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title: Ellbogendysplasie bei Hunden — Tierschutzverein Hannover
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date: 2026-04-22
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# Ellbogendysplasie bei Hunden

Die Ellbogendysplasie ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen beim jungen Hund mittlerer und großer Rassen – und oft der Grund, warum ein Welpe mit wenigen Monaten plötzlich zu lahmen beginnt. Der Begriff beschreibt nicht eine einzige Krankheit, sondern ein Bündel von Entwicklungsstörungen des Ellbogengelenks. Wer früh erkennt, was passiert, kann die Weichen für ein beschwerdearmes Hundeleben stellen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Zusammenhänge und zeigt, wie Halter:innen ihren Hund gut begleiten können.



Was Ellbogendysplasie bedeutet



Der Ellbogen ist ein fein abgestimmtes Gelenk aus drei Knochen: Oberarmknochen, Elle und Speiche müssen passgenau zusammenspielen. Bei einer Ellbogendysplasie (ED) sitzen diese Knochen nicht optimal aufeinander oder entwickeln sich ungleichmäßig. In der Folge entstehen kleine Risse, abgesprengte Knorpelstücke oder nicht verwachsene Knochenanteile. Die Gelenkfläche wird ungleichmäßig belastet – und aus einer Entwicklungsstörung wird mit den Jahren eine fortschreitende Arthrose.



Die internationale Orthopäd:innen-Gruppe IEWG (International Elbow Working Group) unterscheidet vier klassische Formen:




Fragmentierter medialer Kronfortsatz (FCP oder FMCP): ein kleines Knochenstück an der Elle löst sich – die häufigste Form.
Osteochondrosis dissecans (OCD): ein Stück Knorpel am Oberarmknochen lockert sich oder bricht aus.
Isolierter Processus anconaeus (UAP): ein knöcherner Fortsatz verwächst nicht korrekt mit der Elle.
Inkongruenz: die drei Gelenkknochen passen nicht sauber zueinander, zum Beispiel weil Elle und Speiche ungleich schnell wachsen.




In vielen Fällen treten mehrere dieser Befunde gleichzeitig auf.



Wie sich die Ellbogendysplasie entwickelt



Eine Ellbogendysplasie entsteht nicht plötzlich, sondern während der Wachstumsphase. Klinisch fällt sie typischerweise im Alter zwischen dem vierten und zehnten Lebensmonat auf. Hinter der Erkrankung steht in den meisten Fällen ein asynchrones Längenwachstum von Elle und Speiche: Wenn einer der beiden Knochen schneller wächst als der andere, entsteht ein dauerhafter Druck auf den medialen Kronfortsatz. Kleine Mikrorisse und Knorpelschäden sind die Folge – die Basis für die späteren Befunde.



Der Gelenkschluss des Processus anconaeus ist normalerweise bis zur 20. Lebenswoche abgeschlossen. Bleibt er offen, spricht man von UAP. Entsprechend wird die Diagnose für diese Form frühestens ab der 24. Lebenswoche gestellt.



Welche Rassen besonders betroffen sind



Die Ellbogendysplasie trifft vor allem mittelgroße und große, schnell wachsende Rassen. Zu den am häufigsten betroffenen Rassen zählen:




Labrador Retriever, Golden Retriever
Rottweiler, Berner Sennenhund, Neufundländer, Bernhardiner
Deutscher Schäferhund, Chow Chow




Der isolierte Processus anconaeus (UAP) taucht klassischerweise beim Deutschen Schäferhund, Berner Sennenhund und Bernhardiner auf. Große britische Primärversorgungsdaten zeigen eine Jahresprävalenz der Ellbogendysplasie in der Hundepopulation von rund 0,5 Prozent, bei Labrador Retrievern aber etwa 2,5 Prozent. In Screening-Programmen einzelner Rasseklubs liegen Berner Sennenhunde und Rottweiler aktuell bei rund 20 Prozent auffälligen Befunden.



