährlich und kann das Leben der Henne schneller beenden, als die Legenot es selbst getan hätte.

Manuelle und chirurgische Maßnahmen

  • sanfte Manipulation nach Gleitmittelgabe am Kloakenausgang – ausschließlich durch erfahrene Hand
  • Ovozentese: Ein festsitzendes Ei wird mit einer feinen Kanüle entleert und die Schale kontrolliert kollabiert, damit sie anschließend abgehen kann
  • Salpingohysterektomie: die operative Entfernung von Eileiter und Gebärmutter als definitive Therapie bei wiederkehrender Legenot, chronischer Eileitererkrankung oder Tumor

Der besondere Fall: chronisches Dauerlegen

Bei Wellensittich-Hennen – seltener bei Nymphensittichen und Kanarien – lässt sich die Eiablage manchmal nicht mehr stoppen. Jedes neue Ei schwächt die Henne weiter. Bewährte Maßnahmen:

  • Tageslicht auf acht bis zehn Stunden reduzieren; ausreichende Dunkelphasen sind der wichtigste hormonelle Hebel
  • Nistreize entfernen: keine Nisthöhle, kein Nestmaterial, keine Spiegel, keine „Partner-Spielzeuge"
  • Käfigumzug in einen weniger anregenden Raum; Fütterung von hochkalorisch auf Basis umstellen
  • GnRH-Agonist-Implantate (Deslorelin, z. B. Suprelorin): ein in der Vogelmedizin off-label eingesetztes Hormonimplantat, das die Gonadenaktivität herunterreguliert. Die Wirkung variiert individuell, die Erfahrung in der Avianmedizin ist aber ausgeprägt.
  • bei Versagen aller konservativen Maßnahmen: chirurgische Salpingohysterektomie als definitive Lösung

Vorbeugen

  • ausreichende Calcium- und Vitamin-D3-Versorgung: Sepiaschalen, Mineralkalk, Pickstein; bei Innenhaltung natürliche Sonne oder spezielle UV-B-Lampen
  • ausgewogene, pelletbasierte Ernährung statt reiner Körnerkost
  • Dunkelphase von mindestens zehn bis zwölf Stunden pro Nacht; keine Dauerbeleuchtung im Wohnzimmer
  • keine übermäßigen Nistreize bei Einzelhennen
  • bei Legehennen artgerechte Legenester, stressarme Umgebung und bedarfsgerechte Fütterung
  • frühzeitiger Tierarztbesuch bei rezidivierendem Legen, Apathie, Pressaktivität oder deformierten Eiern

Legenot im Tierheim-Alltag

Wir nehmen immer wieder Wellensittich-Hennen auf, die durch Dauerlegen ausgelaugt sind. Bei uns ändern sich dann als Erstes Licht, Umgebung und Fütterung; wo nötig, arbeiten wir mit spezialisierten Vogelpraxen zusammen, um ein Deslorelin-Implantat zu setzen oder gegebenenfalls eine Salpingohysterektomie durchführen zu lassen. In der Vermittlung erklären wir künftigen Halter:innen genau, worauf es ankommt: Dunkelphase, Nestreize, Calcium – drei Begriffe, die vielen Dauerlegerinnen das Leben zurückgeben.

Auch bei unseren Hühnern gehört die Legenot zu den Themen, mit denen wir rechnen. Besonders Junghennen brauchen in den ersten Wochen im neuen Zuhause ein ruhiges Umfeld, ausreichend Legenester und hochwertige Fütterung. Wer sich auf eine eigene Hühnergruppe einlässt, sollte mit der nächstgelegenen, geflügelerfahrenen Tierarztpraxis vertraut sein – für alle Fälle, in denen es schnell gehen muss.

Fachquellen

  • Pees M (Hrsg.). Leitsymptome bei Papageien und Sittichen – Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Enke Verlag.
  • Harcourt-Brown N, Chitty J (Hrsg.). BSAVA Manual of Psittacine Birds. British Small Animal Veterinary Association.
  • Roberts V, Chantrey J (Hrsg.). BSAVA Manual of Backyard Poultry Medicine and Surgery. BSAVA, 2018.
  • Merck Veterinary Manual. Reproductive Diseases of Pet Birds; Dystocia and Egg Binding in Poultry. Online-Standardwerk.
  • Carpenter JW, Harms CA (Hrsg.). Exotic Animal Formulary. 6. Auflage, Elsevier, 2022.
Tierheim Hannover | Tierschutzverein

Geprüft / Verfasst von:

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