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title: Impfungen bei Hund und Katze — Tierschutzverein Hannover
url: https://tierheim-hannover.de/ratgeber/impfungen-bei-hund-und-katze/
date: 2026-04-22
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# Impfungen bei Hund und Katze

Kaum ein Thema wirkt auf Halter:innen so unübersichtlich wie Impfungen. Was ist Pflicht, was empfehlenswert, was überflüssig? Die führenden Fachgesellschaften – StIKo Vet, WSAVA, AAHA und AAFP – sind sich in den Grundlinien weitgehend einig. Dieser Ratgeber fasst den aktuellen Stand für Hund und Katze zusammen, erklärt den Unterschied zwischen Kern- und Lifestyle-Impfungen und zeigt, wie Sie mit Ihrer Tierarztpraxis ein sinnvolles, nicht überladenes Impfschema finden.



Warum wir impfen




Individualschutz: Impfungen verhindern schwere, teils tödliche Infektionskrankheiten beim Einzeltier.



Herdenschutz: Eine hohe Durchimpfungsrate – idealerweise über 70 Prozent der Population – reduziert den Erregerkreislauf und schützt auch ungeimpfte oder immungeschwächte Tiere.



Tierseuchenrechtliche Verantwortung: Die Tollwut ist in Deutschland anzeigepflichtig; hohe Impfquoten verhindern ein Wiederaufflammen nach Eintrag aus Endemiegebieten.




Core- und Non-Core-Impfungen



Die internationalen Leitlinien unterscheiden zwei Gruppen:




Core-Impfungen (Kernimpfungen): für jedes Tier empfohlen, unabhängig von Haltungsform oder Lebensstil. Sie schützen vor Erkrankungen mit hoher Morbidität, hoher Sterblichkeit oder Zoonose-Potenzial.



Non-Core-Impfungen: nur dann sinnvoll, wenn ein individuelles Risiko besteht – durch Haltung, Umfeld, Reise oder Rasse.




Hund – die Core-Impfungen



Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie für den Hund:




Staupe (Canine Distemper Virus, CDV)



Hepatitis contagiosa canis (CAV; zugleich kreuzschützend gegen den Zwingerhusten-assoziierten CAV-2)



Parvovirose (CPV)



Tollwut – in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber für alle Reisen innerhalb der EU unverzichtbar



Leptospirose: in Deutschland de facto als Kernimpfung eingestuft, weil die Erkrankung endemisch ist und zoonotisches Potenzial hat




Hund – Non-Core-Impfungen




Zwingerhusten-Komplex (Bordetella bronchiseptica, Canines Parainfluenzavirus) für Hunde mit Kontakt zu anderen Hunden – Hundeschule, Hundepension, Tierheim, Ausstellung



Borreliose: umstritten; StIKo Vet empfiehlt vorrangig eine konsequente Zeckenprophylaxe und nur in Ausnahmefällen die Impfung



Leishmaniose: bei Reisen oder Aufenthalten im Mittelmeerraum zu erwägen




Katze – die Core-Impfungen



AAFP, WSAVA und ABCD sind sich einig:




Felines Panleukopenie-Virus (FPV / Katzenseuche)



Felines Herpesvirus 1 (FHV-1) und Felines Calicivirus (FCV) als „Katzenschnupfen"-Komplex



Tollwut bei Freigang, Reise und in Tierheimen




Katze – Non-Core-Impfungen




FeLV (Felines Leukämievirus): stark empfohlen für Jungkatzen und Freigänger; vor der Impfung ist ein FeLV-Test zwingend



Chlamydia felis: bei gehäuften Bindehautentzündungen in Mehrkatzenhaushalten




Das Impfschema



Welpen und Kitten



Weil maternale Antikörper die Immunantwort auf frühe Impfungen abschwächen können, braucht es eine mehrfache Grundimmunisierung:




Start mit etwa 8 Wochen, dann mit 12 und 16 Wochen



eine zusätzliche Dosis im Alter von rund 6 Monaten – so wird vermieden, dass ein Anteil der Tiere mit 16 Wochen wegen hoher maternaler Antikörper noch keinen ausreichenden Schutz aufbaut



erster Booster nach einem Jahr




Erwachsene Tiere




Core-Impfungen bei Hund und Katze (Staupe/Parvo/CAV bzw. FPV/FHV/FCV): alle drei Jahre



Leptospirose beim Hund: jährlich, weil der Immunschutz kürzer ist



Tollwut: je nach Zulassung des Impfstoffes alle ein bis drei Jahre



bei Freigängerkatzen kann eine häufigere Auffrischung der FHV/FCV-Komponente sinnvoll sein, insbesondere in Hochrisikoumgebungen