Warum Ellbogendysplasie entsteht



Die Erkrankung ist polygenetisch: Viele Gene und Umweltfaktoren spielen zusammen. Die Erblichkeit bewegt sich in internationalen Studien je nach Rasse im Schnitt bei rund 0,3, mit deutlichen Ausreißern nach oben und unten.



Zu den gut belegten Umweltfaktoren zählen:




ein Energie- oder Kalziumüberschuss im Welpenfutter, der das Wachstum zu stark beschleunigt
zu schnelles Wachstum insgesamt, oft verstärkt durch Überfütterung
Übergewicht im jungen Alter
hohe Stoßbelastung des Gelenks während des Wachstums – häufiges Treppensteigen, ausdauernde Sprünge, exzessives Ballspiel




Ein guter Mittelweg aus artgerechter Fütterung und moderater Bewegung senkt das Risiko nachweislich, auch wenn die genetische Veranlagung bleibt.



Erste Anzeichen im Alltag



Viele Halter:innen merken als Erstes, dass ihr Welpe oder Junghund nach dem Aufstehen steif wirkt oder dass er beim Spielen plötzlich anfängt zu lahmen. Typisch sind:




eine Vorderhandlahmheit zwischen dem vierten und zehnten Lebensmonat, oft einseitig, in vielen Fällen aber beidseits
eine leicht veränderte Pfotenstellung, häufig mit nach außen gedrehter Pfote
verkürzte Schritte in der Vorhand
ein deutliches Kopfnicken beim Traben
Steifigkeit nach dem Liegen, die sich nach ein paar Schritten bessert
Bewegungsunlust, obwohl der Hund eigentlich gern läuft
mit zunehmendem Alter: Muskelabbau an Schulter und Oberarm, Gelenkverdickung, chronische Lahmheit durch Arthrose




Weil die Beschwerden zunächst schwanken, werden sie häufig als „Wachstumsschmerzen" fehlgedeutet. Bei Welpen und Junghunden großer Rassen sollten wiederkehrende Lahmheiten immer tierärztlich abgeklärt werden.



Wie die Diagnose gestellt wird



Klinische Untersuchung



Tierärztinnen und Tierärzte prüfen das Gangbild, untersuchen den Ellbogen auf Schwellungen und bewegen das Gelenk vorsichtig in Beugung und Streckung. Eine deutliche Schmerzreaktion bei maximaler Beugung oder bei Druck auf die Innenseite des Gelenks ist ein wichtiger Hinweis.



Röntgen



Die erste bildgebende Diagnostik ist das Röntgen. Die IEWG empfiehlt dafür mindestens eine gebeugte mediolaterale Aufnahme, ergänzt durch eine leicht gedrehte kraniokaudale Projektion. Das Röntgen zeigt Arthroseveränderungen, eine fehlende Verwachsung des Processus anconaeus oder Hinweise auf eine OCD-Läsion. Für den fragmentierten Kronfortsatz ist die Sensitivität auf Röntgenbildern allerdings begrenzt.



CT und Arthroskopie



Die Computertomografie gilt heute als bester Weg, um eine Fragmentierung des Kronfortsatzes sicher zu erkennen. Die Arthroskopie ermöglicht zusätzlich eine direkte Beurteilung der Knorpelqualität und kann gleich therapeutisch eingesetzt werden. Viele Kliniken kombinieren beide Verfahren.



IEWG-Schweregrade



Für Zucht- und Dokumentationszwecke wird die Ellbogendysplasie in vier Stufen eingeteilt:




Grad 0: unauffälliges Gelenk
Grad 1: milde Arthroseveränderungen
Grad 2: moderate Arthrose oder eine sichtbare Einzelläsion
Grad 3: schwere Arthrose oder Einzelläsion mit Arthrose; UAP wird grundsätzlich als Grad 3 gewertet




Das offizielle Screening-Röntgen für Zuchtzwecke erfolgt frühestens mit 12 Monaten.



