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title: HCM bei Katzen — Tierschutzverein Hannover
url: https://tierheim-hannover.de/ratgeber/hcm-bei-katzen/
date: 2026-04-22
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# HCM bei Katzen

Die Hypertrophe Kardiomyopathie – kurz HCM – ist die mit Abstand häufigste Herzerkrankung bei Katzen. Sie bleibt oft jahrelang unbemerkt und offenbart sich dann plötzlich in dramatischer Form: mit Atemnot, einer akuten Lähmung der Hinterhand oder, im schlimmsten Fall, mit einem unerwarteten Herztod. Wer die Erkrankung kennt, kann sie rechtzeitig erkennen, gezielt managen und der Katze viele stabile Jahre schenken. Dieser Ratgeber erklärt, was HCM bedeutet, wie sie diagnostiziert wird und welche Therapien heute sinnvoll sind.



Was HCM ist



Bei der HCM verdickt sich die Muskelwand des linken Herzens ohne erkennbare äußere Ursache wie Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion. Der Herzmuskel wird steifer, die linke Herzkammer kann sich in der Füllungsphase nicht mehr richtig entspannen. Die Folge ist eine diastolische Funktionsstörung mit Rückstau in den linken Vorhof, der dadurch erweitert wird. Aus dieser Erweiterung entstehen die beiden großen Gefahren der HCM: eine Herzinsuffizienz mit Lungenödem oder eine arterielle Thromboembolie.



Wie häufig HCM bei Katzen vorkommt




In einer britischen Studie an 780 scheinbar gesunden Katzen aus Tierheimen lag die Prävalenz bei rund 14,7 Prozent.
Eine weitere Untersuchung an gesund wirkenden Katzen bestätigte den Bereich von etwa 15 Prozent.
Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu.
Bei einigen Rassen ist HCM zudem genetisch mitbestimmt.




Genetik und Rassedisposition



In den vergangenen Jahren wurden mehrere konkrete Genmutationen beschrieben, die eine erbliche Form der HCM auslösen können:




Maine Coon: MYBPC3-A31P-Mutation. Homozygote Katzen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, heterozygote ebenfalls, wenn auch geringer.
Ragdoll: MYBPC3-R820W-Mutation.
Sphynx: ALMS1-Variante, die den Großteil der HCM-Fälle der Rasse erklärt.
Familiäre Häufungen sind auch bei Britisch Kurzhaar, Persern, Devon Rex, Norwegischen Waldkatzen, Bengal-, Chartreux- und Sibirischen Katzen dokumentiert, auch wenn die zugrunde liegende Mutation noch unbekannt ist.




Ein Gentest kann bei Maine Coon, Ragdoll und Sphynx eine erste Risikoeinschätzung liefern, ersetzt aber keine Echokardiographie. Denn nicht jede Katze mit Mutation entwickelt HCM – und umgekehrt erkranken auch Tiere ohne bekannte Mutation.



Typische Symptome – oft erst spät sichtbar



HCM verläuft in vielen Fällen jahrelang ohne erkennbare Beschwerden. Manchmal hört die Tierarztpraxis bei einer Routineuntersuchung ein Herzgeräusch oder einen Galopprhythmus; bei vielen Katzen wird dagegen beim Abhören gar nichts Auffälliges entdeckt. Kommen Symptome, treten sie häufig dramatisch auf:




plötzliche schnelle oder erschwerte Atmung, offene Maulatmung als Notsignal
kurze Ohnmachtsanfälle (Synkopen), vor allem bei Anstrengung oder Aufregung
eine akute, sehr schmerzhafte Lähmung der Hinterbeine mit kalten Pfoten und fehlendem Puls – eine arterielle Thromboembolie, klassischerweise als „Sattelthrombus" bezeichnet
im schlimmsten Fall plötzlicher Herztod ohne Vorwarnung




Wie die Diagnose gestellt wird



Goldstandard ist die Echokardiographie, also die Herzultraschalluntersuchung durch eine Kardiologin oder einen Kardiologen. Gemessen wird unter anderem die Dicke der linken Herzwand: Werte ab 6 Millimetern am Ende der Diastole gelten als Hinweis auf HCM. Zusätzlich werden Vorhofgröße, Herzklappenfunktion und mögliche Obstruktionen beurteilt.



Ergänzende Untersuchungen:




NT-proBNP-Bluttest (Cardiopet): ein nützlicher Screening-Marker, der bei Verdachtsfällen den Weg zur Echokardiographie ebnen kann. Bei akuter Dyspnoe hilft er, ein Herz- von einem Atemwegsproblem zu unterscheiden.
Thoraxröntgen bei Symptomen, um Lungenödem oder Pleuraerguss sichtbar zu machen.
EKG bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen.
Blutdruck- und Schilddrüsen-Check, um andere Ursachen einer Herzwandverdickung auszuschließen.




Das ACVIM-Staging



Die internationale Konsensusleitlinie des American College of Veterinary Internal Medicine unterscheidet fünf Stadien:




Stadium A: Rasseprädisposition oder auffällige Genetik, aber keine HCM-Veränderungen im Ultraschall.
Stadium B1: HCM im Ultraschall, aber niedriges Risiko für Komplikationen; keine nennenswerte Vorhofvergrößerung.
Stadium B2: HCM mit mittel- bis hochgradiger Vergrößerung des linken Vorhofs; hier steigt das Risiko deutlich an.
Stadium C: aktuell oder zurückliegend klinische Symptome (Herzinsuffizienz, Thromboembolie).
Stadium D: therapierefraktäre Herzinsuffizienz.