Besondere rechtliche Situationen



Reisen innerhalb der EU



Für die Mitnahme von Hunden und Katzen in andere EU-Staaten gilt die Verordnung 576/2013:




EU-Heimtierausweis



Mikrochip – eindeutige Identifikation ist Voraussetzung



gültige Tollwutimpfung; Erstimpfung frühestens mit 12 Wochen, anschließend 21 Tage Wartezeit




Nicht-EU-Länder



Für Reisen in nicht-gelistete Drittländer kommt ein Tollwut-Antikörpertiter (FAVN) hinzu; die Rückkehr nach Deutschland ist dann frühestens drei Monate nach der Blutentnahme möglich.



Was passiert nach einer Impfung?




Lokal: vorübergehende Schwellung, Druckempfindlichkeit oder ein kleiner Knoten an der Injektionsstelle



Systemisch: Fieber, Mattigkeit oder verminderter Appetit für 24 bis 48 Stunden; selten eine allergische Reaktion



bei Katzen eine sehr seltene, aber ernst zu nehmende Sonderform: das feline Injektionsstellen-Sarkom. Die AAFP empfiehlt deshalb distale Injektionsorte und eine langfristige Beobachtung der Impfstelle (siehe Tumoren-Ratgeber).




Titer-Messung als Alternative



Antikörpertiter können in bestimmten Fällen eine Impfung überflüssig machen oder aufschieben:




Beim Hund sind Titer gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose aussagekräftig und werden von der WSAVA als Alternative zur Routineauffrischung anerkannt.



Bei der Katze ist der Titer für das Panleukopenie-Virus zuverlässig; für FHV-1 und FCV sind Antikörpertiter nicht mit einem sicheren Schutz korreliert und daher nicht zu empfehlen.



Die Tollwut bleibt rechtlich von der Impfung abhängig – ein Titer allein ersetzt sie nicht.




Wann nicht geimpft wird



Eine Impfung setzt ein klinisch gesundes Tier voraus. Gute Gründe zu verschieben:




akuter fieberhafter Infekt



laufende Immunsuppression – etwa durch höher dosiertes Kortison, Ciclosporin oder Chemotherapie



schwere chronische Allgemeinerkrankungen



Trächtigkeit – nur inaktivierte Impfstoffe, wenn zwingend indiziert




Welpen aus Auslandstierschutz



Bei Hunden oder Katzen aus Auslandsvermittlungen ist der Impfstatus häufig nicht verlässlich dokumentiert. Die StIKo Vet empfiehlt bei unklarem Status eher einen Neubeginn der Grundimmunisierung oder eine Titerbestimmung. Gleichzeitig sollten Mittelmeer-Erkrankungen wie Leishmaniose und Ehrlichiose mitgeprüft werden – diese lassen sich durch die klassische Impfung nicht abdecken.



Senior-Tiere



Immunseneszenz kann die Impfantwort im Alter abschwächen – deshalb bleibt der Impfschutz wichtig. Eine pauschale Reduktion mit dem Alter wird von WSAVA und AAHA ausdrücklich nicht empfohlen. Das konkrete Schema sollte sich am Gesundheitszustand und gegebenenfalls an Titerkontrollen orientieren, nicht am Lebensalter allein.



Impfungen im Tierheim-Alltag



Bei uns werden alle Tiere im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung entsprechend der StIKo-Leitlinie geimpft. Besonders wichtig ist das bei Katzen aus Mehrkatzen- und Sammelhaltungen sowie bei Fund- und Abgabetieren mit unklarem Impfstatus. Jede vermittelte Katze und jeder Hund kommt mit einem vollständigen Heimtierausweis zu seiner neuen Familie – ergänzt durch eine Empfehlung zum nächsten Auffrischtermin.



Ein wichtiges Wort zum Schluss: Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Das konkrete Impfschema ist individuell – Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt kennt Ihr Tier und die lokale Situation am besten.







Fachquellen




Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut. Leitlinie zur Impfung von Kleintieren. Aktuelle Fassung.



Squires RA, Crawford C, Marcondes M, Whitley N. 2024 guidelines for the vaccination of dogs and cats (WSAVA Vaccination Guidelines Group). Journal of Small Animal Practice, 2024.



Ellis J, Marziani E, Aziz C et al. 2022 AAHA Canine Vaccination Guidelines. Journal of the American Animal Hospital Association, 2022.



Stone AES, Brummet GO, Carozza EM et al. 2020 AAHA/AAFP Feline Vaccination Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery, 2020.



European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD). Guidelines on prevention and management of feline infectious diseases.