Behandlungsmöglichkeiten



Konservative Therapie



Viele Hunde mit milder bis moderater Ellbogendysplasie profitieren von einem konsequent durchgeführten, konservativen Konzept:




ein konsequentes Gewichtsmanagement; die schlanke Figur entlastet das Gelenk am zuverlässigsten
entzündungshemmende Medikamente nach tierärztlicher Verordnung bei schmerzhaften Phasen
Physiotherapie und Hydrotherapie mit gezieltem Muskelaufbau, Unterwasserlaufband und passiven Bewegungsübungen
kontrollierte Bewegung mit ruhigen Leinenrunden, kein Springen, kein Toben
Omega-3-Fettsäuren als gut belegte Ergänzung; Glucosamin und Chondroitin haben laut aktueller Evidenz nur begrenzten Nutzen




Operative Verfahren



Wenn Schmerzen bestehen bleiben oder eine deutliche Läsion vorliegt, stehen verschiedene Eingriffe zur Auswahl:




Arthroskopische Fragmententfernung: der Goldstandard bei einem fragmentierten Kronfortsatz – das abgelöste Knochen-/Knorpelstück wird entfernt und die Gelenkfläche geglättet.
Subtotale Coronoidektomie (SCO): bei ausgedehnten Knorpelschäden am Kronfortsatz.
Dynamische Ulna-Osteotomie: bei ausgeprägter Inkongruenz, vor allem bei jungen Hunden; die Elle wird so durchtrennt, dass sie sich im Gelenk neu ausrichten kann.
PAUL (Proximal Abducting Ulnar Osteotomy): bei einseitigem medialen Kompartmentschaden wird die Last auf das bisher unversehrte laterale Kompartment umgeleitet.
CUE (Canine Unicompartmental Elbow): ein Teilgelenkersatz bei fortgeschrittenen medialen Veränderungen.
Totalendoprothese (TER): als letzte Rettungsoption bei ausgeprägter Arthrose beider Gelenkkompartimente.




Ein wichtiges, realistisches Bild aus der Forschung: Eine aktuelle Metaanalyse von Meyer-Lindenberg und Kolleg:innen findet keinen klaren Vorteil der Operation gegenüber der konservativen Therapie, wenn es um Lebensqualität und langfristige Lahmheit geht. Das Ergebnis heißt nicht, dass operative Eingriffe überflüssig wären – sie bleiben bei vielen Hunden die beste Option. Es heißt vielmehr, dass die Entscheidung individuell getroffen werden muss, in Ruhe und gemeinsam mit einer erfahrenen orthopädischen Fachpraxis oder Klinik.



Alltag mit einem Hund mit Ellbogendysplasie



Ob nach einer Operation oder im Rahmen einer konservativen Therapie – viele kleine Anpassungen machen im Alltag einen spürbaren Unterschied:




rutschfeste Teppiche auf glatten Böden, damit keine unvorhergesehenen Stoßbelastungen entstehen
eine Rampe für den Einstieg ins Auto, besonders bei größeren Hunden
regelmäßige, ruhige Bewegungseinheiten statt seltener Überanstrengung; Schwimmen und langsames Traben sind ideal
ein orthopädisches, gut gepolstertes Liegekissen
ein stabiles Gewicht, im Zweifel lieber etwas unter als über dem Idealwert
Handling, bei dem der Ellbogen nicht verdreht wird: Lehnen Sie sich beim Hochheben nicht auf den Vorderlauf




Prognose und Lebensqualität



Eine Ellbogendysplasie lässt sich nicht rückgängig machen, und die daraus entstehende Arthrose schreitet in aller Regel fort. Trotzdem erreichen die meisten Hunde bei guter Betreuung eine gute Lebensqualität. Eine schwedische Langzeitstudie zeigte, dass Hunde mit milder und moderater Ellbogendysplasie über viele Jahre hinweg keine deutlich schlechtere Lebensqualität aus Sicht ihrer Halter:innen erlebten als gesunde Tiere; bei moderater ED war jedoch die Wahrscheinlichkeit für stärkere Lahmheitsphasen erhöht.