Behandlungsmöglichkeiten



Stadium A und B1



In diesen Stadien wird in aller Regel keine spezifische Therapie empfohlen. Kontrollen im Intervall von sechs bis zwölf Monaten sind sinnvoll, um eine Verschlechterung früh zu erkennen. Ein Atenolol-Einsatz kommt nur in Einzelfällen mit ausgeprägter Obstruktion des Ausflusstrakts zum Einsatz; ein Überlebensvorteil ist nicht belegt.



Stadium B2 – die Weiche zur Prävention



Ab dem Stadium B2 ist eine Thromboseprophylaxe mit Clopidogrel sinnvoll. Die Empfehlung stützt sich auf die viel zitierte FAT-CAT-Studie, in der Clopidogrel in der Sekundärprävention nach einer Thromboembolie dem früher üblichen Aspirin überlegen war. Eine Dosis von 18,75 Milligramm pro Katze einmal täglich gilt als Standard. Engmaschige Kontrollen – etwa alle sechs Monate – helfen, den Verlauf im Blick zu behalten.



Stadium C – symptomatische Herzinsuffizienz



Akutes Lungenödem oder Pleuraerguss sind Notfälle, die in aller Regel stationäre Behandlung verlangen. In der Akutphase zählen:




ruhiger Transport und stressarme Aufnahme
Sauerstoff
Furosemid intravenös
bei Bedarf Entlastungspunktion eines Brustergusses
kein Einsatz von ACE-Hemmern in der Akutphase




Im chronischen Verlauf werden Furosemid, teils Torasemid, ACE-Hemmer und – bei ausgewählten Fällen ohne relevante Ausflusstrakt-Obstruktion – Pimobendan eingesetzt. Clopidogrel bleibt Teil der Thromboseprophylaxe. Wichtig ist ein häusliches Monitoring der Ruheatemfrequenz; liegt sie dauerhaft über 30 Atemzügen pro Minute in entspannter Ruhe, ist ein Praxisbesuch angezeigt.



Aortenthromboembolie als Notfall



Eine akut gelähmte Hinterhand mit starken Schmerzen, kalten Pfoten und fehlendem Puls ist ein absoluter Notfall. Die Prognose ist im Durchschnitt ernst: In einer großen britischen Auswertung wurde ein Großteil der betroffenen Katzen bereits in der Notfallsituation euthanasiert. Ein Teil der Tiere, das die erste akute Phase übersteht, kann aber nach Wochen der Rehabilitation wieder laufen lernen – unterstützt durch Schmerztherapie, Clopidogrel und teils weitere Antikoagulation. Die Entscheidung ist individuell, wird ehrlich mit der Tierarztpraxis besprochen und berücksichtigt vor allem die Lebensqualität der Katze.



Screening bei Risiko-Rassen



Zuchttiere prädisponierter Rassen sollten vor dem Zuchteinsatz echokardiographisch untersucht werden. Gentests (MYBPC3 bei Maine Coon und Ragdoll, ALMS1 beim Sphynx) liefern eine Zusatzinformation, ersetzen aber keinen Herzultraschall. Bei Adoption einer Katze aus einer Risikorasse ist eine einmalige Untersuchung im mittleren Alter eine sinnvolle Investition, besonders vor einer geplanten Narkose.



Prognose



Die Prognose hängt stark vom Stadium ab:




Im Stadium B1 können viele Katzen ein normales Katzenleben führen, ohne je Symptome zu entwickeln.
Im Stadium B2 ist das Risiko für Herzinsuffizienz und Thromboembolie deutlich erhöht. Regelmäßige Kontrollen und konsequente Thromboseprophylaxe sind entscheidend.
Im Stadium C und D ist die Lebenserwartung eingeschränkt; mit guter Therapie sind jedoch stabile Phasen über Monate bis Jahre möglich.




Besonderheit: Der Unterschied zwischen einer obstruktiven (HOCM) und einer nicht-obstruktiven Form hat in großen Auswertungen keinen eindeutigen Einfluss auf die Gesamtprognose.



HCM im Tierheim-Alltag



In unserem Tierheim achten wir bei Katzen aus Risikorassen und bei älteren Tieren besonders auf Hinweise auf eine HCM: ungewöhnliche Atemfrequenz in Ruhe, Synkopen, Herzgeräusche. Wo nötig, arbeiten wir mit kardiologisch versierten Tierarztpraxen zusammen. Eine Katze mit HCM ist kein Hindernis für eine Vermittlung – sie braucht aber eine Familie, die bereit ist, die Medikamente zuverlässig zu geben, die Atemfrequenz zu beobachten und bei Symptomen schnell zu reagieren.



Für Halter:innen gilt: Jede Katze sollte einmal pro Jahr tierärztlich vorgestellt werden. Bei Risiko-Rassen lohnt sich eine einmalige echokardiographische Untersuchung im mittleren Alter. Das kleine Zeitinvestment kann im Ernstfall Leben retten.







Fachquellen




Luis Fuentes V, Abbott J, Chetboul V et al. ACVIM consensus statement guidelines for the classification, diagnosis, and management of cardiomyopathies in cats. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2020.
Payne JR, Brodbelt DC, Luis Fuentes V. Cardiomyopathy prevalence in 780 apparently healthy cats in rehoming centres (the CatScan study). Journal of Veterinary Cardiology, 2015.
Hogan DF, Fox PR, Jacob K et al. Secondary prevention of cardiogenic arterial thromboembolism in the cat: the FAT CAT trial. Journal of Veterinary Cardiology, 2015.
Fox PR, Keene BW, Lamb K et al. International collaborative study to assess cardiovascular risk and evaluate long-term health in cats with preclinical hypertrophic cardiomyopathy and apparently healthy cats: The REVEAL Study. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2018.
Borgeat K, Wright J, Garrod O, Payne JR, Luis Fuentes V. Arterial thromboembolism in 250 cats in general practice: 2004–2012. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2014.