Prävention und Zucht



Die beste Vorbeugung beginnt bei der Zuchtauswahl. Für viele Risikorassen ist ein offizielles Ellbogenscreening nach IEWG-Vorgabe Pflicht, bevor ein Hund zur Zucht zugelassen wird. Sprechen Sie Züchter:innen gezielt auf die ED-Befunde der Eltern- und Großelterntiere an – seriöse Zuchtbetriebe legen diese Unterlagen ungefragt vor. Langfristig senken konsequente Selektionsprogramme die Häufigkeit der Erkrankung messbar, wie eine Auswertung über 60 Rassen und mehrere Jahrzehnte gezeigt hat.



Halter:innen großer Welpen tragen ebenfalls viel zur Prävention bei:




ein Welpenfutter für die richtige Größenklasse, ohne eigenmächtige Kalzium-Ergänzungen
schlanke Wachstumsphase statt „Babyspeck"
moderate Bewegung auf weichem Untergrund, keine dauernden Treppen und Sprünge
rutschfeste Böden im Zuhause
regelmäßige tierärztliche Check-ups, gerade bei Risikorassen




Ein Wort zu Katzen



Eine Ellbogendysplasie, wie sie beim Hund beschrieben wird, gibt es bei Katzen praktisch nicht. Was dagegen vorkommt, ist eine Ellbogen-Arthrose, die vor allem im Alter Beschwerden verursachen kann – ihre Ursachen sind jedoch andere. Wer bei seiner Katze eine Bewegungseinschränkung beobachtet, lässt das am besten gezielt abklären.



Ellbogendysplasie im Tierheim-Alltag



Viele der Rassen, die regelmäßig bei uns in Hannover abgegeben werden – Labradore, Schäferhunde, Rottweiler, Mischlinge mit großem Elternteil – zählen zu den ED-Risikogruppen. Wir begegnen der Erkrankung dort, wo Junghunde mit plötzlicher Lahmheit aufgenommen werden, und auch bei älteren Hunden, die eine lange Gelenkgeschichte hinter sich haben. Unser Anspruch: ehrliche Beratung, tierärztliche Abklärung vor der Vermittlung und die Suche nach Menschen, die bereit sind, ihrem Hund den ruhigen, vernünftigen Alltag zu schenken, den er oder sie braucht. Ein Hund mit Ellbogendysplasie ist kein „beschädigtes Tier" – er ist ein Tier mit besonderem Bedarf und großer Dankbarkeit für ein gutes Zuhause.







Fachquellen




Vezzoni A, Benjamino K. Canine Elbow Dysplasia: Ununited Anconeal Process, Osteochondritis Dissecans, and Medial Coronoid Process Disease. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 2021.
Kähn H, Zablotski Y, Meyer-Lindenberg A. Therapeutic success in fragmented coronoid process disease and other canine medial elbow compartment pathology: a systematic review with meta-analyses. Frontiers in Veterinary Science, 2023.
International Elbow Working Group. Grading Primary Elbow Dysplasia Lesions and Elbow Osteoarthrosis According to the IEWG Protocol. IEWG/WSAVA, Positionspapier.
Oberbauer AM, Keller GG, Famula TR. Long-term genetic selection reduced prevalence of hip and elbow dysplasia in 60 dog breeds. PLoS ONE, 2017.
Bergström A et al. Long-term quality of life in dogs with elbow dysplasia. Frontiers in Veterinary Science, 2020.
DeCamp CE, Johnston SA, Déjardin LM, Schaefer SL. Brinker, Piermattei and Flo’s Handbook of Small Animal Orthopedics and Fracture Repair. 5. Auflage, Elsevier, 2016.
